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Jüdische Schüler des Bielefelder Gymnasiums, die später nach Amerika auswanderten oder emigrierten (1845-1940)

Dr. Monika Minninger: Jüdische Schüler des Bielefelder Gymnasiums, die später nach Amerika auswanderten oder emigrierten (1845-1948)

 

Das Bielefelder Gymnasium (heute Ratsgymnasium) wurde zwischen 1798 und 1938 von rund 460 Schülern jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung besucht, von denen ein Viertel außerhalb von Stadt und Kreis Bielefeld beheimatet war – zumeist in kleineren Städten und Gemeinden des heutigen Regierungsbezirks Detmold. Überlieferungslücken sowohl in den schulgeschichtlichen Unterlagen als auch in städtischen Meldeakten und der fast völlige Wegfall von Nachfahren jüdischer Familien auf deutschem Boden erschweren es heute, dem Schicksal ihrer Auswanderer und Emigranten nachzugehen. Im Übrigen: Der (angehende) jüdische Kaufmann, der im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu Ausbildungszwecken oder als Geschäftsreisender mit Reisepass nach Übersee ging und dort „hängen“ blieb, hinterließ kaum Spuren in seiner Heimatstadt; erst recht verlieren sich für uns seine Spuren in den Weiten des amerikanischen Kontinents. Wo er in den Quellen ersichtlich war, wurde im Folgenden hüben wie drüben besonders der schulische und berufliche Werdegang des Einzelnen berücksichtigt.

Die häufigen Stellungs- und Ortswechsel dieser Emigranten nach 1933 bezeugen den verzweifelten Kampf um eine Existenzmöglichkeit in Deutschland und später um ein Einreisevisum nach Süd-, Mittel- oder Nordamerika bzw. Kanada, ohne dass nachfolgend im Einzelfall darauf verwiesen wird. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika standen, wie im 19. Jahrhundert, auch nach 1933 für Juden an erster Stelle der überseeischen Einwanderungsländer, während die Emigration nach Israel in der antizionistisch gewachsenen Bielefelder Synagogengemeinde erheblich unter dem Reichsdurchschnitt lag.

Die nachfolgende Liste ist das Nebenprodukt eines Beitrages über die jüdischen Gymnasiasten der besagten Schule in ihrer Festschrift zum 450. Jubiläum im Jahre 2008. Sie ermöglicht es dem Leser der Jubiläumsschrift, den Werdegang eines Teiles dieser Schüler zu verfolgen – wozu im Beitrag selbst wenig Raum gegeben ist. Innerhalb von amerikanetz.de bildet das Nachfolgende eine Parallele zum Beitrag von Fritz Ostkämper über die ausgewanderten jüdischen Gymnasiasten des König-Wilhelm-Gymnasiums in Höxter im südöstlichen Bereich des gleichen Regierungsbezirks. Allerdings werden hier, anders als bei Ostkämper, nur Auswanderung und Emigration auf den amerikanischen Kontinent berücksichtigt. Bedingt durch die schwierige Quellenlage und aus Gründen eines angemessenen Arbeitsaufwandes - im Hintergrund steht kein Buchprojekt, sondern ein Beitrag in Aufsatzform - erhebt die nachfolgende Auflistung keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Ergänzungen und Korrekturen aus dem Wissen „vor Ort“ oder von amerikanischen Nachfahren sind willkommen.

 

Becher, Herbert (später Baxter, Herbert C.), * 3.1.1904 Bielefeld, Eltern: Getreidehändler Baruch Becher und Hedwig, geb. Windmüller; Abitur 1923 am Real-Zweig der Schule (künftig Realgymnasium). Studium der Nationalökonomie in Berlin 1922-25, anschließend Kaufmann dort; ab 1931 Getreidehändler in Bielefeld; emigrierte im November 1933 über die Niederlande, Hongkong (1936) und das Ghetto Shanghai im Juli 1948 nach USA; er lebte dort 1959 in Portland/ Oregon und verstarb in den 60er Jahren.

Berg, Helmut, * 1.8.1919 Bielefeld, Eltern: Hautarzt Dr. med. David Berg und Palmyra, geb. Goldstein; Schulabgang 1935 mit Mittlerer Reife; er emigrierte nach einer Fabriklehre 1937 in die Schweiz, Studium in Winterthur; 1949 ging er nach USA und lebte 1959 in Springfield/ Massachusetts. Helmut Berg ist im Mai 1994 in Vernon/ Connecticut verstorben.

Blumenau, Max, * 7.11.1855 Bünde, Vater: Kaufmann dort. Schulabgang 1872 auf Unterprima zwecks kaufmännischer Ausbildung; Kaufmann, zuletzt Teilhaber der Fa. S. Blumenau & Sohn, Leinen- und Wäschegeschäft; er verließ Bielefeld mit seiner Familie in den 1880er Jahren und wanderte nach Auskunft eines Verwandten wahrscheinlich über Apeldoorn /Niederlande nach Brooklin aus.

Blumenthal, Ernst (später Dale, Carl Ernest), * 4.2.1917 Hamburg, evangelischer Konfession, Eltern: Rechtsanwalt Dr. Erich B. und Mathilde, geb. Köbke, Nichtjüdin; Schulabgang im September 1934 auf Obersekunda; er emigrierte damals mit der Familie in die Schweiz und von dort über Holland und England im Juni 1941 nach USA; in England hat er in Cambridge die Perse -School und 1936-38 die Universität besucht; seit 1946 ist er in New York als Dozent verschiedener Universitäten belegt. Am 16.8.1998 starb Ernst Blumenthal in New York.

Bonin, Alfred, * 25.10.1900 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Otto B., verstorben 1910, und Ida, geb. Meyer; Schulabgang 1916 mit Mittlerer Reife; kaufmännischer Reisender 1918-30 in Dortmund, 1931 bis September 1938 in Sorau/ Niederlausitz; er emigrierte im April 1939 von Bielefeld nach Shanghai – weil man für die Auswanderung nach dort kein Visum brauchte. Dort 1943-45 im Ghetto. Von Shanghai konnte er im April 1947 nach Seattle/ Washington auswandern. Im Oktober 1996 verstarb Alfred Bonin in King/ Washington.

Bonin, Hans (mit späterem Vornamen Morris), * 15.6.1896 Bielefeld, Eltern: Malermeister Leonhard Bernhard B. und Mathilde, geb. Rosenbaum; Schulabgang 1913 mit Mittlerer Reife, dann Maler im väterlichen Betrieb; über Hamburg (seit 1.1.1934) ist Hans Bonin nach USA emigriert. Er verstarb im September 1968 in Miami/ Florida.

Bonin, Julius, * 23.1. 1881 Bielefeld, Eltern: wie oben Bruder Hans B.; Schulabgang 1898 mit Mittlerer Reife am Realgymnasium, dann Kaufmann in Bielefeld; nach 1933 emigrierte er nach USA und ist dort 1958 verstorben.

Bonin, Max, Bruder von Hans und Julius B., * 3.7.1903 Bielefeld, Schulabgang 1920 mit Mittlerer Reife am Realgymnasium, dann kaufmännischer Angestellter, seit 1932 vorübergehend in Oppeln/ Oberschlesien, zuletzt bei der Deutschland-Palästina-Verkehrsgesellschaft Berlin tätig. Max Bonin emigrierte nach Rückkehr aus dem KZ Buchenwald Anfang 1939 nach La Paz/ Bolivien, wo er bei der Sociedad de Protección a los Inmigrantes Israelitos Beschäftigung fand und heiratete; von dort ging er 1946 mit Ehefrau und Kind nach Forest Hill/ New York, wo er 1947-1949 zunächst als Angestellter eines Reisebüros arbeitete. Max Bonin verstarb am 24.6.1961.

Brady, Walter, * 29.3.1896 Bielefeld, Eltern: Schirmfabrikant Gustav B. und Rose, geb. Jordan; Schulabgang im Januar 1910 (UIII), danach Privatschule Brakemann; selbständiger Kaufmann in Bielefeld (Teilhaber der Schirmfabrik Marcus Jordan); emigrierte im Februar 1939 mit Ehefrau Ellen geb. Cosmann und den Kindern Gert-Julius und Vera in die USA. Walter Brady verstarb bereits im April 1946 in Lancaster/ Pennsylvania.

Cahn, Otto, * 30.12.1894 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Isidor C., verstorben 1913, und Berta, geb. Steinberg; Schulabgang 1911 mit Mittlerer Reife; Mitinhaber der Bielefelder Fa. Roos & Cahn, Herrenbekleidungsfabrik; er emigrierte im September 1939 nach Albuquerque/ New Mexiko. Otto Cahn verstarb im März 1973 in Queens/ New York.

Dahl, Erich (später Eric), * 23.5.1898 Bielefeld, Vater: Kaufmann Moritz D., verstorben

1899, die Mutter starb 1905, Vormund der drei Söhne und einer Tochter wurde Rabbiner Dr. Felix Coblenz; Abitur 1916 am Realgymnasium, Jurastudium u.a. 1916-18 in Tübingen. Erich Dahl lebte 1930 als Rechtsanwalt Dr. iur. in Berlin und emigrierte zu unbekanntem Zeitpunkt nach USA. Dort ist er im Dezember 1971 verstorben.

Dreyer, Rudolf, * 3.11.1907 Bielefeld, Eltern: Bankier Max D. und Wally, geb. Rosenthal; aus Gesundheitsgründen war er zeitweilig Schüler in der Odenwaldschule und in Bielefeld/ Bethel; Schulabgang vom Gymnasium Bielefeld 1923 mit Mittlerer Reife; er wurde Kaufmann. Im Dezember 1932 emigrierte Rudolf Dreyer nach Albuquerque/ New Mexiko, später nach São Paulo/ Brasilien. Rudolf Dreyer verstarb Mitte der 60er Jahre.

Erda, Rudolf, * 10.2.1903 Detmold, Eltern: Kaufmann Hermann E. in Bielefeld und Berta, geb. Paradies; Abitur 1921, Dr. iur., Staatsanwalt, ging im Mai 1935 nach Kiel; er emigrierte von dort aus 1940 auf die Philippinen, später nach USA, wo er als Rechtsanwalt praktizierte. 1976 lebte Rudolf Erda in New York, wo er im Mai 1980 verstorben ist.

Frankenstein, Samuel, * 5.8.1813 Heepen/ Bielefeld, Eltern: Kaufmann Jacob F. in Heepen und Hanne, geb. Lebach; wurde Ostern 1826 Schüler des Bielefelder Gymnasiums und wanderte in jungen Jahren nach Baltimor aus.

Goldberg, Erich, *28.10.1901 Essen, Eltern: Kaufmann Eduard G. in Bielefeld (Damenkonfektion) und Berta, geb. Paradies; Abitur 1920 am Realgymnasium, dann Kaufmann in Bielefeld (Mitinhaber des väterlichen Betriebs); im Januar 1937 emigrierte er mit seiner Ehefrau Ilse, geb. Frank nach New York. Erich Goldberg ist im August 1980 in Forest Hills/ New York verstorben.

Goldstein, Bruno, * 22.9.1886 Bielefeld, Vater: Kaufmann Moritz G.; Schulabgang Ostern 1900 auf Obertertia, danach Wechsel auf eine höhere Schule in Breslau. 1902 kehrte er als Bankbeamter nach Bielefeld zurück und meldete sich 1905 nach Paris ab. Bruno Goldstein ging zu unbekanntem Zeitpunkt nach USA und verstarb im Februar 1964 in New York.

Goldstein, Georg, * 6.7.1895 Werther, Eltern: Kaufmann Meyer G. in Bielefeld und Regina, geb. Nordheim; er war Schüler am Bückeburger Gymnasium 1912/13, am Bielefelder 1905-12 und 1913/14, Kriegsabitur Herbst 1914, Weltkriegsfreiwilliger; nach dem Jurastudium war Georg. Goldstein Rechtsanwalt in Bielefeld sowie Leiter des Jüdischen Frontkämpferbundes und wurde als solcher stärker als andere verfolgt. Im Januar 1936 emigrierte er nach Bogota/ Kolumbien, lebte später aus Gesundheitsgründen dort im tiefer gelegenen Medellin, dann in Baranquila und war als Vertreter tätig. 1949 kehrte er aus Gesundheitsgründen nach Bielefeld zurück und wurde dort Landgerichtsrat. Georg Goldstein verstarb am 19.5.1955 in Tegernsee.

Gottschalk, Otto, * 11.3.1893 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Bernhard G. und Regina, geb. Herzfeld; Schulabgang 1908 mit Mittlerer Reife; er arbeitete als Kaufmann in Bielefeld in der väterlichen Fa. (Mantelhaus Gottschalk), dann in der Gütersloher Filiale; im Dezember 1938 emigrierte er mit Ehefrau Lotte oder Betty, geb. Salomon sowie den Kindern Marion und Bernhard von Gütersloh nach Chile. Otto Gottschalk verstarb dort bereits am 4.11.1942 in San Antonio.

Griesbach, Hans-Peter, * 22.12.1923 Bielefeld, Eltern: Dr. med. Albert G. und Feora geb. Alexander; Schulabgang im November 1936 auf Quarta wegen der bevorstehenden Emigration; im Dezember 1936 emigrierte er mit der Familie nach Laguna Hills/ Kalifornien; er studierte in USA Medizin und praktizierte später als Arzt. Hans-Peter Griesbach lebte 1959 in McHenry/ Illinois und 1982 in San Francisco.

Gumpert, Rudolf, * 11.12.1901 Bielefeld, seit seiner Heirat evangelischer Konfession; Eltern: Kaufmann Moses G. und Hedwig, geb. Culp; Schulabgang 1918 mit Mittlerer Reife; Filialleiter des väterlichen Damenkonfektionshauses; er ging 1936 nach Berlin und emigrierte von dort im gleichen Jahr nach New York mit Ehefrau Marianne, geb. Ruhlke (Nichtjüdin) und Sohn Peter. Rudolf Gumpert verstarb im Oktober 1870 in Asheville/ North Carolina.

Hartig, Ernst, * 20.10.1879 Köln, Vater: Kaufmann in Köln, früh verstorben; der Sohn lebte bei der Mutter in Bielefeld; Schulabgang im Herbst 1893 auf UIII. Ernst Hartig wanderte früh zu unbekanntem Zeitpunkt nach USA aus.

Hecht, Günter, * 11.12.1927 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Leo H. (Teilhaber der Fa. Schiff & Hecht, Wollwaren) und Herta, geb. Lewinski; besuchte das Bielefelder Gymnasium nur wenige Monate auf Oberprima bevor er Ende September 1938 mit der Familie nach USA emigrierte, wo er zunächst als Zeitschriftenverkäufer zum Unterhalt beitrug. Er besuchte die High School in Flushing/ New York und wurde Bachelor der Universität New York. Bis 1962 war Günter Hecht im Warenhaus-Außendienst in New York und später in Atlanta tätig. Heute (2007) lebt er in Alpharetta/ Georgia.

Hecht, Leo, * 16.3.1890 Bielefeld, Eltern: Hermann H. (Gründer der Fa. Hecht & Schiff) und Lina, geb. Manuel; Schulabgang 1906 auf Unterprima; selbständiger Kaufmann, Teilhaber, s.o., Sohn Günter. Leo Hecht emigrierte Ende September 1938 mit Ehefrau Herta, geb. Lewinski sowie den Söhnen Werner und Günter nach USA. Dort arbeitete er zunächst in einer Versandabteilung und später in der von seiner Frau gegründeten Manufaktur für Tischwäsche. Leo Hecht verstarb am 4.2.1958 in Flushing/ New York.

Hecht, Werner, * 13.12.1923 Bielefeld, Eltern: s.o., Vater Leo Hecht; Schulabgang vor der Emigration im September 1938 nach USA. Dort trug er zunächst als Zeitungsbote zum Familienunterhalt bei. Er setzte seine Ausbildung fort und wurde Ingenieur; 1965 lebte er in Oakland/ Kalifornien. Werner Hecht ist am 19.8.1998 in Piedmont/ Kalifornien verstorben.

Heimann (später Heinemann), David, * 18.2.1854 Lügde; Vater: Kaufmann Hermann Heinemann in Lügde; Schulabgang 1870 mit Quartaabschluß; Kaufmann in Lügde, 1886 mit der Familie nach USA ausgewandert, kehrte allerdings wieder zurück und lebte in Bad Pyrmont.

Heine, Hermann, * 8.2.1858 Bielefeld/ Schildesche, Vater: Leinenkaufmann Simon H. in Schildesche; Schulabgang 1872 mit Quarta. Hermann Heine wanderte in jungen Jahren nach USA aus.

Heineberg, Ludwig (Louis), * 31.12.1854 Bad Driburg, Vater: Metzger Abraham H. in Bad Driburg; Schulabgang 1868 auf Quarta; 1873 belegt als Reisender für Kaufmann Levide/ Driburg (Aufkauf von Viktualien mit Hundekarren). Ludwig Heineberg ist wohl kurz nach 1873 zu seinem Bruder nach USA ausgewandert.

Herzberg, Emanuel, * 16.11.1812 Bielefeld, Eltern: Handelsmann Bendix Mendel H. und Esther, geb. Simon; Ostern 1832 Abitur; im November 1832 bewarb er sich um die Stelle des jüdischen Lehrers in Oelde, wo er als inoffizieller Lehrer und vermutlich Kantor gewirkt hatte. Die Behörden verweigerten ihm die Anstellung wegen fehlenden Lehrerexamens und zu niedriger Besoldung. Danach studierte Emanuel Herzberg Medizin und ließ sich 1842 als Arzt Dr. med. in Preußisch Oldendorf nieder; dort war er Gemeindevorsitzender und Aktionär der Zeche Amalia. Er floh 1859 zur gleichen Zeit wie sein Bruder Simon vor einer Zivilklage über England nach USA. In Bielefeld ist eine Druckschrift von Emanuel Herzberg über die Bekämpfung der Cholera in seinem Arztsprengel überliefert.

Herzfeld, Carl, * 22.1.1865 Bielefeld, Eltern: Leinenkaufmann Philipp H., verstorben 1880, und Emma, geb. Rüdenberg; Schulabgang Ende 1881 (OIII); wanderte als Kaufmannslehrling 1883 nach Kalamazoo/ Michigan aus, wo er Helene Philippson aus Altona heiratete. In Milwaukee/ Wisconsin wurde Carl Herzfeld Mitbegründer der Herzfeld-Philippson Company, später „Boston Store Incorporation“, ein millionenschweres Familienunternehmen. Er starb am 13.5.1930 in Milwaukee.

Herzfeld, Hugo, * 14.1.1864 Bielefeld, Eltern wie oben, Bruder Carl; Schulabgang 1881 mit OIII; folgte seinem Bruder Carl 1884 nach USA und fungierte 30 Jahre lang als Manager in dessen Store. Hugo Herzfeld starb ledig im Mai 1937 in Milwaukee.

Herzfeld, Max, * 14.12.1862 Bielefeld, Eltern: wie oben, Brüder Carl und Hugo; Schulabgang 1876; dieser älteste (überlebende) von sechs Brüdern und drei Schwestern führte die väterliche Leinenhandlung weiter und folgte schließlich seinen beiden Brüdern 1901 nach Milwaukee, wo er ab 1903 ebenfalls als Manager im Store seines Bruders Carl wirkte; seine Ehefrau wurde Helene Leopold aus Altona. Max Herzfeld starb 1956 in Milwaukee.

Herzfeld, Wilhelm, * 17.8.1875 Steinheim, Vater: Kaufmann in Steinheim; Schulabgang 1890 mit UIII; er lebte seit 1921 als Kaufmann in Berlin (Fa. Strauß); nach 1933 emigrierte er mit Ehefrau Meta Strauß nach Argentinien und von dort in die USA. Wilhelm Herzfeld starb in Chicago.

Hope, Albert, * 1.3.1851 Verl, Vater: Kaufmann Calmann Hope in Verl; Schulabgang 1868 auf Untersekunda des Realgymnasiums; kaufmännische Ausbildung; nach 1879 ist Albert Hope nach USA ausgewandert.

Ising, Carl Moritz, * 13.1.1819 Bielefeld, Vater: Kaufmann Beermann Ising und Selma, geb. Wittgenstein; belegt am Gymnasium 1829 als Quintaner; er wurde Blaufärber in Bielefeld, konvertierte 1843 und wanderte 1845 nach USA aus. Dort starb er bereits ein Jahr später wahrscheinlich an einer der zahlreichen Seuchen.

Jacobi, Louis, * 9.7. 1861 Hartum bei Minden, Eltern: Salomon J., Gerichts-Taxator und Inhaber eines „Dienstmann-Institutes“ in Bielefeld und Lina, geb. Abel; wegen Krankheit legte Louis Jacobi das Abitur erst 1881 am Realgymnasium ab; er lebte 1908 als Kaufmann in New York und kehrte nicht nach Bielefeld zurück.

Katz, Willy, * 19.3.1902 Bielefeld, Eltern: Benno K., Teilhaber des Textilkaufhauses Alsberg und Vorstandsvorsitzender der Katz-Textil-AG (KATAG), und Laura, geb. Hoffmann; 1921 Abitur am Realgymnasium; Studium der Volkswirtschaft ohne Abschluss, dann Teilhaber und Geschäftsführer der Fa. Alsberg & Co., arisiert Ende 1938. Willy Katz floh am Tag des Novemberpogroms 1938 vor der drohenden Verhaftung nach Berlin und tauchte dort für zwei Monate unter. Nach seiner Rückkehr emigrierte er Ende August 1939 mit Sohn Peter (* 1933 Düsseldorf) von Bielefeld über Rotterdam nach England, wo er unter Hunger beide als Bürstenvertreter durchbringen musste. Im April 1940 konnten Vater und Sohn per Schiff nach New York und von dort nach Cleveland/ Ohio gelangen. Die Ehefrau Vera, geb. Löwenstein hatte 1938 im Hinblick auf die Auswanderung in Berlin eine Ausbildung zur Kosmetikerin absolviert, konnte dann aber im Oktober 1939 die holländische Grenze nur noch illegal mit Hilfe eines Fluchthelfers passieren. Im Januar 1940 gelang es ihr, mit Unterstützung ihres in Ohio lebenden Schwagers von Rotterdam per Schiff zu Ehemann und Sohn nach Ohio zu emigrieren. Willy Katz starb in Folge der Entbehrungen und einer Gehirnhautentzündung bereits am 11.2.1941 in Cleveland/ Ohio.

Katzenstein, Alfred, * 8.10.1873 Bielefeld, Eltern: Bankier Moritz K. und Lyda, geb. Rosenthal; Schulabgang 1890 mit Mittlerer Reife am Realgymnasium; wurde Bankdirektor in Bielefeld. Er emigrierte im Februar 1939 mit Ehefrau Minna, geb. Eichwald nach Rio de Janeiro, wo Tochter Hilde schon seit 1935 lebte. Alfred Katzenstein verstarb am 25.12.1954 im brasilianischen Petropolis/ Est do Rio.

Katzenstein, Hans, später John H. Kayton * 17.2.1908 Bielefeld, Eltern: Fabrikant Joseph K. und Elsbeth, geb. Heinemann; Schulabgang 1925 in UII; danach studierte er fünf Semester am Technikum in Lemgo und wurde Ingenieur; vor der Verfolgung unterhielt er mit seinem Bruder eine OHG zur Herstellung von Metallklammern; nach der Freilassung aus dem KZ Buchenwald, wo er irreparabele Erfrierungen an den Füßen erlitten hatte, emigrierte Hans Katzenstein im Juli 1939 nach England und von dort im April 1940 nach USA. In New York, wo er 1966 noch lebte, betrieb er mit seiner Ehefrau 1946 zunächst eine Werkstatt zur Herstellung von Samtkissen für Schmuck. Hans Katzenstein ist im September 1982 in Miami/ Florida verstorben.

Levin, Helmut, * 17.4.1921 Elberfeld; Vater: Kaufmann Hans L. in Bielefeld; Schulabgang Juni 1933 auf ein Berliner Gymnasium. Helmut Levin emigrierte 1933 von Berlin nach São Paulo/ Brasilien.

Loewenstein, Max, * 5.10.1894 Bielefeld, Vater: Kaufmann Jacob L.; 1914 Abitur, gab als künftiges Studienfach Medizin an; stud.phil. in Göttingen und Frankfurt/ Main. Max Loewenstein wanderte in den 20er Jahren nach Brasilien aus und starb dort am 6.6.1960 in São Paulo.

Merfeld, Carl, * 7.6.1862 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Louis Levy M. und

Johanna, geb. Rosenberg; Schulabgang 1878 mit Mittlerer Reife zur Handelsschule in Osnabrück; wurde Fabrikant (Leinen und Taschentücher) in Bielefeld; im April 1939 emigrierte er mit seiner Ehefrau Anna, geb. Herzberg nach New York, wo sich Sohn Kurt bereits befand. Carl Merfeld starb am 25.4.1946 in New York.

Merfeld, Joseph, * 28.12.1832 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Herz M. (Makler) und Jette, geb. Steinthal; Schulabgang vor 1850; Kaufmann in Bielefeld. Joseph Merfeld ist spätestens 1858 nach Baltimore/ USA ausgewandert, wie drei seiner Brüder.

Merfeld, Kurt, * 24.3.1906 Bielefeld, Vater: Fabrikant Carl.M., s.o.; 1924 Abitur am Realgymnasium; er emigrierte im Juni 1936 nach USA, wo er 1960 in Manhasset/ New York lebte. Kurt Merfeld verstarb im Februar 1986 in Brattleboro/ Vermont.

Merfeld, Moses Moritz, * 1.4.1824 Bielefeld, Eltern: wie oben, Bruder Joseph M.; Schulabgang um 1838 (auf Tertia) nach Leipzig, wo er vermutlich als Kaufmann lebte; er wanderte von dort 1853 nach USA aus.

Metz, Berthold, * 17.5.1863 Minden, Eltern: Rechtsanwalt und Justizrat Philipp M. in Bielefeld, verstorben im Juli 1887, und Elvira, geb.Metz; Gymnasialbesuch bis Mitte 1879 in Minden, danach Umzug der Familie nach Bielefeld, dort Schulabgang 1881 auf Obertertia; er wurde Eisenbahningenieur und ging 1887 nach Herford, dann vor 1900 Auswanderung nach USA, wo sich ihm wegen des Eisenbahnausbaues Chancen boten. Berthold Metz lebte 1922 mit seiner Familie in Cleveland/ Ohio und ist dort wahrscheinlich vor 1932 verstorben..

Meyer, Alfred Georg, * 5.2.1920 Bielefeld, Eltern: Rechtsanwalt Dr. Gustav Meyer und Therese, geb. Melchior; 1938 Abitur, ursprüngliches Studienziel war Jura; im Herbst 1938 Besuch der Gronerschen Sprach- und Handelsschule in Hamburg, danach Schreiber im Anwaltsbüro seines Vaters; im Juli 1939 emigrierte er von Bielefeld nach USA, wo er 1940/41 zunächst ein Jahr lang in einer Fabrik arbeitete. Von 1941-45 war Alfred Meyer Leutnant der US-Armee. 1946-50 studierte er dann Politikwissenschaft an der Harvard-Universität und Slawistik am Hoover-Institut in Stanford/ California. Danach wirkte er als Dozent bzw. Professor für Politik an der Harvard-Universität, der Washington-Universität in Seattle, der Columbia-Universität und seit 1966 der Michigan State University in Ann Arbor; 1958 war er Gastprofessor der Freien Universität Berlin. Alfred Meyer war Spezialist für Marxismus-Leninismus und für Beziehungen der UDSSR zu nichtkommunistischen Staaten. Am 22.4.1998 verstarb er in Ann Arbor. Alfred Meyer ist Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Meyer, Egon, * 27.8.1901 Bielefeld, Eltern: Fabrikant Julius M. (Plüsch- und Moquetteweberei) und Anna, geb. Unger; Schulabgang 1919 auf Obersekunda; Besuch der Hochschulen für Textilindustrie in Chemnitz und für Farbchemie in Krefeld; seit 1928 Geschäftsführer der väterlichen Firma; nach Arisierung dieser Firma fungierte er als Vertreter der Göritz-AG in Chemnitz. Er emigrierte im Oktober 1937 mit seiner Ehefrau Hildegard, geb. Göritz nach Mexiko, wo er zunächst bis zur erzwungenen Kündigung 1940 deutsche Firmen vertrat; im Krieg lebte er von Gelegenheitsarbeiten, bis er 1945 wieder seine Vertretertätigkeit aufnehmen konnte. 1971 wohnte Egon Meyer in Mexiko City.

Meyer, Georg, * 5.6.1901 Oerlinghausen, Vater: Arzt Dr. med. Max M. in

Oerlinghausen; er besuchte das Realgymnasium Bielefeld von Herbst 1874 (Quarta) bis zum Abitur Ostern 1881; danach Medizinstudium und Niederlassung außerhalb von Oerlinghausen; da Georg Meyer im April 1941 als Arzt in New York lebte und damals die amerikanische Staatsbürgerschaft erwarb, muss er 1936 in die USA eingewandert sein. Georg Meyer verstarb im November 1983 in New York.

Meyer, Heinrich (Alex), evangelischer Konfession; * 17.2.1911 Rheda, Eltern: Fabrikant Dr. Otto Meyer in Rheda, die Mutter Gertrud, geb. Meyer war nichtjüdisch; Schulabgang 1928 (Unterprima); nach einem Jahr Praktikum bei den Bielefelder Dürkopp-Werken studierte er Maschinenbau in Berlin; nach dem Examen emigrierte er im Oktober 1933 nach Argentinien, wo Heinrich Meyer 1962 verstarb.

Meyer, Heinz, * 7.6.1899 in Oerlinghausen, Vater: Kaufmann Joe M. in Oerlinghausen; Abitur im Juli 1917 am Realgymnasium. Er ist wahrscheinlich identisch mit Heinz Meyer, * 7.6.1899, verstorben im März 1987 in Damascus/ Virginia. (U.S. Social Security Death Index).

Meyer(-Sternberg), Ernst, evangelischer Konfession, * 28.6.1893 Bielefeld, Vater: Kaufmann Gustav M., verstorben 1900, und Berta, geb. Tuchmann; Schulabgang 1909 auf Unterprima des Realgymnasiums; Bankbeamter; er emigrierte im Mai 1937 von Bielefeld nach New York.

Meyerfeld, Arthur, * 29.5.1904 Bielefeld, Eltern: Schirmfabrikant Julius M. und Selma, geb. Bier; 1922 Abitur am Realgymnasium; er studierte in Heidelberg und Freiburg und lebte Mitte der 20er Jahre in Berlin. Arthur Meyerfeld ist zu unbekanntem Zeitpunkt nach USA emigriert und lebte 1960 in San Francisco. Am 20.1.1989 ist er in San Carlos/ Kalifornien verstorben.

Meyerfeld, Fritz (späterer Vorname Fred David), * 7.7.1903 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Max M. und Emma, geb. Goldschmidt; Schulabgang 1920 auf Unterprima; Kaufmann; er ging 1936 zunächst nach Amelunxen und emigrierte von dort 1937 nach USA; 1957 lebte Fritz Meyerfeld in Long Branch/ New Jersey, seit 1959 in Burbank/ Los Angeles, wo er im März 1970 verstarb.

Meyerfeld, Hans (später John), * 4.3.1913 Bielefeld, Eltern: wie oben, Bruder Arthur; Schulabgang 1929 mit Obertertia des Realgymnasiums, unselbständiger Kaufmann (Katz-Textil-AG, ab 1935 gezwungenermaßen bei Fa. Roos & Cahn). Hans Meyerfeld emigrierte im Dezember 1937 von Bielefeld nach San Francisco, wo er im Oktober 1984 verstarb.

Michaelis, Sammi, * 7.2.1855 Lügde, Eltern: Kaufmann Simon M. in Lügde und Rieke, geb. Mendel; Schulabgang 1870 auf Quarta. Sammi Michaelis wanderte 1871 wie vier seiner Verwandten von Lügde in die USA aus.

Mosberg, Hans, *4.3.1904 Bielefeld, Eltern: Max M., Fabrikant für Arbeitsbekleidung, und Johanna, geb. Vorreuter; Schulabschluss 1920 mit Mittlerer Reife; Kaufmann in der väterlichen Firma. Er emigrierte im August 1939 nach England und von dort nach Kanada. Ende der 80er Jahre verstarb Hans Mosberg in Montreal.

Mosberg, Paul Julius, * 30.12.1902 Bielefeld, Eltern: Fabrikant Julius M. (Berufskleidung) und Johanne, geb. Rosenberg; 1921 Abitur am Realgymnasium, 1921-24 kaufmännische Lehre bei Fa. M. Braunsberg & Söhne in Hannover, dann Volontär in Berlin. Seit 1925 war er in der väterlichen Fabrik tätig, zuletzt als Geschäftsführer und Prokurist. Er emigrierte im August 1940 über Russland und Japan nach Seattle/ Washington, wo er 1958 als Fotograf arbeitete. Dort ist Paul Mosberg im Juni 1972 verstorben.

Mühlfelder, Werner (später Warren J. Muhlfelder), * 14.5.1910 Bielefeld, Eltern: William M., Teilhaber der Fa. Kaufhaus Alsberg, und Martha, geb. Hoffmann; 1929 Abitur am Realgymnasium; er studierte Medizin in Bonn und Düsseldorf und promovierte später in Basel; 1936 war er kurzzeitig Assistent am jüdischen Krankenhaus in Köln. Im September 1936 emigrierte er über Rotterdam nach New York. Dort wurde er Assistenzarzt und erhielt im Oktober 1937 das Niederlassungsrecht als Arzt. Paul Mühlfelder ist am 12.5.1998 in Altoona/ Pennsylvania verstorben.

Paradies, Koppel Karl, * 11.5.1864 Oerlinghausen, Vater: Bekleidungskaufmann Jacob P. in Oerlinghausen; Schulabgang 1879 auf Untertertia des Realgymnasiums; bis 1935 Leiter des väterlichen Geschäftes, dann Umzug nach Bielefeld; von dort im Januar 1939 mit Ehefrau Berta, geb. Erda und Sohn Rudolf nach Manila/ Philippinen und weiter nach USA emigriert. Karl Paradies verstarb 1950 in Oakland/ California.

Paradies, Sieghard Samson, * 1874 Oerlinghausen, Vater: Zigarrenfabrikant Heinemann P. in Oerlinghausen. Er besuchte 1886-88 das König-Wilhelm-Gymnasium Höxter; Schulabgang am Bielefelder Gymnasium im Herbst 1891 auf Untersekunda; nach dem preußischen Militärdienst Auswanderung nach Santa Fé/ New Mexiko/ USA; er gelangte als Kriegsfreiwilliger im spanisch-amerikanischen Krieg 1898 nach Mindanao/ Philippinen. Samson Paradies verstarb im März 1937 in Manila.

Proskauer, Erich, * 10.6.1902 Bielefeld, Eltern: Heinrich P., Kantor der Synagogengemeinde und jüdischer Religionslehrer auch des Gymnasiums, und Berta, geb. Meyer; Schulabgang 1918 mit Mittlerer Reife am Realgymnasium. Er arbeitete von 1928 bis Oktober 1938 als Buchhalter bei der KATAG und der Fa. Ruben in Bielefeld. Im April 1939 emigrierte Erich Proskauer nach Shanghai/ China, wo er zunächst von gelegentlichen Einkünften als Musiker lebte und von Mai 1943 bis August 1945 im Ghetto Shanghai interniert war. 1947 konnte er in die USA auswandern, wo er bis Mai 1948 auf die Unterstützung des Jewish Family and Child Service angewiesen war. Ab Mai 1948 konnte Erich Proskauer wieder als Buchhalter in Seattle/ Washington arbeiten.

Proskauer, Hans, * 16.6.1908 Bielefeld, Eltern: wie oben, Bruder Erich; Schulabgang 1923 auf Obertertia; nach der kaufmännischen Ausbildung wurde er 1929 Angestellter der Fa. Gebr. Alsberg in Hamm und seit 1931 dort Abteilungsleiter; wegen Freundschaft zu einer Nichtjüdin wurde er in Hamm verfolgt und ging nach Bielefeld zurück, wo er als Lagerist bei den Firmen KATAG und später Hecht arbeitete; Mitte 1938 bis März 1939 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Tiefbauarbeiter. Danach emigrierte Hans Proskauer nach Shanghai, wo er ebenfalls bis August 1945 im Ghetto festgehalten wurde. Von September 1945 bis April 1947 war er dort Büroangestellter der US-Heeresleitung. Danach konnte er in die USA auswandern und wurde Zuschneider in der Textilmusterfabrikation. Hans Proskauer verstarb in den 60er Jahren in New York.

Richter, Eugen, evangelischer Konfession, * 12.4.1891 Bielefeld, Vater: Kaufmann Ferdinand R., nichtjüdisch; besuchte nur die Sexta des Realzweigs bis Herbst 1902 und wechselte dann ans Gymnasium Gütersloh über; kaufmännische Ausbildung; Anfang der 20er Jahre wanderte er nach USA aus. Eugen Richter ist im März 1969 in Rensselaer/ New York verstorben.

Rose, Heinz, * 28.7.1905 Bielefeld, Eltern: Metzgermeister Albert R. und Jenny, geb. Isacson; 1924 Abitur, Rechtsanwalt, verzog im Oktober 1937 nach Hamburg; von dort emigrierte er 1938 in die USA und verstarb bereits 1942 in Kittaning/ Pennsylvania .

Rose, Max, * 10.9.1874 Bielefeld, Eltern: Metzgermeister Joseph R. und Julie, geb. Wolf; Schulabgang 1886 (auf Quinta). Max Rose wurde Schlosser und emigrierte 1900 nach New York.

Rosenberg, Kurt, * 8.5.1923 Bielefeld; Eltern: Kaufmann Otto R. und Elsa, geb. Schlesinger; Schulabgang emigrationsbedingt 1937 auf Obertertia; im Juli 1937 folgte er seinen Eltern nach Uruguay, wo er zunächst in der Landwirtschaft arbeitete und 1980 noch lebte.

Rosenberg, Otto, * 2.6.1901 Bielefeld, Eltern: Arzt und Sanitätsrat Dr. med. Siegfried Rosenberg und Marie, geb. Katzenstein; Schulabgang 1901 (auf Real-Unterprima); unselbständiger Kaufmann; emigrierte im April 1935 von Bielefeld nach Shanghai und von dort nach USA. Nach dem Krieg kehrte er wieder nach Bielefeld zurück, arbeitete dort als Handelsvertreter und verzog 1960 mit seiner Familie nach Lemgo.

Rosenberg, Willy, * 20.6.1899 Hagen, Eltern: wie oben, Bruder Otto R.; 1917 Kriegsabitur, Dr. med., praktizierte als Dermatologe in Herford; vor 1933 wanderte er über London nach Shanghai aus, arbeitete dort als Arzt und ging später nach Texas bzw. New York.

Ruben, Albert, * 29.5.1887 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Julius R. und Elly, geb. Frank; 1906 Abitur, 1908 stud. med. in Breslau. Albert Ruben wurde Arzt und wanderte 1911 nach USA aus.

Rüdenberg, Klaus, (später Ruedenberg), seit 1935 evangelischer Konfession, * 25.8.1920 Bielefeld; Eltern: Textilkaufmann Otto R. und Meta, geb. Wertheimer; Abitur 1938; er emigrierte im Mai 1938 in die Schweiz, wo er 1939-48 in Fribourg und Zürich Chemie und Physik studierte; 1948 Eheschließung mit der Schweizer Pfarrerstochter Veronika Kutter und Emigration in die USA; dort Promotion und Universitätslaufbahn als Professor für theoretische Chemie und Physik in Chicago, Aimes/ Iowa, Baltimore und seit 1964 wieder Aimes/ Iowa. Er erhielt Gastprofessuren u.a. in Neapel, Zürich und Bonn und die Ehrendoktorwürde mehrerer amerikanischer und europäischer Universitäten, darunter 1991 die seiner Heimatstadt Bielefeld. Klaus Rüdenberg lebt heute (2007) als Emeritus in Aimes/ Iowa und ist noch in der Forschung tätig.

Schöneberg, Sally (genannt Bildenstein), * 9.1.1864 Bielefeld/ Brackwede, Eltern: Kaufmann Moses Sch., verstorben 1890, und Julie, geb. Löwenstein; Schulabgang 1876 auf Quinta, danach Jacobsonschule in Seesen. Sally Schöneberg wanderte 1893 nach Amerika aus. Ihm folgte dorthin wahrscheinlich sein jüngerer Bruder Manfred Schoeneberg, genannt Bildenstein, * 8.2.1870 Brackwede; Schulabgang am Bielefelder Gymnasium auf Quarta.

Sieger, Heinz (später Henry), * 11.3.1910 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Max Sieger und Hedwig, geb. Heine; 1929 Abitur; Jurastudium, 1. juristische Staatsprüfung im Juli 1933; da er als Jude nicht zum Referendariat zugelassen wurde, arbeitete er zunächst im Schrotthandel und emigrierte dann im Dezember 1936 nach New York; dort machte er eine Ausbildung zum Buchprüfer und fand seit 1940 eine Anstellung. Heinz Sieger verstarb am 27.1.1993 in New York.

Simons, Adolf (später Dolf A.M. Simons), * 5.7.1894 Olfen/ Lüdinghausen; Vater: Kaufmann Levi S. in Olfen; 1913 Abitur am Realgymnasium, Medizinstudium; er emigrierte in die USA und lebte als Hautarzt in Seattle/ Washington. Adolf Simons verstarb im Dezember 1966 in Portland/ Oregon.

Spanier, Moritz, * 9.2.1868(?) in Bielefeld-Jöllenbeck, Vater: Kaufmann in Bielefeld. Moritz Spanier verließ das Gymnasium 1882 auf Quinta und wurde Kaufmann; er emigrierte im März 1937 in die Niederlande und von dort nach USA.

Speyer, Eugen, * 17.2.1868 Bielefeld, Eltern: Herrenbekleidungsfabrikant Hugo S. ( verstorben 1893) und Johanne, geb. Katzenstein. Der Sohn verließ das Bielefelder Gymnasium im Juli 1882 auf Tertia, weil die Familie nach Osnabrück verzog. Am Realgymnasium Osnabrück ging er im Juni 1884 auf Untersekunda mit dem Berufsziel „Kunstgärtner“ ab. Eugen erlernte dennoch den Kaufmannsberuf und wanderte von Osnabrück am 21.4.1892 nach Indianapolis/ Indiana aus. Von dort kam er wiederholt zu Besuch nach Osnabrück.

Speyer, Felix, * 18.11.1869 Bielefeld, Eltern: wie oben, Bruder Eugen. Er verzog ebenfalls im Juli 1882 (auf Quarta) mit der Familie nach Osnabrück, wo er das Realgymnasium 1886 mit Mittlerer Reife verließ. Felix wurde ebenfalls Kaufmann und meldete sich von Osnabrück im November 1888 nach Amerika ab.

Speyer, Otto, * 14.1.1841 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Joseph S. und Henriette, geb. Schiff. Otto Speyer verließ das Gymnasium nach 1852 und wanderte 1867 als Kaufmann in die USA aus.

Spiegelthal, Friedrich Wilhelm Joseph, wahrscheinlich kurz nach der Geburt getauft, * um 1816 Paderborn, Vater: Arzt in Paderborn; 1836 Abitur, danach Medizinstudium. Er wanderte 1847 mit seiner Familie nach USA aus.

Stern, Herbert, * 15.9.1894 Halle / Westfalen, Eltern: Kaufmann Robert S. in Bielefeld, s.u., und Paula, geb. Isaac; Schulabschluss 1911 auf Unterprima, anschließend besuchte er ein Semester lang die Handelshochschule in Frankfurt/ Main; 1924 wurde er Teilhaber der väterlichen Firma. Er emigrierte im Juli 1936 mit Ehefrau Helene Pieck (Nichtjüdin) und den Töchtern Marlies, Lore und Eva nach New York. Dort war er anfänglich als kaufmännischer Angestellter der Firma Benedetto tätig. Herbert Stern ist im Juni 1980 in Lowell/ Massachusetts verstorben.

Stern, Robert, * 3.2.1864 Halle/ Westfalen, Vater: Kaufmann Herz Stern in Bielefeld; Schulabgang 1880 mit Mittlerer Reife; er wurde Rohproduktengroßhändler in der väterlichen Firma. Er emigrierte im März 1939 mit seiner Frau Paula, geb. Isaak nach New York, wo sich bereits seine vier Kinder Thea, Anna, Fritz und Herbert befanden. Robert Stern ist am 28.1.1949 in Queens County/ New York verstorben.

Sternfeld, Georg, * 27.11.1880 Lemgo, Eltern: Kaufmann Bernhard Joseph S. und Emilie, geb. Blumenthal, seit 1882 in Bielefeld; Schulabgang 1897 mit Mittlerer Reife. Georg Sternfeld ging im gleichen Jahr nach Amerika, kehrte aber nach Bielefeld zurück und starb dort bereits am 4.12.1906.

Wallach, Hugo, * 23.8.1872 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Heinemann W. (verstorben 1899) und Julie, geb. Zunsheim; Schulabgang 1889 mit Mittlerer Reife am Realgymnasium; zunächst Kaufmann im väterlichen Getreidehandel, 1912-19 unter Rathenau Mitarbeiter im Reichsernährungsamt in Berlin. Er verzog im Dezember 1938 wieder von Bielefeld nach Berlin und emigrierte im Februar 1939 von dort mit seiner Frau Martha, geb. Weinberg nach Argentinien, wo auch die beiden Töchter Ilse und Grete zunächst lebten. Hugo Wallach verstarb bereits am 1.7.1945 in Buenos Aires.

Wallach, Julius, * 9.9.1874 Bielefeld, Eltern: wie oben, Bruder Hugo; Schulabgang 1889 mit Quarta. Er gründete in München 1895 das weltbekannte Volkskunsthaus Wallach und betrieb es mit seinem Bruder Moritz bis zur Arisierung, danach Kaufmann in Wiedenbrück. Mit einem Visum für Siam begann Julius W. im Juli 1939 mit seiner zweiten Ehefrau Johanna geb. Einstein und unter finanzieller Unterstützung von Familienmitgliedern die Flucht zunächst per Schiff über Antwerpen nach Larache/ Marokko; hier wie im spanischen Melilla an der marokkanischen Mittelmeerküste wurden sie durch deutsche Stützpunktleiter vertrieben. Schließlich konzedierte man ihnen ein Flug nach Mallorca und von dort die Überfahrt nach Ibiza, wo Sohn Helmut als Pächter eines Bauernhofes lebte. Nach Ausweisung durch den dortigen deutschen Stützpunktleiter erlangten sie in Mallorca vom italienischen Konsul als ehemaligem Kunden des Volkskunsthauses Wallach ein dreimonatiges Visum für Rom. Es folgten vier Jahre in Rom, in denen Julius W. als privater Deutschlehrer und seine Frau als Erzieherin beim Schweizer Botschafter ihren Lebensunterhalt bestritten; im Oktober 1942 Privataudienz bei Papst Pius XII. Am 26. August 1943 – dem Tag von Mussolinis Sturz – erhielten sie endlich einen Flug nach Barcelona. Von dort ging es mit einem Transport des kanadischen Roten Kreuzes im März 1944 per Schiff von Lissabon nach Philadelphia und von dort nach Toronto, wo Julius W. anfangs als Gehilfe, dann als Wandergärtner und im Winter als Dreher in einer Metallwarenfabrik arbeitete. Nach Kriegsende holte Stiefsohn und US-Leutnant Henry Nelson die Eltern nach New York. Nach dem Tode seiner Frau (1954) kehrte Julius als einziger der noch überlebenden Wallach-Brüder in die Heimat zurück und wohnte in Neubeuern/ Bayern, wo er 1965 im Alter von 91 Jahren starb.

Wallach, Karl, * 20.9.1884 Geseke als jüngster von sieben Brüdern, Eltern: wie oben, Bruder Hugo; Bielefelder Gymnasiast 1894/95; Kaufmannslehre in der Bielefelder Textilagentur Neuberg, dann Mitarbeiter seiner beiden Brüder im Volkskunsthaus Wallach in München; nach dem Tod des Vaters gezwungenermaßen 1899 Teilhaber im väterlichen Getreidehandel, ging 1935 wieder nach München und emigrierte von dort 1936 mit seiner Frau Leni, geb. Stein in Begleitung eines incognito reisenden NS-Diplomaten über Berlin, Moskau und Wladiwostok nach China, wo ihnen ein Vereinsbruder der Bielefelder “Schlaraffia“ das Geld für die Schiffspassage nach USA lieh. In New York arbeitete er zunächst als Butler, dann als Museumswärter am Museum For Modern Art. Karl Wallach verstarb 1970 in New York.

Weiler, Moses, * 19.6. oder 15.7.1854 Peckelsheim, Eltern: Ökonom David W. in Peckelsheim, früh verstorben, und Bertha, geb. Ganz. Die Mutter lebte als Witwe ohne Vermögen in Herford; Schulabgang von Moses Weiler 1871 mit Mittlerer Reife am Realgymnasium. Er wanderte wohl kurz danach (kaum 1869, wie andernorts vermutet) von Herford ohne Genehmigung nach Amerika aus.

Weiss, Fritz, später Fred White* 14.9.1921 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Emil W. und Anne, geb. Plaut; Schulabgang 1936 mit Obertertia-Reife; war zunächst von Juni 1936 bis März 1937 Volontär bei der KATAG und emigrierte dann im gleichen Monat allein zu einem Onkel nach New York. Dort besuchte er bis 1940 eine höhere Handelsschule und war während des Krieges Angehöriger der US-Armee. 1947/48 studierte er an der Northwestern University of Chicago. Beruflich war er in der Reisebranche tätig. Fred White verstarb am 2.9.2003 in Dahlonega/ Georgia.

Weiss, Herbert, * 30.5.1916 Bielefeld, Eltern: Rechtsanwalt Dr. Richard W. und Klara, geb. Dreyer; 1934 Abitur, danach ein Jahr Volontär in einer Werkzeugfabrik, dann zwei Semester Studium an der TH Hannover und in Italien. Herbert Weiss emigrierte 1936 über Italien und London (1938) nach Bolivien, wo er bei einer Minengesellschaft beschäftigt war. 1952 versetzte ihn seine Firma nach Chile und später nach Brasilien, wo er heute noch (2007) in São Paulo lebt.

Weiß, Rudolf, * 10.12.1883 Bielefeld, Eltern: Kaufmann Adolf W., verstorben 1893, und Agnes, geb. Elsberg. Schulabgang 1900 mit Mittlerer Reife; er meldete sich 1903 nach Hannover ab und emigrierte zu unbekanntem Zeitpunkt nach USA. Rudolf Weiß verstarb um 1960 im Staate Maryland/ USA.

Werthauer, Fritz, * 15.8.1892 Bielefeld, Eltern: Fabrikant Alex W. und Rosa, geb. Buchmann. Schulabschluss 1908 mit Mittlerer Reife; er arbeitete als Bankkaufmann 1910 im Bielefelder Bankhaus Katzenstein; 1911 ging er nach Lübeck und später zu unbekannten Zeitpunkt nach USA. Fritz Werthauer verstarb im Dezember 1965 in New York.

Wisbrun, Erich, * 25.3.1899 Bielefeld/ Brackwede, Eltern: Kaufmann Moritz W. (Bettengeschäft in Brackwede) und Mathilde, geb. Tuteur; Schulabgang 1913 (mit Quarta) zur Jacobsonschule in Seesen. Erich Wisbrun wanderte als Ingenieur 1926 nach Albion/ Michigan aus.