Alfred Smieszschala: Familie Polje in Telgte und Ostbevern
Bei familienkundlichen Forschungen findet man in den Kirchenbüchern manchen interessanten Hinweis auf die Herkunft einer Familie. So ist mir jetzt bei der Bearbeitung einer Familie in den Telgter und Ostbeverner Kirchenbücher der Name „Polje“ aufgefallen und mir war lange nicht klar, woher die Familie stammen könnte. Ich vermute die Herkunft des Familienamens jetzt im Balkanraum, von wo er mit einem Soldaten einer der vielen Söldnertruppen des Dreißigjährigen Krieges ins Münsterland gekommen ist.
Der Name leitet sich von der Gruppe der Ortsnamen in weitesten Sinn ab. Das Wort „Polje“ ist serbokroatisch und bedeutet „Feld“. In Kroatien haben sich viel Dörfer und Siedlungen den Beinamen „Polje“ gegeben. Gleichzeitig ist Polje ein geologischer Fachbegriff der Karstgebiete und bezeichnet ein flaches wannenförmiges Becken mit steilen Hängen und ebenen Böden aus Verwitterungsrückständen, das zeitweise unterirdisch be- und entwässert wird. Die ebenen Böden dieser Senken sind durch tonige Sedimente abgedichtet und sie können nach langen Regenperioden geflutet werden, wodurch dann ein temporärer See entsteht. Durch den Eintrag von Verwitterungsmaterial bilden sich oft fruchtbare Böden. Polja sind bis zu mehreren Quadratkilometern groß.
In Deutschland ist das „Kosovo Polje“, das Amselfeld, durch seine Weine bekannt. Das Amselfeld ist auch die Stätte verschiedener Kriege. So kam es am 28. Juni 1389 zur großen Schlacht auf dem Amselfeld (Fusha e Kosovës / Kosovo Polje / Amselfeld - der Name „Kosova“ ist vom serbischen Namen für Amsel abgeleitet). Es standen sich die Osmanen und ein Verbund christlicher Armeen, bestehend aus serbischen, albanischen, ungarischen, bosnischen und bulgarischen Truppen, gegenüber. Die Schlacht hatte auf beiden Seiten Zehntausende von Toten zu Folge. Obwohl es keinen wirklichen Sieger gab, waren die christlichen Truppen zu stark geschwächt, um den osmanischen Vorstoß weiter aufhalten zu können. Viele Serben verließen darauf Kosova, und albanische Einwanderer aus den Bergen rückten nach.
Zur Veransschaulichung habe ich hier noch eine Kurzgenealogie der Familie Polje-Meier hinzugefügt:
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