Ursprung und Geschichte der Partnerschaft Verl - Delphos
von Frithjof Meißner Im letzten Jahrhundert gründete der Verler Bürger Johannes Otto Bredeick zwei Städte in Ohio, USA, zu denen der Verler Heimatverein seit einiger Zeit eine freundschaftliche Verbindung pflegt. Aber wie kam es dazu?
Im Jahre 1789, dem Jahr der Französischen Revolution, wurde Johannes Otto auf dem Bredeick'schen Hof (heute Meermeier, Lindenstraße 157) in Verl-Bornholte geboren und wuchs dort auf, kam aber schon früh in die Obhut geistlicher Herrn. Er besuchte das Gymnasium in Rietberg und wurde schließlich Pastor. Später avancierte er zum Domkapitular in Osnabrück und hätte dort in Ruhe und Frieden leben können. Doch Johannes Otto Bredeick konnte das Elend der Menschen in Westfalen und im Osnabrücker Raum nicht übersehen. Durch Missernten verhungerten damals Tausende in ganz Europa. Er war nicht bereit, die bittere Armut der Menschen als gottgegeben zu akzeptieren und suchte eine Möglichkeit, ihnen zu helfen.
So organisierte er gemeinsam mit seinem Bruder Ferdinand, der damals noch als Bauer den Hof in Bornholte bewirtschaftete, eine Auswandererbewegung in die USA. Die Brüder kauften von der US-Regierung Land in Ohio und suchten die Familien aus, die mit in die USA gehen sollten. Diese Menschen, die etwa je zur Hälfte aus dem Osnabrücker Raum und aus dem Verler Land stammten, hatten nichts zu verlieren und waren bereit, hier ihre ärmlichen Katen zu verlassen und mit Kind und Kegel in die USA auszuwandern. [Interessante Informationen zur USA-Auswanderung erhalten Sie bei der Forschungsstelle Deutsche Auswanderer in den USA an der Universität Oldenburg. Vergleiche auch die Auswandererkarte von 1853.]
Der Bischof von Osnabrück ließ Johannes Otto jedoch nicht ziehen, sondern erlaubte ihm erst viele Jahre später, seinem Bruder zu folgen, der in der Zwischenzeit zwei blühende Orte gegründet hatte: Delphos und Ottoville, zwei Städte im sogenannten Mittleren Westen, deren Bewohner noch heute sehr stolz auf ihre deutschen Wurzeln sind und die deutschen Traditionen pflegen. Auch von der westfälischen Mentalität haben sie eine Menge bewahrt, denn ganz im Gegensatz zu dem allgemeinen Mobilitätstrend in den USA sind die Leute in Delphos und Umgebung sehr bodenständig.
Als Father Bredeick dann im Jahre 1858 starb, hinterließ er nicht nur seinen Verwandten in Verl eine erkleckliche Summe Geldes, sondern legte mit seinem Nachlass den Grundstock für den Bau der heute noch ganz Delphos überragenden St. John's Church, eines Prachtbaus, der seinesgleichen sucht.
Von alledem wussten wir bis 1993 nichts. Doch dann kam eine Besuchergruppe aus Delphos nach Verl, da sie wusste, dass ihr Stadtgründer hier geboren war. Nach ersten Kontakten mit der Familie Meermeier genannt Bredeick ergaben sich engere Bindungen, die zu regelmäßigen Besuchen in beiden Richtungen führten.
Bei dem ersten Besuch einer Verler Reisegruppe in Delphos in den Osterferien 1995 sprach John Sheeter erstmalig den Gedanken einer Städtepartnerschaft an, doch da kein offizieller Vertreter der Gemeinde da war, konnten die Teilnehmer der Gruppe Mayor Sheeter lediglich zusagen, diese Idee in Verl an zuständiger Stelle zu überbringen.
m Herbst 1997 schließlich wurden erstmals offiziell Flaggen ausgetauscht und im März 1998 stellte die Gemeinde Delphos, Ohio einen Antrag an die Gemeinde Verl, in dem sie durch Bürgermeister John Sheeter offiziell um eine Städtepartnerschaft nachsuchte.
Am 2. November 1998 fiel dann in einer Ratssitzung die Entscheidung, den Antrag aus Ohio anzunehmen und eine Städtepartnerschaft mit Delphos einzugehen.
Die offizielle Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden fand am 31. März 1999 anlässlich des Besuchs einer deutschen Abordnung in Delphos statt. Der Gegenbesuch unserer amerikanischen Freunde wurde für den Sommer 2000 verabredet.
Und so verbrachte ab 30. Juni 2000 eine Reisegruppe aus Delphos einige Tage im schönen Ostwestfalen. Der Besuch war ein voller Erfolg für beide Seiten. Die Gäste waren in Verl herzlich willkommen. Es gab so viele Familien, die einen oder mehrere Gäste aufnehmen wollten, dass die Organisatoren manchen auf den nächsten Besuch vertrösten mussten. Unsere amerikanischen Gäste genossen die westfälische Gemütlichkeit sehr, wie man immer wieder von ihnen hören konnte.
Die Besuche und Gegenbesuche finden seitdem regelmäßig in einem zweijährigen Turnus statt. Für alle weiteren Informationen besuchen Sie bitte die Internetseiten der Partnerschaft Verl - Delphos im Heimatverein Verl e.V.: www.verlerland.de/usa.htm.
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