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Udo Thörner: Auswanderersuche in Buffalo, USA

Wenn man Städte in den USA aufzählen soll, die im 19. Jahrhundert für viele deutsche Einwanderer zur neuen Heimat wurden, fallen einem in erster Linie Metropolen wie Chicago, Minneapolis, St. Louis, New York und natürlich Cincinnati ein. Letztere wurde zur „Hauptstadt“ der Auswanderer aus dem Osnabrücker Land, weil schätzungsweise ein Drittel oder mehr in dieser Stadt ansässig wurden oder zumindest zeitweise dort lebten.

Weniger im Rampenlicht der Betrachtungen von Auswanderungsforschern steht hingegen die Stadt Buffalo am Eriesee im Staat New York, die meine Frau und ich im Oktober 2005 besuchten. Buffalo war für die meisten Einwanderer nur Zwischenstation auf ihrer Reise nach Westen. Die wenigsten blieben in der Hafenstadt „hängen“. Ohnehin verliefen die großen Einwandererströme weiter südlich: vom in den 30er bis 50er Jahren wichtigsten Einwandererhafen Baltimore über die Appallachen, anfangs zu Fuß, später über das kombinierte Kanal- und Eisenbahnnetz, weiter nach Westen auf Cincinnati zu.

Wer hingegen mit dem Auswandererschiff in New York ankam, dem bot sich eine interessante Alternative zur strapaziösen Reise durch und über die Berge, wenn sie auch länger war: mit dem Boot fuhr man den Hudson-Fluß aufwärts nach Norden bis zur Stadt Albany; von dort führte der 1825 fertiggestellte, 550 Kilometer lange Eriekanal Richtung Westen bis nach Buffalo am Eriesee. Auf dem Eriesee ging die Reise weiter nach Ohio zu einem der Endpunkte am Südufer des Binnenmeers, z. B. Cleveland (im Nordosten des Staates Ohio), Sandusky oder Toledo (im Nordwesten). Von hier führten Kanäle in das Landesinnere. Wer wollte, konnte über diese Verbindungen auch nach Cincinnati gelangen.

Durch seine Knotenfunktion als Endpunkt des Eriekanals und Hafenstadt am Eriesee gelangte Buffalo in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu wirtschaftlicher Blüte. Buffalo wurde zu einer bedeutenden Industriestadt. In dem Maße, wie die Schiffahrt auf dem Eriesee ihre Bedeutung verlor und die traditionellen Industrien ebenfalls, sank ab der Mitte des 20. Jahrhunderts auch der Stern Buffalos. Heute ist es eine sterbende Stadt; im Stadtzentrum – die Amerikaner nennen die Innenstadtbezirke, also die historischen Kerne „Downtown“ – sind in den letzten Jahrzehnten kaum noch Neubauten entstanden und viele Büros sowie die Hälfte der Geschäfte stehen leer. Die wenigen Restaurants schließen schon am späten Nachmittag. Es gibt mehr Parkhäuser, und sie stehen in scharfer Konkurrenz um ihre Kunden, die Bank- und Verwaltungsangestellten, die nach Feierabend Downtown wieder verlassen.

Man sieht es den Passanten in der Innenstadt an, daß es ihnen finanziell nicht gut geht. Außerhalb von Downtown hat Buffalo viele Stadtbezirke, in denen einem als Besucher die Armut sofort ins Auge springt. Viele Menschen leben zwar in Einfamilienhäusern, diese verfallen jedoch zusehends bis zur Unbewohnbarkeit. Infolge der fehlenden Steuereinnahmen geht es auch der Stadt Buffalo, deren Verwaltung in einem Hochhaus aus den 30er Jahren untergebracht ist, und auch dem Landkreis Erie County, zu dem Buffalo gehört, nicht gut. Im öffentlichen Dienst wird viel gespart, was man als Bibliotheks- und Archivbesucher an verkürzten Öffnungszeiten zu spüren bekommt.

Dennoch ist der Service in der „Public Library“, der öffentlichen Bibliothek, ausgezeichnet. Als deutscher Besucher ist man überall in Amerika erstaunt darüber, daß man auch in öffentlichen Einrichtungen wie ein Kunde behandelt wird, geradezu so, als wollten die Bibliotheksangestellten einem etwas verkaufen. Und zu „verkaufen“ haben sie in Buffalo sehr viel: wenn ein Auswanderer aus dem Osnabrücker Land in Buffalo gelebt hat, wird man über ihn auch etwas finden. Die Auswahl an Quellen reicht über microverfilmte Kirchenbücher und Friedhofsverzeichnisse, Indices hierzu, Adreßbücher, Familiengeschichten, Bibliographien, Volkszählungslisten und Atlanten bis hin zu wohlgehüteten Zeitungsausschnittsammlungen, die ebenfalls über einen Namensindex zugänglich sind. Mehrere Computerarbeitsplätze mit Internetanschluß gehören in jeder amerikanischen Bibliothek zur Standardausstattung.

Häufig sind – wie auch in Buffalo – die Bestände der örtlichen genealogischen Vereine den lokalgeschichtlichen Abteilungen der Bibliotheken angegliedert, so daß man als Familienforscher nur eine Anlaufstelle benötigt. In den genealogischen Abteilungen der Bibliotheken herrscht den ganzen Tag über reger Betrieb, denn etwa 10% der Amerikaner beschäftigen sich mit der Geschichte ihrer Familie. Daran, daß sich amerikanische Kultur und amerikanisches Denken von unserem unterscheiden, wird man schon beim Betreten einer Bibliothek erinnert (so erlebten wir es in St. Louis und in Kansas City): Ein Schild an der Eingangstür weist darauf hin, daß man seine Schußwaffen nicht mit hineinnehmen darf. Wie gut, daß wir unsere diesmal zuhause gelassen hatten... Hat man die Daten zu den gesuchten Auswanderern gefunden, lohnt sich immer auch ein Besuch auf den riesigen städtischen Friedhöfen, auf denen viele Grabsteine des 19. Jahrhundert noch zu finden sind. Die Friedhofsverwaltung hilft dem Familienforscher bei der Lokalisierung der Grabstellen.

Die Reise nach Buffalo läßt sich gut verbinden mit einem Besuch der Niagara-Fälle, die nur eine Stunde von hier entfernt sind. Nach einer weiteren Stunde Autofahrt auf der ältesten kanadischen Autobahn, dem „Queen-Elizabeth-Way“, erreicht man die Metropole Toronto, von der Interkontinentalflüge zu allen großen europäischen Flughäfen gehen.

 

Einträge mit Osnabrücker Namen im Kirchenbuch der
Deutschen Lutherischen Dreifaltigkeitskirche (Holy Trinity), Buffalo, New York:

Becker Bohmte 
Becker geb. Wehrmann Bohmte 
Berner, Johann Heinrich Bomte (Bohmte) 
Bockstedt Neuenkirchen bei Melle 
Borchard Ueffeln 
Dunkhorst, Friedrich Heinrich Bomte (Bohmte) 
Fraumann, Gerhard Heinrich Belm 
Hackmann (Hachmann) Lengerich 
Hackmann (Hachmann), Friedrich Wilhelm  aus dem Osnabrückischen 
Havekotte, Marie Henriette Venne 
Havekotte verw. Fraumann Venne 
Kahmann Neuenkirchen bei Melle 
Ledebur geb. Meyer... Neuenkirchen bei Osnabrück 
Lester geb. Vosbrink Amt Bessenbrügge (Bersenbrück) 
Maerz (Metzner) Venne 
Mühlenkamp (Möhlenkamp) Gaste bei Osnabrück 
Niehaus, Johann Hermann Osnabrück 
Nieman(d), Johann Andreas Bomte (Bohmte) 
Nieman(d) geb. Lünebring, Christine Marie Bomte (Bohmte) 
Ohnesorge Osnabrück St. Katharinen 
Otte(n), Franziska Neuenkirchen bei Osnabrück 
Peter, Christian Heinrich Venne 
Peter, Johann Gerhard Venne 
Peter, Johann Friedrich Venne 
Peter geb. Peters(chlingmann), Anne Marie Venne 
Pellmann, Franz Heinrich Neuenkirchen bei Melle 
Pellmann, Margrethe Elisabeth Neuenkirchen bei Melle 
Rose Neuenkirchen bei Melle 
Schmidt, Heinrich Wilhelm Neuenkirchen bei Melle 
Strubbe, Johann Friedrich Huxelort, Engter 
Strubbe geb. Havekotte, Marie Henriette Venne 
Tepe Venne 
Tepe geb. Timmermann Engter 
Thelmann Rabber (Ksp. Essen) 
Topp Ueffeln 
von der Becke, Sarah Marie Elise Engter 
Wellner Bomte (Bohmte) 
Wessel Lotte 
Wiebusch Gaste 
Wissmann Vehrte, Ksp. Belm