17 westfälische Städte und Gemeinden mit "Twins" in den Vereinigten Staaten
von Friedel Schütte
17 Städte und Gemeinden in Westfalen und Lippe haben nach dem Zweiten Weltkrieg und andauernd bis heute 19 Partnerschaften mit Orten in den Vereinigten Staaten von Amerika geschlossen. Die überwiegende Zahl dieser Sister-City-Verbindungen entstand zwischen 1960 und 1990. Anlass waren in den meisten Fällen private Kontakte von Bürgern hüben und drüben, wobei sehr oft die "Roots" eine entscheidende Rolle spielten.
Mindestens 300.000 Westfalen und Lipper trugen im 19. Jahrhundert als Einwanderer zum Aufbau der "Neue Welt" bei und drückten Hunderten von "Little Germanies" für viele Jahrzehnte ethnologisch und kulturell ihren Stempel auf.
Bei der Suche nach eingewanderten Vorfahren aus Westfalen kamen nach dem Krieg immer mehr Amerikaner nach Deutschland, um vor Ort ihre "Roots", die Herkunft der ausgewanderten Vorfahren, zu erkunden. Vor allem wollten sie wissen, warum ihre Ahnen eine so schöne Heimat meist auf Nimmerwiedersehen Richtung "Neue Welt" verlassen hatten.
So entdeckten und entdecken bis heute Millionen Amerikaner in Westfalen alte, in zwei Weltkriegen verschüttete Verwandtschaften.
Man bedenke: Binnen 70 Jahren, von 1830 bis 1900, haben 7 Millionen deutschsprachige Europäer ihre Heimat aus Not verlassen und sich in den U.S.A. angesiedelt. Darunter mindestens 300.000 Westfalen und Lipper. Das war, zumindest auf Westfalen bezogen, die größte Völkerwanderung aller Zeiten in unserer Heimat!
Und sie (die Westfalen) zogen anfangs schwerpunktmäßig und in Dorfgemeinschaften oder Konfessionsgemeinschaften in den Mittleren Westen; an die Großen Seen bis hinunter nach St. Louis, nach Ohio, Wisconsin, Iowa, Illinois, Missouri oder gar Texas. Wo sie ihre "Little Westphalians", ihre "Klein-Westfalen-Dörfer" gründeten und überwiegend weiter das vertraute westfälische Platt sprachen. Bis an die Schwelle zum 21. Jahrhunderts. Siedlungen, die oft den Namen des Heimatortes bekamen. Oder der nächsten größeren Ortschaft ihrer alten Heimat.
Den Namen der früheren Regierungshauptstadt Minden gibt es in den U.S.A. gleich achtmal, dazu Minster (Münster), Paderborn, Cappeln (Westerkappeln), Detmold und New Melle (Melle) sowie Glandorf und Schaumburg im niedersächsischen Grenzgebiet zu Westfalen.
US-Städte wie Westphalia und (zweimal) Hermann weisen eindeutig auf die Herkunft ihrer Gründer.
Beim amerikanischen Generalkonsulat in Düsseldorf sind derzeit 17 verschiedene Partnerschaften zwischen Städten/Gemeinden in Westfalen und den U.S.A., Schwerpunkt Mittlerer Westen, registriert. Eine 18. und Partnerschaft (Löhne - Columbus, IN) sowie eine 19. (Rödinghausen - Pemberville OH) fügen wir hinzu, außerdem drei "Sister-Cities" aus dem unmittelbaren Grenzgebiet NRW-Niedersachsen, weil diese stark nach Westfalen hineinwirken.
20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf Anregung der damaligen amerikanischen Regierung "Sister-Cities International" gegründet. Zweck: Die Menschen der in zwei Weltriegen verfeindeten, verwandten Völker einander wieder näher zu bringen und sich politisch, kulturell und mitmenschlich auszutauschen.
Dieser Organisation sind allerdings nur ein Teil der nachfolgend genannten US-Partnerstädte angeschlossen. Das hat meist zwei Gründe: Erstens kostet die Mitgliedschaft Geld. Zweitens forderte SCI in der Vergangenheit von beitretenden Städten in den U.S.A. die Erfüllung strenger Bedingungen.
Alteingesessene hierzulande erfahren oft überrascht , dass ihre Sippe aus jener Zeit der Massenauswanderung nach Amerika, in Übersee mit oft Hunderten von Nachfahren gleichen Namens vertreten ist. Und dies in Orten, die nicht selten den selben Namen wie ihr eigenes Heimatdorf tragen.
Bei manchen deutschen Städten und Gemeinden ist, nach einer anfänglichen Euphorie für internationale Partnerschaften in aller Welt, eine gewissen Ernüchterung und Zurückhaltung eingetreten, insbesondere bei Kommunalpolitikern und Behörden. Gründe dafür gibt es manche, angefangen von den hohen Summen, die vor allem große deutsche Städte in den 50-er und 60-er Jahren in offizielle Besuchsreisen zu Partnern im europäischen Ausland, aber auch nach Übersee, steckten.
Denn anfangs bestritten Politiker auf Sister-City-Tour ihre Reisekosten meist nicht aus eigener Tasche. Sondern der Steuerzahler bezahlte die Zeche. –
Heute?
In den Partnerschaftskontakten "unserer" Sister-City Verbindungen von Westfalen nach Nordamerika gibt es erfreuliche viele Beispiele dafür, wie politische Mandatsträger bei den fälligen Besuchsreisen ihre Kosten wirklich aus der eigenen Tasche beglichen haben und weiterhin selbst bezahlen wollen, so, wie es für alle anderen Mitreisenden selbstverständlich ist.
Andererseits wissen es Offizielle in Städten und Gemeinden zu schätzen, wenn Verantwortung für die Pflege und den Ausbau der Beziehungen von hüben nach drüben, in die Hände privater Partnerschafts- Vereine gelegt werden kann, private Träger, die wiederum alle speziellen Interessen und den Austausch auf kultureller, schulischer und sportlicher Ebene bündeln.
So ist es beispielsweise in Ostwestfalen gang und gäbe, die gesamte Verantwortung und Arbeit einem örtlichen oder auf Kreisebene arbeitenden "Deutsch-Amerikanischen Freundeskreis e.V." zu übertragen. Das ebenfalls privat agierende Pendant dazu ist bei den Partnerstädten in U.S.A. die jeweilige "Sister City Commission". Oft werden wegen der fortlaufenden Auswanderungsforschung auch noch Heimat- und Geschichtsvereine bzw.in Amerika "Historical Societies" einbezogen.
Dabei tauschen die verschwisterten Städte durchaus "richtige" Partnerschaftsurkunden aus, und dies meist in eindrucksvoller Form mit Siegel und Unterschriften. Doch die Arbeit und Verantwortung dafür, dass es tatsächlich zum regelmäßigen Austausch von Schülern, Studenten, Feuerwehr, Sportgruppen, Pädagogen, Kirchenleuten, Politikern und Journalisten kommt, besorgen auf jeder Seite des Atlantiks der zuständige DAFK-Präsident und ein kreativer, fleißiger Sekretär. Und das alles ehrenamtlich und außerhalb des eigentlichen Berufs "nach Feierabend"!
Die Erfahrung nach den Terroranschlägen in den U.S.A. und dem Golfkrieg zeigt, dass alle vorher bestandenen Freundschaften der Menschen von hüben und drüben zueinander, darunter kaum spürbar oder gar nicht gelitten haben, sondern man sich jetzt erst recht unter echten Partnern und Freunden austauscht und zu verstehen versucht. Und: Das wichtigste Ergebnis der bestehenden Städte-Partnerschaften zwischen Deutschland und den U.S.A. sind ja das gegenseitige Kennenlernen, Verstehen und ein Dialog der Jugend auf allen Ebenen!
Als vorbildlich über Westfalen hinaus dürfen die Ergebnisse der Partnerschaft zwischen Paderborn und Belleville (Neu Paderborn) in Illinois gelten. Ohne die viele anderen, ebenfalls blühenden "Twinnings" zurückzustellen, soll diese äußerst vielseitige und lebendige Freundschafts-Verbindung hier als ein Musterbeispiel dargestellt werden. Wo es menschlich und institutionell "gefunkt hat". So stark, dass es kein Jahr ohne zahlreiche gegenseitige Besuche, Gedankenaustausch und Praktika von Schülern, Studenten und Berufstätigen hüben wie drüben gibt.
Auch spezielle Forschungen auf dem Gebiet der Massenauswanderung im 19. Jahrhundert von Westfalen nach Amerika werden im ständigen Dialog betrieben. Eines von zahlreichen Beispielen: Ein im Ruhestand lebender Philologe hat bisher in eigener Regie 20 Bücher über die Auswanderer aus dem Raum Paderborn dank jahrelanger Feldforschung in und um Belleville herum schreiben können. Eine wahre Meisterleistung und eine Schatztruhe für alle "Roots-Sucher ", - hier wie drüben...
Da allerdings, wo keine Vereine bzw. Ehrenamtliche, sondern nur "Offizielle Personen" und Behörden, Partnerschaften mit amerikanischen Gemeinden pflegen wollen, ist oft Langeweile bis zur Interessenlosigkeit eingetreten, und das sowohl diesseits als auch jenseits des großen Meeres. Sicheres Merkmal fehlender Anschubkräfte ist, wenn es innerhalb mehrerer Jahre weder eine Reise zu den Freunden in Amerika noch einen Gruppenbesuch von dort gegeben hat und höchstens noch Neujahrsadressen ausgetauscht werden.
"Entweder sollte eine solche Partnerschaft in die Verantwortung begeisterungsfähiger Vereinsmanager und Schulen vor Ort übertragen werden oder, ehrlicherweise, mangels Interesse beendet werden", lautet die Meinung eines seit 30 Jahren erfolgreich in der ehrenamtlichen Partnerschaftsarbeit zwischen den U.S.A. und Westfalen-Lippe stehenden "Roots"-Forschers aus Westfalen.
Mini-City in U.S.A. und Mittelstadt in Deutschland: Lebendige Partnerschaft!
Dass es für den nachhaltigen Erfolg einer überseischen Städtepartnerschaft nicht so sehr von Entscheidung ist, ob der amerikanische "Twinning" ein Dorf von nur einigen hundert Einwohnern ist, beweisen seit 15 Jahren die 48.000 Einwohner große Flächenstadt Melle im westfälisch-niedersächsischen Grenzgebiet und New Melle in Missouri.
New Melle zählt gerade mal 230 Bürger, ist jedoch Zentralort für eine große Region mit einigen tausend Bewohnern und rasch wachsender wirtschaftlicher Bedeutung. Bisher war es kein Problem, den auf alle zwei Jahre vereinbarten, offiziellen Besucher-Austausch einzuhalten. Darüber hinaus gibt es gegenseitige Vereinsbegegnungen und demnächst sogar eine gemeinschaftliche Studienreise durch den Nordwesten der U.S.A.. Anlass: Die Entdeckung des Weges nach Westen ("Let's Go West!") vor genau 200 Jahren durch Präsident Jeffersons Offiziere Lewis & Clark, deren seinerzeitige Expedition in der Nähe des heutigen New Melle begann!
Dies sind die bisher bekannten deutsch-amerikanischen Gemeinde- und Städte-Partnerschaften in Westfalen und im Grenzgebiet zu Niedersachsen:
Westfalen:
Billerbeck (Münsterland) - Englewood (Ohio) Borgholzhausen (Teutoburger Wald) - New Haven (Missouri) Dortmund - Buffalo (New York) sowie Pittsburgh (Pennsylvania) Hamm (Westf.) - Chattanooga (Tennessee) sowie Santa Monica (California) Herford - Quincy (Illinois) Ladbergen - New Knoxville (Ohio) Lengerich - Wapakoneta (Ohio) Lienen - St. Marys (Ohio) Löhne - Columbus (Indiana) Lüdinghausen - Deerfield (Illinois) Münster - Fresno (California) Paderborn - Belleville (Illinois) Porta Westfalica - Waterloo (Illinois) Rödinghausen - Pemberville (Ohio) Steinheim - Bourbonnais (Illinois) Telgte - Tomball (Texas) Verl - Delphos (Ohio)
Grenzgebiet Westfalen/Niedersachsen:
Glandorf - Glandorf (Ohio) Melle - New Melle (Missouri) Osnabrück - Evansville (Indiana) Schaumburg, Landkreis - Schaumburg (Illinois)
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