König Wilhelm Gymnasium Höxter – Auswanderungen jüdischer Schüler
von Fritz Ostkämper
Das König-Wilhelm-Gymnasium in Höxter (KWG) wurde in der Zeit seit seiner Gründung 1867 von 163 jüdischen Schülern besucht, von denen nach bisheriger Kenntnis insgesamt 56 aus Deutschland auswanderten. • 17 von ihnen verließen (z.T. mit ihren Familien) ihre Heimat im Zuge der allgemeinen Auswanderungsbewegung v.a. Ende des 19. Jahrhunderts, um ihr Glück vor allem in den USA zu suchen. • 39 flohen nach 1933 vor der Judenverfolgung der Nazis ins Exil nach Palästina, Südamerika, in die USA und andere Länder, die bereit waren, sie aufzunehmen, wenn sie über das notwendige Affidavit verfügten. Zwei von ihnen wurden von dort deportiert und in den KZs der Nazis ermordet. Die folgenden Kurzbiographien tragen diesen zwei Gruppen Rechnung (jeweils in alphabetischer Reihenfolge mit KWG-Nr.). http://www.jacob-pins.de/index.php?article_id=53
A. Jüdische Auswanderer des KWG (1867-1933)
Archenhold, Moritz (KWG Nr. 59), geb. 24.6.1857 in Amelunxen, ab 1882 zwischen den USA und Deutschland pendelnd, nach 1920 wohl dort verstorben. Eltern: V: Kaufmann Seligmann Archenhold, Amelunxen; M.: Nach dem Tod seiner ersten Frau Julchen Rosenstein heiratete der Vater deren Schwester Malchen. Moritz stammt aus dieser zweiten Ehe. Besuchte nach der Volksschule (jüdische Schule?) die Selecta in Höxter und dann von 1867–1874 das neu gegründete KWG (VI – UII). Abgang mit dem Einjährig-Freiwilligen Zeugnis, um in Hannover ins „praktische Leben“ einzutreten, nämlich um Kaufmann zu werden. Wie die meisten seiner Geschwister ging er dann in den Rhein-Main-Raum. 1882 Auswanderung nach Waco/Texas, wo es Verwandtschaft gab, und 1892 Erwerb der amerikanische Staatsbürgerschaft. Seitdem pendelte er mehrfach zwischen den USA und Deutschland hin und her, da es wohl geschäftliche Beziehungen zwischen den Zweigen der Familie gab. So ist 1892 ein Deutschlandbesuch belegt, nach dem er mit seiner Frau Frau Elisabeth (Elise, Geburtsname unbekannt) nach Waco zurückkehrte, sowie ein weiterer 1906. Später wird er in Wiesbaden mit einer „Handlung“ verzeichnet. Dort starb 1912 seine Frau und wurde auf dem jüd. Friedhof in Mainz begraben. Als „Rentner“ zurückgeblieben, fuhr Moritz 1913 wieder nach Waco. Weitere Atlantiküberquerungen von Deutschland nach Texas sind 1918 und 1920 belegt. Vermutlich verstarb er dort.
Archenhold, Sigmund (KWG Nr. 449), geb. 17.8.1868 in Amelunxen, wohl zwischen 1918 und 1923 verstorben. Eltern: V: Kaufmann Seligmann Archenhold, Amelunxen; M.: Nach dem Tod seiner ersten Frau Julchen Rosenstein heiratete der Vater deren Schwester Malchen. Siegmund stammt aus dieser zweiten Ehe. Besuch der Katholischen Schule in Amelunxen. Schüler des KWG 1879–1883 (VI – IV). Er wohnte in dieser Zeit bei der Familie Bernstein, Am Rathaus 13 (II/75). Abgang Ostern 1883 ab, um Kaufmann zu werden. Vermutlich trat er zunächst in das elterliche Geschäft ein und war später wohl Teilhaber der Wurstmaschinenfabrik der Brüder Archenhold in Ehringshausen. Offenbar ist er später wie sein Bruder Moritz zumindest zeitweise in Waco/Texas tätig gewesen, wird aber 1918 mit Adresse in Ehringshausen genannt. Er scheint vor 1923 verstorben zu sein.
Bachmann, Adolf (KWG Nr. 787), geb. 29.4.1876 in Höxter, im Frühjahr 1893 nach Amerika ausgewandert. Eltern: Kaufmann Samuel Bachmann, Höxter; M: Gella (Dina) Kosing, Marsberg. Die Eltern zogen mit der Heirat von Fürstenau etwa 1874/75 nach Höxter und wohnten zunächst IV,43 (Grubestr. 5), dann III,19 (Faulebachstraße 6). Er besuchte zunächst die jüdische Schule in Höxter, anschließend von 1888–1890 das KWG (VI – IV). Nach seiner Nichtversetzung ging er ab, um Kaufmann zu werden. Er blieb wohl zunächst im Elternhaus und wanderte am 11.3.1893 als 17-Jähriger zusammen mit der 10 Jahre älteren Henriette Kosing aus der Familie seiner Mutter in die USA/Wisconsin aus, wo er später verheiratet in Eau Claire (Wisconsin) lebte. 1912 weilte er, jetzt als amerikanischer Staatsbürger, zu Besuch in Deutschland. Weitere Informationen fehlen.
Bernstein, Alex (KWG Nr. 153), geb. 25.12.1862 in Höxter, am 19.1.1898 nach New York ausgewandert, 14.1.1941 in San Diego verstorben. Eltern: V: Israel Bernstein Kaufmann, Höxter, Westerbachstr. 18; M: Rica Sudheim, Beverungen, nach dem Tod der ersten Frau 1863 Wiederheirat mit Lina Rosenthal, Meschede. Der Vater hatte ein Geschäft für Eisen- und Stahlwaren, Öfen, landwirtschaftliche Maschinen. Er initierte 1893 eine Armenunterstützungskasse, „um dem lästigen Vagabundieren von Haus zu Haus ein Ende zu machen“. Alex stammt aus der 1. Ehe. Vorschule am KWG. 1872–1878 Besuch des KWG (VI – OII). Abgang mit dem Einjährig-Freiwilligen Zeugnis, um als Kaufmann in das Geschäft des Vaters einzutreten. Er blieb wohl zunächst im Elternhaus und wanderte im Jan. 1898 in die USA aus, wo er in Chicago lebte und 1906 eingebürgert wurde. Er blieb unverheiratet. Während verschiedener Besuche in Höxter (1919, 1923) spendete er auf Vermittlung seines hier lebenden Freundes Dr. Frankenberg mehrmals kleinere und größere Summen für die Armen der Stadt Höxter, und zwar ausdrücklich nicht nur für die Juden. Aber nicht nur wegen dieser sozialen Einstellung gebührt Alex Bernstein eine besondere Würdigung, sondern auch wegen seines Versuchs, möglichst viele biographische Daten der Juden im Raum Höxter, in Ostwestfalen und z.T. darüber hinaus zu sammeln und festzuhalten. Auf mehrfachen Deutschland-Reisen (bis 1937) forschte er in den verschiedensten Archiven, Akten und anderen Quellen, wertete Grabsteininschriften und Beerdigungsbücher aus u.v.m. Er stellte so Zehntausende individueller Lebensdaten aus dem Zeit etwa 1750 bis 1935 in einer Vollständigkeit zusammen, die wegen der Zerstörungen etwa der Aufzeichnungen der jüdischen Gemeinden oder Friedhöfe, aber auch mancher Archive durch die Bomben des Krieges wohl nicht mehr übertroffen werden kann (auch wenn es manchmal Irrtümer und Fehlinterpretationen gibt). Vergeblich versuchte er noch um 1936, den alten jüdischen Friedhof in Holzminden und die dortigen historischen Grabsteine zu retten, als der Friedhof eingeebnet wurde. Die Ergebnisse seiner ungeheuer umfangreichen Nachforschungen werden im Leo Baeck Institute New York aufbewahrt (eine Kopie liegt im Stadtarchiv Höxter). Alex Bernstein verstarb 1941 in San Diego.
Frankenberg, Bendix (KWG Nr. 346), geb. 10.11.1865 in Bellersen, im Sommer 1907 in die USA ausgewandert. Eltern: V.: Handelsmann Salomon Frankenberg, Höxter; M.: Sophie (Sarchen) Falkenstein aus Bellersen od. Steinheim. Zwischen 1874 und 1876 von Bellersen nach Höxter zugezogen. Das Ehepaar hatte 10 Kinder. Die ganze Familie wanderte in den Jahren um 1900 in die USA aus. Besuch der Vorschule am KWG (1875–1876). 1876–1879 Schüler des KWG (VI – IV). Abgang, um Kaufmann in Steinheim zu werden. Es gibt bisher keine Belege, aber man kann vermuten, dass er zunächst in Brakel im Handelsgeschäft Michael Weil eine Ausbildung zum Kaufmann machte, den die Großmutter, deren voreheliches Kind die Mutter Sophie Falkenstein war, geheiratet hatte. Später anscheinend in Hamburg. Von dort 1907 Auswanderung in die USA zum in New York lebenden Bruder Max.
Frankenberg, Gustav (KWG Vorschule), geb. 5.11.1868 in Bellersen, in die USA ausgewandert, dort im Dez. 1963 verstorben. Eltern: V.: Handelsmann Salomon Frankenberg, Höxter; M.: Sophie (Sarchen) Falkenstein aus Bellersen od. Steinheim. Zwischen 1874 und 1876 von Bellersen nach Höxter zugezogen. Das Ehepaar hatte 10 Kinder. Die ganze Familie wanderte in den Jahren um 1900 in die USA aus. Besuchte vom Herbst 1875 bis Ostern 1877 die Vorschule am KWG. Nach Beendigung seiner Schulzeit an einer anderen Schule machte er wohl eine Metzgerlehre und wohnte 1885 als Metzger in Höxter. Er wanderte (vermutlich in der ersten Hälfte der 1890er Jahren) in die USA aus, wo er später in New Jersey lebte. Dort 1963 verstorben.
Frankenberg, Louis (KWG Nr. 669), geb. 1.1.1876 in Höxter, am 24.1.1936 in Alkmaar / Holland gestorben. Eltern: V.: Kaufmann Gustav Frankenberg, Höxter, Stummrigestr. 16; M.: Jenny Jacobs aus Goch, die in 1. Ehe in Höxter mit Soistmann Rosenberg verheiratet war. Der aus Löwendorf stammende Gustav heiratete Jenny etwa 1869 und führte bis 1910 in der Stummrigestr. 16 ein Geschäft für Manufakturwaren und Herrengarderobe. Mit den beiden Kinder aus der ersten Ehe der Mutter wuchsen neun Kinder im Haus auf. Besuch der Jüdischen Schule in Höxter. 1885–1888 Schüler des KWG (VI – V). Musste nach zweimaliger Nichtversetzung das Gymnasium verlassen. Möglicherweise trat er zunächst in das Geschäft des Vaters ein. Jedenfalls blieb er zunächst noch in Höxter, zumindest bis 1892. 1903 Heirat mit der aus Elberfeld stammenden Caecilie (Cilla) Wolf. Um die Jahrhundertwende Auswanderung nach Holland aus, wo er in Alkmaar lebte und dort bald die größte Buchhandlung Nordhollands betrieb. 1904 wurde der Sohn Hans Lion und 1909 die Tochter Else geboren. In den 1920er Jahren organisierte er zusammen mit seinem Bruder Dr. Richard die Verschickung notleidender Höxteraner Kinder nach Holland, wofür die Stadt Höxter den Brüdern wiederholt offiziell ihren Dank aussprach. Louis starb 1936 in Holland. Seine Frau wurde ebenso wie die beiden Kinder Hans mit Frau und Else mit Mann und zwei Kindern nach Sobibor deportiert und dort ermordet. Die einzigen Überlebenden der Familie sind die Enkel Louis und Eva, Kinder von Sohn Hans. Während Eva in einem Versteck überlebte und heute in der Schweiz wohnt, wurde Louis (Lode) 1944 in das KZ Westerbork und von dort nach Theresienstadt verbracht. Im Austausch gegen verwundete deutsche Soldaten kam er Anfang 1945 in die Schweiz und nach dem Krieg zu Verwandten nach Brasilien. Er lebte heute in Sao Paulo.
Frankenberg, Wilhelm (KWG 1032), geb. 10.10.1880 in Höxter, am 28.8.1899 mit seinem Vater nach New York / USA ausgewandert. Eltern: V.: Handelsmann Salomon Frankenberg, Höxter; M.: Sophie (Sarchen) Falkenstein aus Bellersen od. Steinheim. Zwischen 1874 und 1876 von Bellersen nach Höxter zugezogen. Das Ehepaar hatte 10 Kinder. Die ganze Familie wanderte in den Jahren um 1900 in die USA aus. Besuch der Jüdischen Schule in Höxter. 1890–1892 Schüler des KWG (VI – V). Wechsel mit der Versetzung nach IV zur Jacobsohn Schule nach Seesen. Abgang von dort 1896. Danach wurde er Mechaniker. Die ganze Familie wanderte um 1900 nach und nach in die USA aus. Wilhelm kam am 5.9.1899 mit seinem Vater in Ellis Island an, und die beiden zogen zum bereits in New York lebenden Bruder/Sohn Gustav. Nach nicht ganz gesicherten Informationen wurde er amerikanischer Staatsbürger und heiratete. Seine Frau starb jedoch (wohl um 1912/14). 1915 kehrte er nach einem Besuch in Deutschland nach New York zurück.
Goldschmidt, Paul Joseph (KWG Nr. 1191), geb. 6.1.1881 in Hannover, am 3.3.1904 nach New York / USA ausgewandert, am 28.10.1961 in den USA verstorben. Eltern: V.: Kaufmann Michaelis Goldschmidt, Hannover; M.: Maria. Die Familie lebte nur von 1893 bis 1897 in Höxter. Ging nach der Volksschule zum Realgymnasium I in Hannover. Nach dem Umzug der Eltern nach Höxter 1893–1897 Schüler des KWG (V – UIII). Abgang, weil die Eltern nach Hannover zurückzogen. Vermutlich ging er in Hannover wiederum zum Realgymnasium. 1904 von dort nach New York/USA ausgewandert, wo bereits andere Familienmitglieder lebten. Im Dez. 1907 in New York Heirat mit der Österreicherin Sofie Feldmann (* 1883, † 1958). Weitere Einzelheiten fehlen. 1961 in den USA verstorben.
Höfeld, Iwan (KWG Nr. 217), geb. 5.7.1861 (od. 1862) in Moringen, 1925 in den USA verstorben. Eltern: V.: Kaufmann Nathan Höfeld, Moringen, 1873 verstorben; M.: Jette Bernstein aus Höxter. Die Mutter siedelte 1873 nach dem Tod ihres Mannes für kurze Zeit nach Höxter über. Besuchte (vermutlich nach dem Tod des Vaters) kurzzeitig die Vorschule am KWG und war dann 1873–1875 Schüler des KWG (VI – IV). 1875 Abgang auf eine andere Schule oder in den Beruf des Kaufmanns (Widerspruch in den Quellen). Er wanderte dann (wohl in 1880er Jahren) wie drei Geschwistern in die USA aus, wo er Carry Schutz (*1862, †1951) heiratete. 1907 ist ein Besuch in Deutschland belegt. Sein Wohnort war zu dieser Zeit Clifton/Arizona. Andere Quellen verweisen auf New York. Er verstarb 1925 in den USA.
Katz, Wolf (KWG Nr. 127), geb. 6.1.1859 in Ovenhausen, im Sept. 1892 in die USA ausgewandert. Eltern: V.: Handelsmann Levi Katz (Viehhändler), Ovenhausen; M.: Regine Frankenberg, Nieheim. Besuchte zunächst die Elementarschule Ovenhausen. Dann 1870–1876 Schüler des KWG (VI – UIII). Abgang in einen praktischen Beruf (nach anderen Angaben: wegen wiederholter Nichtversetzung oder wegen „häuslicher Verhältnisse“). Über die folgende Zeit fehlen Informationen. Im Sept. 1892 in die USA ausgewandert. Dort lebte er 1920 in Groveter.
Kohlberg, Ernst (KWG Nr. 181), geb. 24.5.1857 in Beverungen, 1875 in die USA (San Francisco) ausgewandert, dort am 17.6.1910 in El Paso (Texas) ermordet. Eltern: V.: Kaufmann Jacob Kohlberg, Beverungen. Besuchte nach der Volksschule das Gymnasium Andreanum in Hildesheim. Dann 1872–1874 Schüler des KWG (U III – OIII). Abgang, um in Beverungen Kaufmann zu werden, wie es in den Akten heißt, in Wirklichkeit jedoch, um in die USA auszuwandern. Bei seinem Abgang schenkte er der biologischen Sammlung des KWG einige amerikanische Schlangen. Im folgenden Jahr 1875 wanderte er mit Solomon C. Schutz nach Franklin (heute: El Paso) / USA (Texas) aus, wahrscheinlich um dem Militärdienst zu entgehen. Da er seine Überfahrt nicht bezahlen konnte, verpflichtete er sich, sechs Monate ohne Bezahlung in dessen Betrieb zu arbeiten. Bei seiner Ankunft schrieb er seinen Eltern, er habe das Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Er arbeitete zunächst bei Solomon Schutz und wurde im Weiteren stellvertretender Konsul der Vereinigten Staaten im heutigen Juaréz / Chihuahua und stellvertretender Postdirektor in Franklin. Seine Position bei Schutz befriedigte ihn jedoch nicht, weshalb er sein ganzes Geld in eine Goldmine in Mexico investierte. Als seine Beteiligung nach zwei Jahren auslief, ging er nach San Francisco, wo er für den Lebensmittelhandel der Gebrüder Lebenbaum sowie den Tabakgroßhandel Esberg, Bachman & Cie arbeitete. Ende 1881 Rückkehr nach Franklin und zusammen mit seinem Bruder Moritz Eröffnung eines Zigarrengeschäfts. 1884 Besuch bei der Familie in Deutschland und Heirat mit Olga Bernstein, die später in El Paso den ersten Kindergarten ins Leben rief. Wieder in El Paso zurück begründeten die Brüder Kohlberg die erste Zigarrenfabrik im amerikanischen Südwesten. Einige Jahre später Eröffnung einer zweiten Fabrik in Philadelphia. Weitere Besuche in Deutschland 1894/95 und 1906. Obwohl Kohlberg Republikaner war, wurde er 1893 im demokratisch dominierten El Paso in den Stadtrat gewählt. Er war Mitglied in vielen Organisationen, Vereinen und Vorständen und gründete unter anderem die Elektizitätsgesellschaft von El Paso. Er besaß dort auch das St Charles Hotel, wo sich 1909 der amerikanische Präsident Taft und der mexikanische Präsident Díaz trafen. Dieses Hotel vermietete er an einen John Leech, einen besessenen Spieler, der bald die Pacht nicht mehr zahlte. Als Kohlberg daraufhin die Angelegenheit einem Anwalt übergab, erschoss Leech ihn am 17.6.1910. Leech wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt, aber 1934 begnadigt. Die Person Ernst Kohlbergs diente dem Schriftsteller Tom Lea als Vorlage für die Hauptperson seines Romans "The Wonderful Country". Kohlbergs frühe Briefe wurden 1973 in El Paso veröffentlicht (Ernst Kohlberg: "Letters, 1875-1877". El Paso: Texas Western Press, 1973). www.tsha.utexas.edu/handbook/online/articles/print/KK/fkohd.html http://www.jacob-pins.de/index.php?article_id=62&clang=0
Löwenherz, Georg (KWG Nr. 2341), geb. 19.10.1904 Lauenförde, emigrierte nach einer Verurteilung wegen Brandstiftung 1931 nach Südafrika. Er verstarb dort. Eltern: V.: Kommerzienrat Hermann Löwenherz; M.: Toni Lichenheim. Hermann Löwenherz betrieb in Lauenförde eine Holzhandlung und gründete die heute noch bestehende HERLAG (Hermann Löwenherz AG). Besuchte zunächst eine private (Aufbau-)Schule in Lauenförde. Nach einer gescheiterten Aufnahmeprüfung für die V dann 1915–1917 Schüler des KWG (U III – O III). Abgang zum Max-Planck-Gymnasium in Göttingen. Später leitete er das der Familie Löwenherz gehörende Gut Amelith an der Glashütte. Er gilt jedoch als das „schwarze Schaf“ in der Familie. Denn er stiftete einen Höxteraner Elektromeister zur Brandstiftung auf dem Gut an. Nachdem der erste Versuch gescheitert war, gelang die Brandstiftung beim zweiten Versuch am 19.7.1929, und der Gutshof brannte zum größten Teil nieder. Erst ein knappes Jahr später konnte die Polizei den Brand aufklären., und am 27.5.1930 wurde Georg Löwenherz ebenso wie der Elektromeister in Haft genommen. In der Untersuchungshaft unternahm Löwenherz einen Selbstmordversuch, indem er sich die Pulsadern aufzuschneiden versuchte. Er überlebte jedoch. Im Herbst 1930 kam es deshalb zum Prozess vor dem Schwurgericht in Göttingen, bei dem er zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Nach (möglicherweise vorzeitiger) Haftentlassung ging er 1931 nach Rouxville (Queens) in Südafrika, wahrscheinlich weil es dort Verwandtschaft gab. Weitere Informationen über sein Leben sind nicht bekannt. Er starb in Südafrika.
Marienthal, Albert (KWG Nr. 1036), geb. 25.12.1880 in Höxter, 1892 mit der ganzen Familie nach Chicago / USA ausgewandert. Eltern: V.: Kaufmann Bernhard Marienthal, Höxter III/65 (Rosenstr. 9) (aus Nieheim stammend); M.: Sara Israelsohn aus Vörden. Die Eltern scheinen religös liberal gewesen zu sein, denn sie schickten eine ältere Tochter zur Töchterschule, wo sie auch am Religionsunterricht teilnahm. Der Vater ging bereits Ende der 1870er Jahre nach Amerika, um die Auswanderung der Familie vorzubereiten. Jüdische Schule Höxter. Dann 1890–1892 Schüler des KWG (VI – IV). Er verließ das KWG und zog kurzzeitig mit seiner Mutter nach Einbeck und dann nach Hannover. Noch im Juli desselben Jahres folgte die ganze Familie dem Vater nach Amerika.
Paradies, Sieghard Samson (KWG Nr. 3859), geb. 21.8.1874 in Oerlinghausen, gestorben 2.3.1937 Manila/Philippinen. [Der im nicht-deutschen Sprachraum fremde Name Sieghard erscheint später auch als Sichardt und Richard, teilweise mit einem zweiten Vorname Henry.]Eltern: V.: Zigarrenfabrikant Heinemann Paradies, Oerlinghausen; M.: Elise Steinberg. Der Vater heiratete nach ihrem Tod Lea Sudheim aus Brakel. Nach Privatschule (wohl Rektoratschule Oerlinghausen) 1886–1888 Schüler des KWG (IV – U III). Er wohnte in dieser Zeit sicher bei seinem Onkel Julius I/39a (Wegethalstr. 4/6). Abgang zum eine Realschule(?) in Bielefeld. 1889 – Herbst 1891 (O III – U II) am Realgymnasium in Bielefeld. Anschließend Ableistung seines Militärdiensts in Preußen. Bald danach Auswanderung nach Santa Fé / New Mexiko (USA). Meldete sich als Kriegsfreiwilliger im spanisch-US-amerikanischen Krieg. Gelangte so bei der Annexion der Philippinen durch die USA 1898 nach Mindanao, wo er ins Zivilleben zurückkehrte. 1906 Heirat mit Emilia Fortich, mit der er mindestens sieben Kidner hatte. Die Familie lebte auf der Insel Cebu, wo sie Grundbesitz erwarb. Sieghard verstarb im März 1937 in Manila, unmittelbar vor der Ankunft seines Neffen zweiten Grades, der vor dem 3. Reich aus Deutschland floh.
Polack, Elieser Edwin (KWG Nr. 990), geb. 30.9.1875 in Myton bei Kingston up Hull (England), 1889 nach England zurückgekehrt. Eltern: V.: Viehhändler Julius Polack, Myton bei Kingston up Hull. Kam aus Privatunterricht 1888–1889 für ein Jahr auf das KWG (VI – V) und kehrte dann nach England zurück. Weitere Informationen fehlen.
Rosenberg, Wilhelm (Willi) (KWG Nr. 202), geb. 18.1.1862 in Amelunxen, möglicherweise vor 1880 in die USA ausgewandert. Eltern: V.: Kaufmann Joseph Rosenberg, Amelunxen; M.: Hannchen Meyerbach aus Ibbenbüren. Kam aus Privatunterricht. Dann 1873–1876 Schüler des KWG (VI – IV). Er wohnte in dieser Zeit bei den Frankenbergs, wohin verwandtschaftliche Beziehungen bestanden (Jenny Frankenberg geb. Jacobs war in 1. Ehe mit Soistmann Siegmund Rosenberg verheiratet). Abgang, um Kaufmann zu werden. Weitere sichere Informationen fehlen. Möglicherweise vor 1880 in die USA ausgewandert, dort Handlungsgehilfe bei dem Kaufmann Woelker in St Louis.
B. Jüdische Schüler des KWG – Flucht ins Exil (1933-1941)
Buxbaum, Gustav (KWG Nr. 2544), geb. 29.7.1906 in Beverungen, am 10.2.1939 nach Südafrika (Swaziland) ausgewandert. Eltern: V.: Lehrer Selig(mann) Buxbaum, Beverungen (aus Rhina stammend), der als letzter Lehrer den jüdischen Kindern im Kreis Höxter bis in die 1930er Jahren Religionsunterricht erteilte; M.: Bertha Nussbaum aus Wüstensachsen. Privatunterricht in Beverungen, also sicher beim Vater. 1919–1923 Schüler des KWG (IV – UII). Abgang mit der Mittleren Reife, um in einen praktischen Beruf einzutreten. Keine weiteren Informationen. Nachdem der Bruder Hartwig bereits 1935 nach Südafrika ausgewandert war, folgten Gustav und die übrigen Familienangehörigen Anfang 1939. Dort besaß Gustav Buxbaum 1976 eine 600 Hektar große Farm, auf der er 50 Arbeiter beschäftigte.
Buxbaum, Dr. Hartwig (KWG Nr. 2539), geb. 23.6.1905 in Beverungen, ging 1935 nach Durban/Südafrika ins Exil, wo er 1942 an Typhus verstarb. Eltern: V.: Lehrer Selig(mann) Buxbaum, Beverungen (aus Rhina stammend), der als letzter Lehrer den jüdischen Kindern im Kreis Höxter bis in die 1930er Jahren Religionsunterricht erteilte; M.: Bertha Nussbaum aus Wüstensachsen. Besuch eines Gymnasiums in Marburg. 1919-1924 Schüler des KWG (OIII – OI). 1921 war er Gründungsmitglied des VfB 20 Beverungen. Nach dem Abitur am KWG Studium der Medizin. 1930 Promotion in Münster („Drei Fälle von 'Hernia diaphragmatica spuria congenita'. Ihre Pathologie, Pathogenese und Differential-Diagnose“). 1935 floh er nach Durban/Südafrika ins Exil und praktizierte dort als Arzt. Die anderen Familienangehörigen folgten 1939 (Eltern, Bruder Gustav, Schwester Sidonie). Er starb 1942 in Ausübung seines Berufs an Typhus. Seine Frau Hedwig Hoernschemeyer (*1907 in Wallenhorst) heirate nach seinem Tod Lothar Bromberger aus Hamburg.
Cohen, Siegfried (KWG Nr. 2727), geb. 25.7.1906 in Beverungen, 30.9.1942 in Auschwitz ermordet. Eltern: V.: Kaufmann Martin (Magni) Cohen, Beverungen, aus Lamstedt stammend; M.: Rosa Himmelstern, Beverungen. Nach der Volksschule Besuch der Rektorschule Brakel. In dieser Zeit 1921 Gründungsmitglied des VfB 20 Beverungen. 1922–1923 Schüler des KWG (UII). Abgang mit der Mittleren Reife in einen praktischen Beruf, vermutlich in das Geschäft des Vaters. Die ganze Familie flüchtete mit der Verschärfung der Verfolgung durch die Nazis Ende der 1930er Jahre nach und nach in die Niederlande (Rotterdam) ins Exil, war jedoch nur für kurze Zeit in Sicherheit und wurde nach der Besetzung Hollands von dort in die Vernichtungslager deportiert. Die ganze Familie, die Eltern und ihre vier Kinder, wurde ausgelöscht. Siegfried Cohen starb 1942 in Auschwitz.
Dillenberg, Albert (KWG Nr. 1967), geb. 17.3.1898 in Höxter, am 11.1.1936 nach Südamerika ins Exil geflohen. Eltern: V.: Handelsmann Josef Dillenberg (Viehhändler), Höxter, Stummrigestr. 45. M.: Johanna Bachmann aus Fürstenau. Besuch der Höheren Mädchenschule Höxter. 1908–1916 Schüler das KWG (VI – UI). In den Schulakten überliefert ist ein kleiner Vorfall, dass Albert D. nämlich als 11-Jähriger Birnen von einem Baum abgeworfen hat. Da er nicht strafmündig war, sollte er aber „im Wege der Schulzucht“ bestraft werden. Im November 1916 Abgang wegen Einberufung zum Heeresdienst. 1918 Rückkehr ans KWG und Ablegung des Kriegsabiturs. Danach Jura-Studium offenbar in Frankfurt, von wo er 1922 als Referendar nach Höxter zurückkehrte. Hier praktizierte er wohl als Anwalt, galt aber unter den Leuten eher als „Winkeladvokat“. Weitere Informationen fehlen bisher. Anfang 1936 ist er von Höxter nach Südamerika ausgewandert. http://www.jacob-pins.de/index.php?article_id=135&clang=0
Dillenberg, Julius (KWG Nr. 1085), geb. 12.11.1881 in Höxter, am 21.10.1944 in Auschwitz ermordet, für tot erklärt zum 8. Mai 1945. Eltern: V.: Handelsmann Josef Dillenberg, Höxter, Stummrigestr. 45, Viehhändler; M.: Johanna Bachmann, Fürstenau. Besuchte nach der Jüdischen Schule in Höxter 1891–1895 das KWG (VI – UIII). Danach Eintritt in den Viehhandel seines Vaters, den er in den 1920er Jahren übernahm. Verheiratet mit Frau Hertha Weinberg (*1902), mit der er 1937 vor dem Naziterror nach Holland flüchtete. Dort wohnten sie bei Karl Weinberg, offensichtlich Verwandten seiner Frau. Doch auch dort gab es keine Sicherheit. Im April 1943 wurde das Ehepaar von den Niederlanden aus nach Theresienstadt deportiert. Von dort wurde Julius Dillenberg am 19.10.1944 nach Auschwitz transportiert, wo er zwei Tage später ermordet wurde. Seine gut 20 Jahre jüngere Frau Hertha entging der Vernichtung und überlebte den Holocaust. http://www.jacob-pins.de/index.php?article_id=135&clang=0
Edelstein, Theodor (KWG Nr. 1062), geb. 18. Juli 1869 in Hildesheim. Eltern: V.: Rentier Ruben Edelstein, Hildesheim, Zingel 34, Rentier; M.: Sophie geb. Meyer. Nach der Volksschule Besuch des Gymnasiums Andreanum in Hildesheim. Dann 1890–1891 Schüler des KWG (UI – OI). Abgang mit dem Abitur ab zunächst mit der Absicht, Philologie zu studieren, studierte aber dann Jura (1. Semester in Zürich). Bald danach Tod des Vaters. 1895 ledig als Referendar von Hildesheim nach Hannover verzogen. In den folgenden Jahrzehnten als Anwalt in Hannover und Walsrode. Am 30. Aug. 1930 von Hannover, Andreasstr. 10A nach Holland ausgewandert. Informationen über sein weiteres Leben fehlen bisher.
Eichwald, Dr. Ernst Moritz (KWG Nr. 936), geb. 24.9.1878 in Höxter, ausgewandert in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre nach England, dort 1970 verstorben. Eltern: V.: Fabrikbesitzer Julius Eichwald, Gartenstr. 1, Höxter (Zementwerk); M.: Julie Neuwald aus Arnsberg. Besuchte zunächst die Vorschule am KWG (1884–1887). Dann 1887–1896 Schüler des KWG (VI – OI). Abgang mit dem Abitur, bei dem er dem KWG 28,50 Mk spendete. Studierte anschließend Chemie. Abschluss des Studiums. Etwa ab 1902 Chemiker bei den Portlandzementwerken in Hannover (noch 1912). 1905 Promotion an der Universität Marburg („Neuere Untersuchungen über die flüssigen Kristalle“). Verheiratet mit Edith geb. Susman (Manchester), Kinder. Richard, Barbara, Carel Paul. Im ersten Weltkrieg als Leutnant mit dem EK II ausgezeichnet. Ab 1919 Chemiker bei der Gold- und Silber-Scheideanstalt in Frankfurt (heute Degussa), wohnhaft Corneliusstr. 11. Im Jahr 1920 Umzug in ein eigenes Haus nach Schönberg (Taunus). Nach Beginn des „Dritten Reiches“ trotz erschwerter Verhältnisse bis 1938 Leiter der Patentabteilung der Degussa, aber frühzeitige Sendung der Kinder in die Emigration nach England. Beim Novemberpogrom 1938 rechtzeitige Zuflucht bei Nachbarn, aber Plünderung des Hauses. Nach mehreren vergeblichen Versuchen Anfang 1939 Auswanderung des Ehepaars nach England fast ohne Geld mit kaum mehr als der Kleidung auf dem Leib. Die Familie hielt sich durch die Unterstützung von Freunden und mit gelegentlichen Aufträgen alter Bekannter über Wasser, da Ernst Eichwald mit 60 Jahren keine Arbeit mehr fand. Nach Kriegsberginn kurzzeitige Internierung auf Isle of Man. Danach fand er eine Arbeit, die er bis zum Alter von 77 Jahren fortsetzte. Er starb 1970, seine Frau Edith 1973. Hier sei auf einen makabren Zusammenhang verwiesen. Die Gold- und Silberscheideanstalt (Degussa), bei der Eichwald in den 1920er bis in die 1930er Jahre hinein arbeitete, war während des Holocaust auf fürchterliche Weise beteiligt an der Ausbeutung und Vernichtung der Juden. „Die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt, die seit 1980 kurz Degussa heißt, ist eine furchtbar deutsche Firma. Wissenschaftler bastelten mit Hilfe von Degussa an Anlagen für Hitlers Atombomben, die dann Gottseidank doch nicht kamen. Über ihre Tochterfirma Degesch versorgte die Degussa die SS mit dem Mordmittel Zyklon B für die Gaskammern, und das geraubte Gold der Juden schmolz Degussa fachmännisch ein.“ (Süddeutsche Zeitung 24.12.1998)
Eichwald, Hans Robert (KWG Nr. 1086), geb. 21.12.1882 in Höxter, 30.9.1938 Flucht ins Exil nach New York (USA), dort im Juli 1967 gestorben. Eltern: V.: Fabrikbesitzer Julius Eichwald, Gartenstr. 1, Höxter (Zementwerk); M.: Julie Neuwald aus Arnsberg. Besuchte zunächst die Vorschule am KWG (1888–1891). Dann 1891–1900 Schüler des KWG (VI – OI). 1894 wurde er für seine Klasse auserkoren, bei der Feier des Kaisergeburtstags das Gedicht „Der grosse Kurfürst zur See“ zu rezitieren. Abgang mit dem Abitur, um Jura zu studieren. Zeitweise (1902) wohnt er in Bremen, später dann als Kaufmann in Hannover, Eisenstr. 2 (1912), von wo er nach Höxter anreist, um an der Feier zur Einweihung des neuen Schulgebäudes in der Bismarckstraße teilzunehmen. Im 1. Weltkrieg als Gefreiter d. L. im Automobilkorps eines Korpskommandanten. In späteren Jahren zieht er in Hannover in die Podbielskistr. 324 um. Ende September 1938 Flucht vor den Nazis nach Queens/New York, wo er wiederum als Kaufmann lebte und 1967 starb.
Frank, Dr. Julius (KWG Nr. 2219), geb. 13.11.1903 in Altendorf (Holzminden), um 1936 nach Montevideo (Uruguay) emigriert, dort am 26.1.1989 verstorben. Eltern: V.: Pferdehändler Gustav Frank, vor 1913 von Holzminden nach Höxter verzogen, zunächst Corveyer Allee 13, dann Bismarckstr. 20; M.: Hedwig Baruch; beide am 1.8.1942 nach Osten deportiert und dort umgekommen. Besuch der Volksschule in Höxter in Höxter. 1913–1922 Schüler des KWG (VI – OI). In seiner Schulzeit fiel ihm die Ehre zuteil, 1913 bei der Feier zum 25. Thronjubiläum Wilhelms II. das Gedicht „Unsere blauen Jungen“ von Schlieker zu deklamieren. Als es 1920 zu einer Demonstration der Juden gegen den sich auch in Höxter erhebenden Antisemitismus kam, nahm er aktiv daran teil. Er ging 1922 mit dem Abitur ab, um Jura zu studieren. Danach Staatsexamen und Promotion zum Dr. jur. Als Rechtsanwalt und Notar in Braunschweig und später in Berlin tätig. 1933 heiratete er in Berlin, wo er wohl tätig war, seine Frau Lucie Lechner. Die Ehe blieb kinderlos. Während seine Eltern und andere Verwandte in den KZs der Nazis ermordet wurden, gelang es Julius Frank, der das Kommende wohl früh ahnte, mit seiner Frau 1933 nach England und Holland und 1936 dann weiter nach Montevideo/Uruguay ins Exil zu gelangen, wo er sein Examen wiederholen musste und dann wiederum als Rechtsanwalt arbeitete. Nach dem Krieg besuchte er mehrfach seine alte Heimat in Höxter und Holzminden, so z. B. 1981. Er verstarb 1989 in Montevideo.
Fränkel, Dr. Walter Kurt (KWG Nr. 1432), geb. 22.3.1889 in Höxter, 1939 nach Manila / Philippinen ins Exil geflohen. Nach dem Krieg in den USA lebend und dort im März 1967 verstorben. Eltern: V.: Kaufmann Richard Fränkel (KWG Nr. 21), Höxter, Wegethalstr. 2, 1894 Umzug in die neu erbaute Villa Gartenstr. 2; M.: Frieda geb. Friedmann aus Hamburg. Sie verstarb bald danach. Vater in 2. Ehe verheiratet mit Else Dux. Besuch der Vorschule am KWG (1895–1897), nach deren Schließung für ein Jahr der jüd. Schule in Höxter. 1898–1907 Schüler des KWG (VI – OI). Abgang mit dem Abitur zum Medizinstudium in München (1907–09), Göttingen (1909–10), Berlin. Famulatur in Hannover. 1913/1914 ärztliche Staatsprüfung und Approbation in Berlin. Im 1. Weltkrieg Bataillonsarzt, mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet. Im Okt. 1917 Promotion zum Dr. med. an der Universität Greifswald („Ueber die Hernia epigastrica mit besonderer Berücksichtigung der Einklemmung solcher Brüche“). Nach dem Krieg für eine Zeit in Düsseldorf. Danach in Berlin lebend. Verheiratet mit Gisela Haßlacher (Filmcutterin, Berlin). 1922–1933/39 Chirurg und Urologe in Berlin-Wilmersdorf, Pfalzburgerstr. 29. Verschiedene medizinische Publikationen und pharmazeutische Forschungen. Erhielt noch 1937 (wie seine Frau) den Vaterlandsverteidiger-Orden mit einer Urkunde Hitlers und konnte unter Verweis darauf und auf das EK I nach seiner Verhaftung am Abend der Pogromnacht 10. Nov. 1938 (Polizeipräsidium Alexanderplatz) dem Abtransport in ein KZ entgehen. Danach Auswanderung nach Manila (Philippinen). Dort 1939–45 Dozent für Geschichte der Medizin. 12. Febr. 1945 Ermordung seiner Frau und Zerstörung seines Hauses durch die Japaner. Ging 1946 in die USA. Dort ab März 1946 Chirurg und Urologe in Fort Dix. Ab 1950 Medical Officer in Newark (New York). Hielt in den weiteren Jahren neben seiner Arbeit immer wieder Vorträge zur deutschen Literatur, Kunst, Kultur im deutschsprachigen „Literarischen Verein“ in New York. Dort 1967 gestorben. Vgl. im Übrigen den Briefwechsel Walter Fränkels mit Prof. Dr. Dittmar, abgedruckt in: OMNIBUS. Nachrichtenblatt der Vereinigung ehemaliger Schüler des König-Wilhelm-Gymnasiums. Nr. 42-46, Weihnacht 1962, S. 30-39 sowie OMNIBUS Nr. 47-51, Weihnacht 1962, S. 21-23. www.jacob-pins.de/index.php
Griesbach, Günter (KWG Nr. 3401), geb. 29.5.1917 in Beverungen, im September 1935 nach Palästina ins Exil geflüchtet. Eltern: V.: Kaufmann Karl Griesbach, Beverungen (Manufakturwarengeschäft); M.: Emmi Netheim aus Höxter. Besuch der Höheren Stadtschule in Beverungen. 1932–1933 Schüler des KWG (UII). Abgang mit der Mitteren Reife, um einen praktischen Beruf zu ergreifen. Er ging zunächst Ostern 1933 ab, kehrte dann wieder an das KWG zurück, das er als letzter jüdischer Schüler endgültig im August 1933 verließ. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zu der Festnahme seines Vaters, der wegen seiner Bankgeschäfte in Beverungen unbeliebt war und im März 1933 wegen der angeblichen Beteiligung an der Ermordung eines SA-Mannes aus seiner Wohnung geholt, zum Rathaus gezerrt und dort im Sitzungssaal körperlich "gezüchtigt" wurde. Danach bemühte er sich wohl verstärkt um eine Fluchtmöglichkeit. 1935 ging die ganze Familie nach Palästina ins Exil.
Grünewald, Sally (KWG Nr. 1287), geb. 13.3.1886 in Beverungen, 1936 mit Frau und Kindern nach Südamerika ins Exil geflohen. Eltern: V.: Kaufmann Cassmann Grünewald, Beverungen (Gemischtwarenhandel); M.: Dorothea Stein aus Beverungen.Besuch der Jüdischen Schule in Beverungen. 1895–1898 Schüler des KWG (VI – IV). Abgang, um Kaufmann zu werden, d. h. er trat in das Geschäft seines Vaters ein. 1907 war er Gründungsmitglied des Beverunger Turnvereins und später auch im Vorstand. 1913 musste der Vater Konkurs anmelden, und Sohn Sally führte das Geschäft bis ins 3. Reich hinein weiter. 1916 Heirat mit Regina Katz aus Ovenhausen, zwei Töchter (Gerda, *1920; Ruth, *1922). Kurz nach der Geburt der zweiten Tochter Tod der ersten Frau und Wiederheirat mit Else Wronke, (Tochter Eva, *1924). In den Jahren der Weimarer Republik belebte die jüdische Gemeinde das Beverunger Gesellschaftsleben durch Unterhaltungsabende. Else Grünewald umrahmte dabei Vortragsabende mit Klaviermusik und war als Klavierlehrerin tätig. Auch nach Beginn des „3. Reiches“ setzte sie ihr kulturelles Engagement fort, wenn es auch keine Unterhaltungsabende mehr gab. 1934 erteilte sie noch 15 Kindern Klavierunterricht. In diesem Jahr wurde ihr jedoch als Jüdin die Verlängerung der Unterrichtserlaubnis abgelehnt. Sie durfte nur noch „Nichtarier“ unterrichten, und die Zahl ihrer Schüler sank auf 4. In dieser Zeit nahm auch der Druck auf die Tochter Ruth in der Schule immer mehr zu, vor allem durch einen Lehrer, der als Führer der HJ für die Partei tätig war. Allmählich mieden auch die Kinder ihre jüdischen Mitschüler und schlossen sie vom gemeinsamen Spielen aus. Schließlich meldeten die Eltern Ruth 1934 von der Schule ab. 1936 verkauften die Grünewalds ihre Gemischtwarenhandlung an die Kaufleute Preis und Hoffmann, und die ganze Familie wanderte nach Südamerika aus.
Heineberg, Kurt (KWG Nr. 2764), geb. 27.5.1911 in Frankfurt/Main, 1933 nach Brasilien ins Exil geflohen, am 1.3.1948 in Porto Alegre verstorben. Eltern: V.: Kaufmann Hugo Heineberg, Brakel; M: Else geb. Schloss. Das Unternehmen Weiler, Heineberg, Flechtheim, genannt „Die drei Weisen“, dominierte den Getreide, Dünge- und Futtermittelhandel der Gegend. Besuch der Rektoratsschule in Brakel. 1928–1933 Schüler des KWG (UIII – OI). Wehrte sich während seiner Schulzeit gegen Ansätze von Antisemitismus und brachte entsprechende Vorfälle zur Sprache, schoss aber wohl gelegentlich über das Ziel hinaus. Abgang mit dem Abitur, um Handelswissenschaften zu studieren. Nahm vermutlich sein Studium in Berlin auf, wohin er 1931 verzog. 1933 Emigration nach Porto Alegre/Brasilien (während die Vettern Oskar und Martin im Sept. 1933 nach Argentinien emigrierten). Im April 1936 kamen seine Schwester Marga und seine (noch) Verlobte Marianne Cohn nach. Die Eltern Hugo und Else Heineberg folgten schließlich im März 1939. Während der Vater in Carapé (zumindest für eine Zeit) eine Schweinefarm betrieb, etablierte sich Sohn Hugo in Porto Alegre und zeitweise in São Paolo. Das Ehepaar hatte zwei Kinder. Er verstarb bereits 1948 in Porto Alegre.
Heineberg, Martin (KWG Nr. 2972), geb. 6.3.1911 in Brakel, ging zu Beginn des "3. Reiches" im Sept. 1933 ins Exil nach Buenos Aires / Argentinien. Eltern: V.: Kaufmann Julius Heineberg, Brakel; M.: Emma Bendix. Der Vater betrieb zusammen mit den ebenfalls jüd. Kaufleuten Weiler und Flechtheim („Die drei Weisen“) in den 1920er Jahren den beherrschenden Landhandel der Region. Besuch der Rektoratsschule in Brakel. 1925–1930 Schüler des KWG (OIII – OI). Abgang mit dem Abitur, um Medizin zu studieren. Über den weiteren Lebensweg ist zunächst nichts bekannt. Im September 1933 zu Beginn des „3. Reiches“ emigrierte er mit seinem Bruder Oskar (KWG 2651) nach Buenos Aires / Argentinien, weil er sein Medizinstudium abbrechen musste und ihm und seinem Bruder Oskar sogar verboten wurde, gemeinsame Konzerte (Klavier und Violine) zu geben. Als seine Freundin Gertrud Blank (*1922 [1912?]) aus Holzminden im Sept. 1935 folgte, reiste Martin ihr nach Uruguay entgegen, von wo sie zusammen mit dem Schiff nach Argentien fuhren. Noch auf dem Schiff im Hafen von Buenos Aires heirateten die beiden, wodurch Gertrud die Berechtigung zur Einreise nach Argentinien bekam. Dort arbeitete Martin sein ganzes Leben lang bei der Firma Hochschild (Edelmetalle), ebenso wie sein Bruder Oskar in Bolivien und dann in Peru. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Roberto (†2005) und Gabriela. Martin Heineberg starb 1979 während eines eines Besuchs bei seinem Bruder Oskar in Lima/Peru. Seine Frau Gertrud starb im Nov. 2006 im Alter von 94 Jahren.
Heineberg, Dr. Oskar (KWG Nr. 2651), geb. 15.4.1907 in Brakel, ging zu Beginn des „3. Reiches“ im Sept. 1933 ins Exil nach Buenos Aires / Argentinien, später Lima / Peru. Wohl dort verstorben. Eltern: V.: Kaufmann Julius Heineberg, Brakel; M.: Emma Bendix. Der Vater betrieb zusammen mit den ebenfalls jüd. Kaufleuten Weiler und Flechtheim („Die drei Weisen“) in den 1920er Jahren den beherrschenden Landhandel der Region. Besuch der Rektoratsschule in Brakel. 1921–1926 Schüler des KWG (OIII – OI). Wehrte sich während seiner Schulzeit gegen Ansätze von Antisemitismus und brachte entsprechende Vorfälle zur Sprache. Abgang mit dem Abitur und Aufnahme eines Jurastudiums. Im Febr. 1930 Promotion zum Dr. iur. an der Universität Köln („Kündigungsschutz im Gesetz über die Beschäftigung Schwerbeschädigter“). Im Sept. 1933 mit seinem Bruder Martin nach Argentinien emigriert. Gelangte über Buenos Aires nach Ariquipa, wo er eine leitende Stellung in der Edelmetallbranche hatte, so dass er um 1940 ein Eigenheim mit Park besaß und eine angesehene gesellschaftliche Stellung hatte. Gründete als guter Musiker (Violine und Klavier) sogar einen Orchesterverein. Später ging er nach Lima (Peru) (vermutlich in den 1960er Jahren), wo er sich wiederum im Musikleben engagierte. Er gab der dortigen Philharmonischen Gesellschaft entscheidenden Auftrieb und stiftete den bis heute alle fünf Jahre stattfindenden Kompositionswettbewerb „Oscar Heineberg“. Er verstarb vermutlich in Lima.
Her(r)mann, Rudolf (KWG Nr. 2632), geb. 21.12.1910 in Hilden, am 30.10.1936 nach Montevideo ins Exil geflüchtet, betrieb 1953 seine Wiedereinbürgerung in Deutschland; ob er zurückkehrte, ist unbekannt. Eltern: V.: Metzger und Viehhändler Heinrich Herrmann, Höxter, Wegetalstr. 7 (aus Pellingen bei Trier stammend); M.: Ella Franke aus Düsseldorf. Die Eltern wohnten bei der Geburt des Sohnes in Hilden, Niederstr. 45, verzogen aber 1912 nach Düsseldorf und 1920 nach Höxter. Nach der Volksschule zunächst für kurze Zeit am Realgymnasium in Hilden. 1920–1929 Schüler des KWG (VI – OI). In dieser Zeit Mitglied der Gymnasial-Kapelle (2. Piston). Abgang mit dem Abitur, um Theologie zu studieren. Im Herbst 1936 Flucht mit den Eltern ins Exil nach Montevideo / Uruguay. Dort wohl als Rabbiner tätig. 1953 beantragte er seine Wiedereinbürgerung in Deutschland. Das Ergebnis ist nicht bekannt.
Hessberg, Dr. Richard Josef (KWG Nr. 1455), geb. 27.12.1879 in Essen, am 18.5.1939 über die Schweiz in die USA ins Exil gegangen, am 13.10.1952 Rückkehr nach Essen, dort am 27.3.1960 verstorben. Eltern: V.: Sanitätsrat Dr. med. Leopold Hessberg (Augenarzt), Essen; M.: Laura Horn. Besuch eines Gymnasiums in Essen, dann Privatunterricht. 1898–1899 Schüler des KWG (OII – OI). Erwerb des Einjährig-Freiwilligen Zeugnisses. Abgang mit dem Abitur, um Medizin zu studieren, unter anderem in München (1902). Dort 1904 Promotion zum Dr. med. („Über Carcinom des Processus vermiformis“). Danach offensichtlich Habilitation. Rückkehr nach Essen und Übernahme der Praxis seines Vaters. Knappschaftsarzt und zugleich ab 1913 als Prof. Dr. med. Chefarzt der Augenklinik an den Städt. Krankenanstalten Essen (nebenamtlich, „da es für die Belegung der Klinik wünschenswert erschien, dass er seine kassenärztliche Praxis noch beibehalten konnte“). Heirat mit Grete Koenecke, einer (sicher) Nichtjüdin aus Düsseldorf (drei Kinder: Brigitte, * 1918; Klaus, * 1920; Barbara, * 1921). Konversion zum Protestantismus. Neben seiner Praxis- und seiner Chefarzttätigkeit nahm er eine wichtige Position bei der Ophthalmologischen Abteilung der „Gesellschaft für Wissenschaft und Leben im rheinisch-westfälischen Industriebezirk“ ein und fungierte bei ihren Sitzungen mehrfach als Berichterstatter. Unter anderem dafür wurde ihm 1929 beim 48. Deutschen Ärztetag in Essen eine Festschrift gewidmet. Zum beruflichen Engagement kam das politische. So gehörte er während der Weimarer Republik der Deutschen Volkspartei an. Schließlich sind auch seine literarischen Interessen zu nennen. 1920 wohnte Thomas Mann bei ihm. Außerdem gehörte Dr. Hessberg der Gesellschaft für Bibliophilie an und stiftete ihr 1925 einen Brief Karl Immermanns an Heinrich Heine. Ende 1933 musste er seine Tätigkeit an der Augenklinik einstellen. 1934 Scheidung von seiner ersten Frau. Im Okt. 1938 wurde auch ihm die ärztliche Approbation entzogen, und im Gefolge der Pogromnacht war er für fünf Wochen bis Mitte Dezember inhaftiert. Während die aus einer (zudem geschiedenen) „privilegierten Mischehe“ stammenden Kinder in Deutschland blieben, floh Richard nach Verkauf seines Vermögens im Mai 1939 zunächst nach Bonstetten (Schweiz), von wo er nach Mittelamerika emigirieren wollte. Wanderte schließlich über Spanien nach Cuba aus. Da er dort keine Arbeitsmöglichkeiten erhielt, flüchtete er weiter ins Exil in die USA, wo er weiterarbeitete. Entsprechende Dokumente finden sich in den dortigen Archiven. 1948 in New York Heirat mit der aus Köln stammenden Erica Nockler (Nichtjüdin). Ab etwa 1950 betrieb er seine Rückwanderung nach Deutschland. Im Okt. 1952 Rückkehr nach Essen (im Ruhestand). Danach wohl zwischenzeitlich in Bielefeld. Im Mrz. 1960 in Essen verstorben. Vgl.: Hermann Schröder: "Geschichte und Schicksal der Essener Juden". S. 581. http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Hessberg
Hochfeld, Alex(ander) Aron (KWG Nr. 798), geb. 26.1.1876 in Höxter, im September 1940 mit Familie nach Tientsin, China, ausgewandert. Eltern: V: Auktions-Kommissar Joseph Hochfeld, Höxter, aus einer mindestens seit dem 1. Drittel des 18. Jahrhunderts in Höxter ansässigen jüdischen Familie; M: Minna geb. Goldschmidt aus Lippspringe. Jüdische Schule Höxter. 1885–1891 Schüler des KWG (VI – UIII). Abgang, um Kaufmann zu werden. Später Kaufmann in Hamburg, wohin auch andere Mitglieder der Familie verzogen waren. Verheiratet mit Selma Kalkstein aus Renkau (?). Das Ehepaar hatte zwei Kinder, die vermutlich in Hamburg geboren wurden (Josef, * 1912, und Erna, * 1914). Sohn Josef wanderte im Jan. 1939 als Apothekerassistent nach Brasilien aus. Alex Hochfeld soll mit Frau und Tochter spätestens im Sept. 1940 nach Tientsin in China ins Exil gegangen sein.
Hochfeld, Julius Salomon (KWG Nr. 997), geb. 4.3.1880 in Höxter, am 9.12.1938 in die USA emigriert, am 1.3.1959 in New York verstorben. Eltern: V: Auktions-Kommissar Joseph Hochfeld, Höxter, aus einer mindestens seit dem 1. Drittel des 19. Jahrhunderts in Höxter ansässigen jüdischen Familie; M: Minna Goldschmidt aus Lippspringe. Die Familie bemühte sich Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach um eine Auswanderung in die USA, konnte aber die entsprechende Kaution nicht aufbringen. Jüdische Schule Höxter. 1889–1894 Schüler des KWG (VI – IV). Abgang wegen „Faulheit“ und zweifacher Nichtversetzung zunächst mit der Absicht, Kaufmann zu werden. Er machte dann eine Maschinenbaulehre bei der Firma Gessmann in Höxter und der Maschinenfabrik Beck & Henkel in Kassel. Danach Besuch der Maschinenbauschule in Holzminden und anschließend der Schiffsingenieurschulen in Bremen und Hamburg, die er mit dem Ingenieursexamen abschloss. Danach 16 Jahre lang Maschinist und Schiffsingenieur des Norddeutschen Lloyd in Emden und der Norddeutschen Cabelgesellschaft in Nordenham. Am 30.6.1900 gehörte er der Besatzung der „SS Main“ des Norddeutschen Lloyd an, als diese bei einem Brand in den New Yorker Docks sank. Im 1. Weltkrieg zur Kriegsmarine eingezogen. Danach vier Jahre lang Ingenieur und technischer Zeichner bei der Maschinenbaufabrik Menk & Hambrock in Hamburg-Altona. 1923 Gründung einer eigenen Fabrik für Büromöbel und Zubehör in Hamburg, wohin auch andere Mitglieder der Familie verzogen waren. Er war verheiratet mit Rosa geb. Bergmann aus Wien. Wegen der Nazigesetze musste er im Herbst 1938 die Firma aufgeben, und er emigrierte am 9.12.1938 mit seiner Frau in die USA nach New York, wo er weiterhin seinem Beruf nachging. Wegen des Krieges und der wirtschaftlichen Probleme der Nachkriegszeit verlor er mehrfach seinen Arbeitsplatz, suchte sich aber immer wieder eine neue Stelle, sei es als Hafeningenieur, als Schiffsbauer, als technischer Zeichner u.ä., zeitweise auch in anderen Hafenstädten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1959 wohnte er in New York. Seine Frau starb im Febr. 1978.
Hochheimer, Albert (KWG Nr. 2453), geb. 5.5.1900 in Steinheim, ausgewandert 1938–42 über Holland, Frankreich in die Schweiz, dort am 28.9.1976 in Crocifisso-Lugano verstorben. Eltern: Kaufmann Siegfried Hochheimer, Marktstraße, Steinheim. Privatschule Meinberg. 1917–1918 Schüler des KWG (UII – OII). Abgang mit dem Einjährig-Freiwilligen Zeugnis und Einberufung zum Heeresdienst. Nach dem Krieg zunächst Wareneinkäufer in Köln, offensichtlich Ablegung des Abiturs und 1922–1924 Volkswirtschaftsstudium in Köln. In diesem Zeitraum und in der Folge verschiedene berufliche Tätigkeiten (Werkstudent, Teppich- und Gardineneinkäufer in Köln, und schließlich Fabrikant für Lederwaren in Offenbach). Heirat mit einer Nichtjüdin (Tochter Erika). 1938 Auswanderung mit der Familie nach Holland, von dort 1939 weiter nach Paris, wo er erneut eine Lederwarenfabrik betrieb. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich 1940 Meldung zur Fremdenlegion nach Afrika, wodurch er der Deportation in ein Internierungslager entging. 1942 Flucht aus der Legion und Niederlassung in der Schweiz, wo er Frau und Tochter wiedertraf, die kurzzeitig in einem Lager bei Lyon interniert waren. Nach Scheidung später zweite Heirat, ebenfalls mit einer Nichtjüdin (Tochter Doris). Nach dem Kriege lebte Hochheimer in Paris und Lyon, dann ab 1950 in der Schweiz (Tessin), wo er ein bekannter Schriftsteller war (47 Bücher, zumeist Jugend- und Kinderbücher, geschichtliche Romane, deren Personen oft Steinheimer Namen tragen, Reiseerzählungen, zahlreiche Zeitungsartikel und kleinere Arbeiten; rund ein Dutzend Hörspiele im Radio Beromünster). Mitglied des PEN-Clubs London und im Vorstand des Schutzverbandes deutschsprachiger Schriftsteller. Seine Bücher wurden in Holländische, Französische, Italienische, Spanische, Ungarische, Serbokroatische übersetzt. 1976 in der Schweiz verstorben. Weitere Informationen siehe: „Mitteilungen des Kulturausschusses der Stadt Steinheim“, Heft 7, Frühjahr 1971; Johannes Waldhoff: „Die Geschichte der Juden in Steinheim“, Heimatverein Steinheim, 1980, S. 273 ff. http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Hochheimer
Kaufmann, Hermann (KWG Nr. 1838), geb. 24.9.1897 in Alsdorf, floh am 8.8.1939 ins Exil nach England und dann weiter in die USA, im März 1981 in Dade/Florida gestorben. Eltern: V.: Kaufmann Moses Kaufmann, Marktstr. 27, Höxter; M.: Berta geb. Blankenberg. Die Familie betrieb seit 1900 ein Geschäft für Herren- und Knabenbekleidung, Konfektions- und Schuhwaren. Besuchte zunächst die Evangelische Bürgerschule. Dann 1906–1912 Schüler des KWG (VI – UIII). Nach zweimaliger Nichtversetzung Abgang auf eine andere Schule. Im Ersten Weltkrieg als Soldat mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Danach als „Handlungsgehilfe“ im elterlichen Geschäft. Mitglied im Fußballverein. Nach dem Tod des Vaters führte er das Geschäft weiter und heiratete Anfang der 1930er Jahre. 1936 Arisierung des Geschäfts und Übernahme durch ehemalige Angestellte. In der Pogromnacht wurden am Haus Fensterscheiben zerschlagen, und er wurde in „Schutzhaft“ genommen. Entlassung am 12.1.1939, da er bereits Auswanderungspapiere nach England hatte. Die Kaufmanns mussten nach dem Verkauf ihres Hauses in die oberste Etage des Hauses ziehen, behielten aber noch Wohnrecht. Unterstützung durch befreundete nicht-jüdische Familien (Familie Ritter). Am 8.8.1939 Flucht ins Exil nach England, später dann weiter in die USA. Frau und Tochter folgten ihm im Juni 1941, während die Mutter Anfang 1943 in Theresienstadt umkam. 1950 lebte die Familie in den USA in West-Harford. Seine Frau war nach dem Krieg noch mehrere Male in Höxter zu Besuch. Hermann Kaufmann starb 1981 in Floriada.
Kleeberg, Salli (KWG Nr. 837), geb. 1.7.1876 in Boffzen, 1938 vor der Pogromnacht nach Palästina ins Exil geflohen. Eltern: V.: Viehhändler David Kleeberg, Boffzen (aus Bösingfeld stammend); M.: Minna Lebenbaum aus Boffzen. Im Haus dieser zweiten Familie Kleeberg befand sich der jüdische Gebetssaal. Der Handel, zu dem auch eine Schlachterei gehörte, wurde zunächst von Sallis jüngerem Bruder Albert weitergeführt. Er fiel jedoch im 1. Weltkrieg. Nach dem Tod des Vaters (1910) und der Mutter (1919) verlieren sich die Spuren der Familie in Boffzen. Salli wurde als ältester von 5 Söhnen geboren. 1885–1886 Vorschule am KWG. 1886–1890 Besuch des KWG (VI – UIII). Abgang wegen eines Augenleidens. Anschließend vermutlich Übergang zu einer anderen weiterführenden Schule, denn er wird später wegen seiner Sprache und seines gesellschaftlichen Auftretens als auffallend gebildet bezeichnet. Um 1910 Heirat mit Cilly Stein (*1878 in Grebenau) und Ansiedelung in Lauterbach (Hessen) an, wo 1912 der Sohn Walter geboren wurde. Sali Kleeberg war ein sehr agiler und erfolgreicher Geschäftsmann, der sich bereits nach wenigen Jahren dort ein Haus kaufen und ein Geschäft einrichten konnte, das er zunächst zusammen mit dem Bruder seiner Frau führte. Das Geschäft verkaufte vorzügliche Kleiderstoffe und Raumausstattungsmaterialien, z. B. das damals modische Linoleum. Als einer der wenigen Geschäftsleute in Lauterbach besaß er ein eigenes Auto, einen Opel P 4, mit dem er (auch noch nach 1933) seine Einkäufe in Frankfurt tätigte. Nach seiner Ansiedlung in Lauterbach gewann er sehr schnell das Ansehen der dortigen Geschäftsleute und Fabrikanten und wurde Mitglied im Handelsverein. Auch im Vorstand der jüdischen Gemeinde spielte er, wie die Akten zeigen, eine ansehnliche Rolle. In den Jahren des 3. Reiches ahnte Salli Kleeberg, was geschehen würde. Er wanderte, nachdem er seinen Warenbestand mit Beginn der Dämmerung ausverkauft hatte, 1938 noch vor der Progromnacht mit seiner Familie nach Palästina aus, wo er eine Hühnerfarm begründete. Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft besuchte er wohl 1958 seine alte Heimat wieder und nahm dabei, als er nach Boffzen und Höxter kam, auch am Runden Tisch der Ehemaligen-Vereinigung des KWG teil.
Lebenbaum, Iwan (KWG Nr. 1969), geb. 25.5.1899 in Boffzen, flüchtete 1938 ins Exil in die USA, nach dem Krieg Rückkehr nach Deutschland, am 23.7.1980 in Hamburg verstorben. Eltern: V.: Fruchthändler Guido Lebenbaum, Boffzen; M.: Henny Kugelmann, Bodenfelde. Die Eltern gingen im „3. Reich“ nach Palästina ins Exil. Besuch der Volksschule (vermutlich in Boffzen). 1908–1915 Schüler des KWG (VI – UII). Abgang mit dem Einjährig-Freiwilligen Zeugnis in einen praktischen Beruf, wohl zunächst nach Frankfurt. Von dort kam er 1924 als Bankier nach Braunschweig und war hier Mitinhaber des Bankhauses Reis. Heirat mit Anna Kugelmann, * 10.5.1905 in Aschersleben. Das Ehepaar hatte zwei Töchter, Ruth, * 1927, und Lore, * 1932. Schon im August 1933 wurde Iwan Lebenbaum verhaftet und für mehr als ein Jahr inhaftiert, teils in der Untersuchungshaftanstalt Rennelberg bei Braunschweig, teils im Gerichtsgefängnis Hannover. Seine Frau zog deshalb im Herbst 1933 mit den beiden Töchtern wieder zu ihren Eltern nach Aschersleben. Anfang Oktober 1934 wurde Iwan wieder nach Braunschweig entlassen, ging aber bereits Ende November nach Berlin-Schönefeld. Von Juli bis September 1938 wurde er im KZ Buchenwald eingesperrt. Nach seiner Entlassung floh er noch im selben Jahr in die USA. Nach dem Ende der Naziherrschaft kehrte er nach Deutschland zurück und starb 1980 in Hamburg, wohin er bereits vorher gegangen sein könnte; denn er hatte dort Verwandtschaft.
Löwenherz, Dr. Hartwig Otto (KWG Nr. 2189), geb. 17.11.1898 in Lauenförde, floh etwa 1938 vor den Nazis ins Exil nach Schweden, wo er sich niederließ. Er verstarb dort. Eltern: V.: Kommerzienrat Hermann Löwenherz; M.: Toni Lichenheim. Hermann Löwenherz betrieb in Lauenförde eine Holzhandlung und gründete die heute noch bestehende HERLAG (HErmann Löwenherz AG). Besuchte zunächst eine private (Aufbau-)Schule in Lauenförde. 1912–1916 Schüler des KWG (O III – O I). Legte wegen des Krieges vorzeitig ein Notabitur ab und wurde dann „zum Heeresdienst eingerufen“. Nach dem Krieg Studium an der TH Hannover und Examen zum Maschinenbauingenieur. 1926 Promotion („Außenhandelsbedingtheiten der deutschen Glasindustrie“). Etwa Anfang der 1930er Jahre Heirat mit Lotte Löwenstein (*1909) aus Düren, zwei Töchter (Margot und Eva). Hartwig Löwenherz trat als Ingenieur in die Maschinenfabrik und Eisengießerei Gebr. Hannemann & Co in Düren-Rölsdorf ein, deren Mitinhaber der Schwiegervater Hermann Löwenstein war, und erhielt wie sein Schwager Dr. Wilhelm Kaufmann die Procura. 1938 wurde die Firma arisiert, und Zeitungsberichte im Rahmen eines Untreueprozesses zeugen von der Diffamierung der Familie des Firmenbesitzers, der mit seiner Frau durch im Holocaust ermordet wurde. Hartwig Löwenherz floh 1938 nach Schweden, wo er 1956 starb. In Schweden lernte auch Astrid Lindgren die Familie Löwenherz kennen, und ihr weltbekanntes Jugendbuch „Villa Löwenherz“ setzt auf seine Weise der Familie Löwenherz aus Lauenförde ein Denkmal.
Löwenherz, Oskar Heinrich (KWG Nr. 2246), geb. 18.7.1900 in Lauenförde, floh wohl 1934 vor den Nazis ins Exil zunächst nach Holland und dann 1939 weiter in die USA, wo er 1956 verstarb. Eltern: V.: Kommerzienrat Hermann Löwenherz; M.: Toni Lichenheim. Hermann Löwenherz betrieb in Lauenförde eine Holzhandlung und gründete die heute noch bestehende HERLAG (HErmann Löwenherz AG). Besuchte zunächst eine private (Aufbau-)Schule in Lauenförde. 1913–1917 Schüler des KWG (U III – U II). Abgang mit dem Einjährig-Freiwilligen Zeugnis, um in eine Bank einzutreten. Später zunächst Eintritt in die elterliche Firma. 1928 Heirat mit der amerikanischen Schauspielerin und Opernsängerin Florence Webb. Zwei Töchter. 1930 Austritt aus der HERLAG und Gründung eines eigenes Unternehmen, für das Lauenförder Tischler Möbel herstellten, die er dann aus seinem Lager bei einem Tischler an der Weserbrücke vertrieb. 1934 floh er zunächst nach Holland. 1938 wurde er mit Steuersteckbrief gesucht, da er 1934 die sog. „Reichsfluchtsteuer“ nicht entrichtet hatte. 1939 weitere Flucht mit den Töchtern in die USA, wohin ihm seine Frau vorangegangen war, um den Weg zu bereiten. Dort Anmeldung von zwei Patenten für Spieltische aus Holz. Er nahm 1941 nach seiner Einbürgerung den Namen seiner Frau an. 1956 in New York verstorben.
Löwi, Herbert Siegfried (KWG Nr. 2655), geb. 20.4.1909 in Brakel, ging 1937 ins Exil nach Atlanta/USA. Wohl nach 1959 in den USA verstorben. Eltern: V.: Viehhändler Siegmund Löwi, Brakel. Besuchte nach der Volksschule die Rektoratsschule Brakel. Dann 1921–1924 Schüler des KWG (V – U II). Anfang 1924 Abgang in einen praktischen Beruf, möglicherweise in den Handel seines Vaters. Für die weiteren Jahre fehlen Informationen. Im Mai 1937 foh er nach Atlanta/USA. Später lebte er in Monmouth/New Jersey. Von dort kam er 1959 beim Kreis Höxter um Wiedergutmachung ein, und das KWG stellte ihm eine Schulbescheinigung aus.
Mannsbach, Fritz (KWG Nr. 2342), geb. 20.8.1903 in Beverungen, mit der Familie am 5.1.1939 nach Afrika emigriert. Eltern: V.: Kaufmann Hermann Mannsbach (Fellhandlung?), Beverungen; M.: Grete Salomon. Höhere Privatschule Lauenförde. 1915–1918 Schüler des KWG (IV – OIII). Abgang auf ein Gymnasium in Gießen. Weitere Informationen fehlen. Die Familie wanderte Anfang 1939 nach Afrika aus (die Mutter war bereits verstorben).
Michaelis, Dr. Alfred (KWG Nr. 623), geb. 19.3.1873 in Köln, 10.6.1939 ins Exil nach Südafrika, dort am 20.4.1943 gestorben. Eltern: V.: Kaufmann Michael (Emil) Michaelis, Köln; M.: Goldine (Goldchen, Jule) Steinberg († 1905 Höxter), Höxter. Die Eltern zogen in der 2. Hälfte der 1870er Jahre nach Höxter, woher die Mutter stammte (Wohnung zunächst Stummrigestraße, dann Ecke Westerbachstraße/Ecke Rosenstraße). Der Vater war allerdings wohl nur zeitweise in Höxter. Jüdische Schule Höxter. Dann 1882–1891 Schüler des KWG (VI – OI). Abgang mit dem Abitur, um in Frankfurt das Bankfach zu erlernen. Nach vier Jahren an einer Privatbank 1895 Berufswechsel und Aufnahme des vermutlich von seinem in Südafrika lebenden Bruder finanzierten Jurastudiums in München, dann in Berlin (u.a. bei Hugo Preuß, einem der späteren Väter der Weimarer Verfassung). Dort 1899 erstes Staatsexamen. Anschließend Referendardienst in Brakel, Essen und Bochum. 1902 Promotion an der Universität Rostock („Der Begriff der ‘Geschäftsbesorgung’ in 675 des bürgerlichen Gesetzbuchs für das Deutsche Reich“). Assessorprüfung in Berlin. Kurzzeitige Niederlassung als Rechtsanwalt in Recklinghausen, dann, vermutlich ab 1906, Verlegung der Praxis nach Hamm. 1910 Veröffentlichung einer umfangreichen Sammlung von Gesetzen, Erlassen usw. über „Die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen seit dem Beginne des 19. Jahrhunderts“, ein Buch, das bald zu einem Standardwerk der juristischen Fachbibliotheken wird. 1906 Heirat mit seiner Kusine Paula Liebenfeld aus Bochum, vier Kinder (Herbert, Lotte, Ruth, Susanne, geb. 1907, 1908, 1910, 1917). Wohnhaus Hohestr. 59, wo sich im Erdgeschoss auch die Praxis befindet. Dr. Michaelis war auch vielseitig künstlerisch und literarisch interessiert. Die Familie musizierte gemeinsam oder betrachtete Bilder. Er hatte er Kontakt zur Worpsweder Malerkolonie und besaß z. B. Bilder von Vogeler und Otto Modersohn, aber auch ältere Werke. 1924 war er bei einem literarischen Wettberwerb der Kölnischen Zeitung unter 700 Einsendern mit der Erzählung „Die Kniewelsche Erbschaft“ einer der 28 Preisträger des 3. Preises. Ob sich auch die Nennung eines Alfred Michaelis im Umkreis der Dadaisten auf ihn bezieht, lässt sich bisher nicht klären. Außerdem engagierte sich Dr. Michaelis im Leben der Stadt. Er war Mitglied im Wissenschaftlichen Verein und arbeitete politisch bei den Freisinnigen des Kaiserreichs sowie der DDP der Weimarer Republik. Immer wieder findet man ihn außerdem unter den Repräsentanten der jüdischen Gemeinde (1910, 1912, 1914, 1919, 1931, 1933). Mit Beginn der Nazizeit verlor er seine Zulassung als Anwalt und Notar. Dem Sohn Herbert, der sein Jurastudium mit Staatsexamen und Promotion abgeschlossen hatte, wurde die weitere Laufbahn versperrt, und er ging 1933 auf Einladung seines Onkels nach Südafrika ins Exil. Auch die drei Töchter wanderten aus (Ruth 1933 und Lotte 1935 nach London, Susanne 1938 über Indien in die USA). Die erste Verhaftung und Internierung in Bergkamen ließen bei Dr. Michaelis die Parkinsonsche Krankheit ausbrechen. Sein sprichwörtlicher Humor verging ihm, er hörte auf Geschichten zu erzählen und zu musizieren. Seine verwaiste Praxis stellte er der Jüdischen Gemeinde zur Verfügung, die darin bis zum 9.11.1938 ein Gemeindezentrum einrichtete. In der Pogromnacht wurden nicht nur die Gemeinderäume total verwüstet, sondern auch die Wohnung. Vor allem die Bildersammlung wurde zerfetzt und zerschnitten, da es sich ja z. T. um "entartete Kunst" handelte. Am nächsten Tag wurde er mit anderen "Schutzhäftlingen" durch die Stadt gezerrt und für einige Tage im Polizeigefängnis inhaftiert. Dem Ehepaar gelang es in der Folge nur schlecht, Lebensmittel für sich zu organisieren, und die beiden mussten hungern, wenn sie nicht von alten Kollegen und Freunden versorgt wurden. Das Haus wurde schließlich für einen Spottpreis an die ev. Kirche verkauft, die dort ein Altenwohnheim einrichtete. Im Juni 1939 gelang die Flucht nach Südafrika. Der schwer kranke Dr. Michaelis erholte sich jedoch nicht wieder, und er schwieg auch gegenüber seinen Kindern über alles, was man ihm zugefügt hatte. Obwohl ihm seine Hände kaum noch gehorchten, arbeitete er an einem Roman. Er starb schließlich am „Führergeburtstag“ 1943, während seine Frau ihn um 18 Jahre überlebte. Weitere Informationen siehe: Mechthild Brand: „Geachtet – geächtet. Aus dem Leben Hammer Juden in diesem Jahrhundert“, Hamm 1991, S. 118-127; dort auch Abdruck der Erzählung „Die Kniewelsche Erbschaft“ (S. 285-301). www.juedischeliteraturwestfalen.de/index.php
Netheim, Dr. Max (KWG Nr. 1438), geb. 5.4.1889 in Höxter, floh am 13.1.1939 ins Exil in die USA, dort etwa 1951 verstorben. Eltern: V.: Prokurist Philipp Netheim (wohl im Geschäft seines Vetters Levi), Höxter, Westerbachstr. 14; M.: Rosalie Albert aus Aachen. Philipp Netheim war auch Geschworener. Im seinem Haus Westerbachstr. 14 fanden ab 1906 die Versammlungen des seit 1869 bestehenden „Israelitischen Frauenvereins“ statt, der den Zweck hatte, ältere bedürftige Jüdinnen der Gemeinde bis zum Tod zu pflegen und sich um ihre Bestattung zu kümmern, aber im Rahmen der Möglichkeiten auch Nicht-Juden unterstützen wollte. Jüdische Schule Höxter. Dann 1898–1907 Schüler des KWG (VI – O I). Abgang mit dem Abitur, um Jura zu studieren. Studium u. a. in Erlangen und dort 1912 Promotion („Das Wesen des Schiffsgläubigerrechts insbesondere die Frage: Kann der Reeder, der in Fällen der sogen. beschränkt-dinglichen Haftung nach Veräusserung des Schiffsvermögens gezahlt hat, das Geleistete zurückverlangen“). 1912 war er Referendar in Altona und nahm in Höxter an der Einweihung des neuen KWG-Gebäudes an der Bismarckstr. teil (Spende 5 RM). Im 1. Weltkrieg Kriegsfreiwilliger (Garde-Train-Bataillon). Danach Niederlassung als Rechtsanwalt und Notar in Osnabrück, Albertstr. 18 I (bis 1938) (Wohnung Herderstr. 31). Die erfolgreiche Praxis befand sich (zumindest 1936) in der Albert-Str. 18 I, später wohl in der Möserstraße 29. In Höxter gehörte ihm nach dem Tod seines Vaters das Haus Westerbachstr. 14. April 1922 Verlobung mit Brunhilde (Hilde) Kaiser aus Vöhl (Bezirk Kassel), im Herbst 1922 Heirat (Kinder Marianne, *1923, und Eva Helene, *1927). 1923 spendete er 23 Mk. für die Ehrentafel für die gefallenen Schüler des KWG. Nach 1933 sollte seiner Tochter Marianne der Besuch des Gymnasiums verweigert werden, da die Zahl der „Nichtarier“ zu groß sei. Außerdem kam es zu einer von der NS-Zeitung Der Stürmer unterstützen Kampagne gegen Max Netheim. Dieser, der bereits während seines Studiums einer zionistischen Studentenvereinigung angehört hatte und in Osnabrück Vorsitzender der dortigen zionistischen Ortsgruppe geworden war, ließ sich jedoch in den Vorstand der dortigen jüdischen Gemeinde wählen. Das 3. Reich stellte jedoch auch seine wirtschaftliche Existenz in Frage. Das Notariat wurde ihm entzogen, und als er 1936 eine Aschengrube an seinem Haus in Höxter anlegen und die Schronsteine sanieren sollte, beklagte er in einem Brief „den ausserordentlichen Betrag von 207,36 RM“ und schrieb, er wisse nicht, wie er ihn „bei dem Absinken meiner Rechtsanwaltspraxis […] aufbringen“ solle. Solche Erfahrungen und sicher die Pogromnacht 1938 veranlassten ihn Anfang 1939, mit seiner Familie in die USA ins Exil zu gehen (Zwischenstation: Flüchtlingslager in Rotterdam). Dort betrieb er in Flushing, Long Island, New York eine Hühnerfarm, bis er 1949 in New Jersey starb. Seine Frau Hilde starb am 10.2.1994 in New York. http://www.jacob-pins.de/index.php?article_id=134&clang=0
Paradies, Karl (KWG Nr. 338), geb. 11.5.1864 in Oerlinghausen, ging 1939 über Manila in die USA, dort am 2.2.1950 in Oakland gestorben. Eltern: V.: Kaufmann Jacob Paradies, Oerlinghausen, Philosophenweg 350; M.: Antonie Schönberg. Die Familie führte in Oerlinghausen bereits seit 1824 ein Textilgeschäft. Besuch der Rektoratsschule in Oerlinghausen. 1876–1878 Schüler des KWG (VI – IV). Er wohnte in dieser Zeit sicher bei seinem Onkel Julius I/39a (Wegethalstr. 4/6). Danach Abgang auf eine Realschule in Bielefeld. Wegen eines besonderen Abkommens zwischen Lippe und Preußen war er anschließend vom Militärdienst befreit. Er trat in das Bekleidungsgeschäft seines Vaters ein, das er später übernahm und fast 50 Jahre lang leitete. 1906 heiratete er Bertha Erda aus Detmold und hatte jedenfalls einen Sohn Rudolf, * 1912, der in Chemnitz eine Ingenieursausbildung machte. 1935 gab die Familie das Geschäft auf und zog nach Bielefeld. Der Sohn Rudolf ging 1937 ins Exil nach Manila, wo sich Sieghard Paradies, ein Vetter seines Vaters, niedergelassen hatte. Karl und Bertha Paradies folgten im Januar 1939. Von dort gelangten sie dann in die USA, wo Karl Paradies 1950 in Oakland starb.
Pins, Jacob (früher: Otto) (KWG Nr. 3072), geb. 17.1.1917 in Höxter, ausgewandert 1936 nach Palästina, am 4.12.2005 in Jerusalem verstorben. Eltern: V.: Tierarzt Dr. Leopold Pins, Marktstr. 11, Höxter (Dissertation an der Universität Leipzig über "Die Bedeutung des Gefrierpunktserniedrigung der Milch für die Milchkontrolle"); M.: Ida geb. Lipper (Höxter), die bis 1934 das Textilwarengeschäft der Eltern weiterführte. Die Eltern wurden am 9.12.1941 nach Riga deportiert und dort 1944 ermordet. http://www.jacob-pins.de/index.php?article_id=34 Besuch der Bürgerschule Höxter. 1927 – 8.9.1933 Schüler des KWG (VI – OII). Abgang wegen des zunehmenden Drucks auf die Juden. Jan. 1935 – Aug. 1936 Teilnahme an einem Vorbereitungslager für die Auswanderung nach Palästina in Stettin. Nach einem letzten Besuch bei den Eltern in Höxter im Aug. 1936 über Marseille nach Palästina ausgewandert. Lebte dort bis 1941 unter härtesten Bedingungen in einem Kibbuz. Musste die Arbeit wegen einer Polioerkrankung aufgeben und begann, unterstützt durch ein kleines Stipendium, ein Studium der Malerei und Graphik bei dem aus Berlin stammenden Prof. Steinhardt in Jerusalem. 1945 erster Erfolg mit einer Ausstellung von Holzschnitten. 1949 Mitbegründer des Jerusalemer Künstlerverbandes. 1952 Illustration der hebräischen Ausgabe von Kleists „Michael Kohlhaas“. Zahlreiche Ausstellungen in Nord- und Südamerika, Europa und Australien. 1957 Ohara-Preis der Biennale für Graphik in Tokio. 1961 Jerusalem-Preis. Seit 1956 unterrichtet er an der Bezalel Akademie für Kunst und Design in Jerusalem. 1978 Verleihung der Professur. 1957 erster Besuch in Höxter. Erneut 1967 zur Ausstellung seiner Holzschnitte im Kunstkabinett Henze. Weitere Besuche und Ausstellungen folgten: Nov. 1988 (Besuch der Austellung „Juden in Höxter“ anlässlich des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht, dabei auf einem Foto Entdeckung seines Vaters bei der Deportation auf dem Bahnhof in Bielefeld), Sommer 1989 (Ausstellung von Werken in Corvey). Im Juni 1999 offizieller Empfang und Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Höxter. Bei einem Besuch in Höxter im Sept. 2002 stiftete er der Stadt Höxter zur Erinnerung an seine im Nazi-Regime ermordeten Eltern eine Sammlung seiner Holzschnitte und anderer Kunstwerke. Am 15.11.2003 wurde ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt Höxter verliehen. Er starb Ende 2005 in Jerusalem. Ende 2002 stiftete Jacob Pins seiner Geburtsstadt Höxter zur Erinnerung an seine Eltern und an alle Höxteraner Juden einen umfangreichen Nachlass seiner Werke, der seit 2008 im „Forum Jacob Pins“ im ehemaligen Adelshof Heisterman von Ziehlberg in Höxter gezeigt wird. http://www.jacob-pins.de/index.php?article_id=14
Pins, Rudolf (Rudi) (KWG Nr. 3272), geb. 27.4.1920 in Höxter, im Nov. 1934 in die USA emigriert. Eltern: V.: Tierarzt Dr. Leopold Pins, Marktstr. 11, Höxter (Dissertation an der Universität Leipzig über "Die Bedeutung des Gefrierpunktserniedrigung der Milch für die Milchkontrolle"); M.: Ida geb. Lipper (Höxter), die das Textilwarengeschäft der Eltern weiterführte. Die Eltern wurden am 9.12.1941 nach Riga deportiert und dort 1944 ermordet. Bürgerschule Höxter. Danach 1930 – 1.11.1934 Schüler des KWG (VI – OIII). Gleich danach konnte er mit dem zweiten Kindertransport am 28.11.1934 in die USA entkommen, wo er zu einer Familie in Cleveland kam. Nach seiner Naturalisierung im 2. Weltkrieg im ultra-geheimen Fort Hunt (PO Box 1142) für gefangene deutsche und japanische Offiziere und Wissenschaftler, die über die deutschen Kriegspläne und wissenschaftlichen Forschungen unter anderem für die Atombombe, Forschungen und verhört wurden, als Interrogator und Dolmetscher eingesetzt. Danach 1946–48 als Interrogator bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. In dieser Zeit Besuch in Höxter, wo er ehemalige Lehrer und Mitschüler traf. Danach für einige Zeit Mitarbeiter der „Yellow Pages“ in Washington und päter im Dienste des State Department. Danach in der Wirtschaft tätig. Lebt in New York. http://www.jacob-pins.de/index.php?article_id=37
Rosenbaum, Albert (KWG Nr. 2880), geb. 18.1.1908 in Udorf, ins Exil geflohen, 1975 in Tel Aviv verstorben. Eltern: V.: Gastwirt Max Rosenbaum, Udorf; M.: Minna Kleinstraß, in Bredenborn geboren. Der Vater starb 1929, während die Mutter deportiert wurde und im Zwangsarbeitslager Zamosc bei Lublin umkam. Alberts jüngerer Bruder Ernst wurde nach der Pogromnacht im Nov. 1938 im KZ Buchenwald ermordet. Die Schwester Hilde entkam in die USA. Besuchte nach der Volksschule die Rektoratsschule in Brakel. Er dürfte in dieser Zeit bei der Familie Kleinstraß gewohnt haben, aus der seine Mutter stammte. Kam dann für ein Jahr an das KWG, um mit der UII die Mittlere Reife zu erwerben (1924–1925). Anschließend Abgang in einen praktischen Beruf, vermutlich um eine kaufmännische Ausbildung zum zu absolvieren, die ihn bis 1929 nach Hamm führte, wo sein Onkel Dr. Josef Kleinstraß als Arzt lebte. Danach begann wohl die in den Krisenjahren der Weimarer Republik schwierige Suche nach einem Arbeitsplatz als Substitut und nach einer sicheren Existenz, worauf häufige Ortswechsel hinweisen (Hamm, Udorf, Kassel, Udorf) Schließlich meldete er sich im Okt. 1929 nach Wiesbaden um (Genaueres unbekannt). Verheiratet mit Frau Martha (†1985), ein Sohn Micha. Im 3. Reich Flucht ins Exil. 1975 in Tel Aviv verstorben.
Rosendahl, Dr. med. dent. Louis Levi (KWG Nr. 1209), geb. 29.5.1877 in (Dortmund-)Aplerbeck, 1939 nach England emigriert, von dort weiter in die USA. 1958 in Shreveport/Louisiana verstorben. Eltern: V.: Spezereihändler Michael Rosendahl, Aplerbeck; M.: Friederike (Rika) Fischbein aus Erwitte. Der Vater war zugleich Handelsmann und Metzger. Das Ehepaar hatte neben Levi zwei ältere Töchter. Besucht nach der Elementarschule Aplerbeck die dortige Rektoratschule. Dann 1893–1894 Schüler des KWG (UII – OII), wofür der in Berlin lebende Bruder der Mutter Abraham die Kosten aufbrachte. Abgang mit dem Einjährig-Freiwilligen Zeugnis zunächst auf ein Gymnasium in Arnsberg. Danach mochte er "nicht mehr die Schulbank drücken", sondern entschied sich, Zahnarzt zu werden, wofür damals noch kein Abitur erforderlich war. Nach einem einjährigen Praktikum in Essen begann er 1897 sein Studium in München und wechselte 1898 nach Leipzig, wo er im Juni 1899 sein Examen ablegte. Von Okt. 1899 – Sept. 1900 leistete er seinen Dienst als Einjährig-Freiwilliger in Münster ab, wurde aber als Jude nicht in die Offizierslaufbahn aufgenommen. Bis 1902 absolvierte er seine Assistenzzeit zunächst in Göppingen, dann in Bremen, wo er auch seine spätere Frau, die damals noch 12-jährige Johanna Davidsohn behandelte. 1902 ließ er sich als Zahnarzt in Düsseldorf nieder, und die Praxis begann nach und nach zu blühen. Er dachte in den folgenden Jahren noch nicht ans Heiraten, sondern widmete sich vor allem gesellschaftlichen Kontakten und genießt seine vielfältigen Urlaubsreisen. Im 1. Weltkrieg musste er aus gesundheitlichen Gründen nicht an die Front, sondern blieb als Garnisonsarzt in Düsseldorf. 1918 traf er Johanna Davidsohn wieder, und nach einer mehr als einjährigen Verlobungszeit heirateten die beiden im April 1919 (einziges Kind: die im August 1920 geborene Tochter Gerda. Trotz der krisenhaften Jahre der Weimarer Republik entwickelte sich die Praxis, man kaufte ein Haus und richtete es anspruchsvoll ein. Anfang der 1920er Jahre holte Louis seine Promotion nach, als die Zahnärzte ein eigenes Promotionsrecht erhielten („Beiträge zur Atrophie der Pulpa“). Trotz der beruflichen Einschränkungen in den ersten Jahres des 3. Reiches fühlte sich die Familie noch relativ sicher, schickte jedoch die Tochter Gerda 1936 zum weiteren Schulbesuch nach England, und Louis bemühte sich um eine Arbeitserlaubnis dort, aber vergeblich. Mit der Pogromnacht 1938 brach alles zusammen. Versteckt im Nachbargarten beobachteten die Rosendahls in der Nacht des 9. November verzweifelt, wie ihr Haus von oben bis unten verwüstet wurde. Dem Abtransport in ein Konzentrationslager entging Louis durch zeitweiliges Untertauchen. Im Dez. 1938 erhielten sie endlich das ersehnte Permit nach England, weil eine englische Familie, die die Tochter kennen gelernt hatte, die notwendigen Garantien für die Einreise und den Aufenthalt übernahm. Es dauert jedoch noch mehrere Monate, bis die zur Zahlung der „Reichsfluchtsteuer“ usw. notwendigen Summen aufgebracht waren, unter anderem durch Verkauf des Hauses, und bis die zur Ausstellung des Passes notwendige Unbedenklichkeitserklärung ausgestellt war. Schließlich konnten die Eltern in Southampton ihre Tochter wieder in die Arme schließen. Die Familie wandertt in den folgenden Jahren weiter in die USA, wo Louis 1958 in Shreveport/Louisiana starb. www.juedischeliteraturwestfalen.de/index.php
Sommer, Dr. Otto (KWG Nr. 2037), geb. 10.8.1895 in Brakel, im 3. Reich in die USA geflüchtet, nach dem Krieg nach Frankfurt/Main zurückgekehrt, später wieder in den USA, wo er 1979 verstarb. Eltern: V.: Kaufmann August Sommer, Brakel; M.: Jenny Ida Sudheim aus Brakel. Der Vater erblindete in späteren Jahren. Die Eltern zogen im 3. Reich ins jüdische Altersheim in Berlin, wo die Mutter 1939 od. 1940 starb. Besuchte nach der Volksschule die Rektoratsschule in Brakel, dann 1909–1914 Schüler des KWG (OIII – OI). Rezierte 1913 bei der Feierstunde zum 25-jährigen Thronjubiläum des Kaisers Ernst von Wildenbruchs Gedicht „Arbeit“. Abgang mit dem Abitur zum Medizinstudium, das er wohl in Frankfurt abschloss. Danach vermutlich Eröffnung einer Praxis. Im 3. Reich ging er in die USA ins Exil und praktizierte in Mount Vernon (New York) als Kinderarzt. Um 1950 kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er bis etwa 1972 lebte. Danach ging er wieder in die USA und starb im Febr. 1979 in Mount Vernon.
Speyer-Ofenberg, Ernst (KWG Nr. 1499), geb. 8.9.1883 in Wolfhagen, ausgewandert am 2.8.1939 nach Chicago/USA, im Apr. 1973 in Graceland / Illinois verstorben. Eltern: V: Kaufmann Julius Speyer-Ofenberg, Wolfhagen, Burgstr. 27; M: Friederike (Riekchen) aus Korbach. Nach Besuch des Gymnasiums Korbach 1899-1904 Schüler des KWG (II – OI). Abgang mit dem Abitur. Plante zunächst ein Jurastudium, entschied sich dann aber für Medizin. Schloss sein Studium (möglicherweise nach Zwischenaufenthalt in Berlin) in Würzburg ab. 1909 Promotion zum Dr. med. in Würzburg („Die Blasenmole bei Zwillingsschwangerschaft“). Nach kurzzeitiger zwischenzeitlicher Rückkehr nach Wolfhagen 1909/10 für ein Jahr Famulatur in Offenbach/Main als „Medizinalpraktikant“. Danach in Berlin, aber nochmals kurzzeitige Rückkehr nach Wolfhagen, bevor er ab Aug. 1911 endgültig nach Berlin-Spandau zog. Für die folgenden Jahre fehlen Informationen. Im August 1939 ging er nach Chicago/USA ins Exil. Er verstarb im April 1973 in Graceland, Cook, Illinois.
Speyer-Ofenberg, Ludwig (Louis) (KWG Nr. 1448), geb. 21.12.1880 in Wolfhagen, ausgewandert am 14.2.1939 nach Kapstadt/Südafrika. Eltern: V: Kaufmann Julius Speyer-Ofenberg, Wolfhagen, Burgstr. 27; M: Friederike (Riekchen) aus Korbach. Wilhelms-Gymnasium Kassel. 1898-1900 Schüler des KWG (UII). Abgang mit dem Einjährig-Freiwilligen Zeugnis, um Kaufmann zu werden. Zunächst wohl Rückkehr nach Wolfhagen. 1904 von dort nach Wuppertal-Elberfeld verzogen. Später in Nordhausen Geschäftsführer bei Firma Tack & Co (Schuh-Haus). Wohnte mit Frau Rebecca in der Rautenstraße 8/9 und hatte mit ihr die Söhne Rolf und Hans. Für seine Integration zeugt die Tatsache, dass er Mitglied der Nordhäuser Schützen-Kompagnie war. 1925 zog die Mutter Riekchen von Wolfhagen zu ihrem Sohn nach Nordhausen (möglicherweise nach dem Tod ihres Mannes). 1928 kam ein weiterer Verwandter (vielleicht ein Neffe?) ebenfalls nach Wolfhagen. Die Bedrohung durch die Nazis veranlasste die Eltern, dem Sohn Rolf bereits 1935 eine Ausreise nach Kapstadt/Südafrika zu verschaffen, während die Eltern mit dem zweiten Sohn zunächst noch in Nordhausen blieben. Nach der Pogromnacht 1938 wurde Ludwig Speyer-Ofenberg zeitweise im KZ Buchenwald inhaftiert. Gleich nach dem Tod der Mutter Ende 1938 emigrierte er mit Frau Rebecca und vermutlich dem zweiten Sohn Hans am 14.2.1939 nach Kapstadt/Südafrika zu dem bereits dort lebenden Sohn Rolf.
Weiler, Karl Ludwig (KWG Nr. 2497), geb. 30.7.1904 in Frankfurt/Main, vermutlich Emigration in die USA, dort wohl 1988 gestorben. Eltern: V: Fritz Weiler, Kaufmann, Brakel. Die Eltern zogen (wohl noch vor dem 1. Weltkrieg?) von Frankfurt/Main nach Brakel um. Sicher trat der Vater in das Geschäft seiner dortigen Verwandten ein, die zusammen mit den Familien Heineberg und Flechtheim („Die drei Weisen“) auch noch in den 1920er Jahren der führende Landhandel für Getreide, Saaten, Dünge- und Futtermittel waren. Besuch der Rektoratsschule in Brakel. Nach dort bestandenem Abschlußexamen 1918–1922 Besuch des KWG (UII – OI). Abgang mit dem Abitur, um Kaufmann zu werden. Weitere eindeutige Informationen fehlen. Nicht sichere Hinweise sprechen dafür, dass er während des 3. Reiches emigrierte und 1988 in Baltimore (Maryland) starb.
Weiler, Kurt (KWG Nr. 2358), geb. 10.5.1901 Brakel, im Nov. 1933 nach Südafrika und dann weiter in die USA emigriert; dort im Juni 1971 verstorben. Eltern: V.: Kaufmann Hermann Weiler, Brakel; M.: Margarete (Grete, Elsbeth) Fränkel aus Höxter. Er stammte aus der Familie Weiler, die zusammen mit den Heinebergs und den Flechtheims („Die drei Weisen“) in den Jahren der Weimarer Republik den Getreidehandel in der Gegend dominierten. Besuchte nach einer Volksschule die Rektoratsschule Brakel. Dann 1915–1917 Schüler des KWG (UII – OII) und Erwerb des Einjährig-Freiwilligen Zeugnisses. Abgang wegen Nicht-Versetzung an eine andere Schule. Er wurde Konzertsänger (Bassbariton), war Schüler des Bassisten Albert Fischer und studierte unter anderem in Rom. Er sang unter Walter, Klemperer, Scherchen, Reger und war befreundet mit dem Komponisten Ottorino Respighi. In den 1920/30er Jahren lebte er mit Unterbrechungen in Berlin. Im November 1933 gab er seine Adresse in Brakel auf, um endgültig nach Berlin zu gehen, von wo er dann zunächst nach Johannisburg/Südafrika und von dort weiter in die USA emigrierte. Dort 1971 in Fairfield/Connecticut gestorben.
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