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Das kleine große Dorf Mundelein und sein berühmter Namensgeber

Das Jubiläum eines Ortes in Illinois und ein Kardinal, dessen Vorfahren aus Westfalen stammen

Von Wolfgang Stüken (Stand: 16.1.2010)



Das Logo zum Jubiläums- jahr von Mundelein.
Foto: Village of Mundelein, Illinois (USA)

Ein 100-jähriges Ortsjubiläum ist in Europa nichts Ungewöhnliches und auch in den USA keine Seltenheit. Dass sich ein Ort mit 34.000 Einwohnern noch immer Dorf nennt, dagegen schon. Dass dieses Dorf im Laufe seiner 100-jährigen Geschichte nicht weniger als fünf Mal seinen Namen gewechselt hat, dürfte ziemlich einmalig sein. Bei Mundelein, das im Nordwesten des Großraums Chicago liegt, ist das der Fall. Mit dem Namen Nummer fünf ist der Ort offenbar zufrieden. Den trägt das nach einem Nachfahren westfälischer Einwanderer benannte Mundelein immerhin schon seit 85 Jahren. [1]

Den ersten Siedler, der hier ein Blockhaus errichtet, verschlägt es 1835 in diese Gegend. Peter Shaddle ist sein Name. Schon um 1650 hatten hier französische Pelzhändler ihre Geschäfte mit Indianern vom Stamme der Potowatami gemacht. Dem Siedler Peter Shaddle folgt eine Gruppe englischer Einwanderer. Sie nennen den Flecken Mechanics Grove, errichten eine Schule und eine Kirche.

Die Siedlung wächst. Ein Landbesitzer namens John Holcomb, der große Flächen ankauft, wird treibende Kraft der Dorfentwicklung. Die Bewohner von Mechanics Grove beschließen, ihren Ort nach diesem Mann zu benennen. Aus Mechanics Grove wird Holcomb.

Holcomb erhält eine Post, und bald folgt eine Bahnstation. Den Fortschritt, den das neue Verkehrsmittel Eisenbahn ihrem Ort bringt, würdigen die Bewohner mit der nächsten Namensänderung: Ab Februar 1909 heißt Holcomb Rockefeller – benannt nach William Avery Rockefeller jr. (1841-1922), dem Bruder und Geschäftspartner des Öl-Magnaten Johan Davison Rockefeller (1839-1937). William Rockefeller war unter anderem im Eisenbahngeschäft tätig. Einmal soll er einen Zug, mit dem er auf Reisen war, bei der Durchfahrt mitten in Rockefeller gestoppt haben, um die nach ihm benannte Ortschaft näher in Augenschein zu nehmen. Doch diese Geschichte ist nur als Gerücht überliefert. Kein Gerücht: 1909 ist auch das Jahr, in dem der US-Bundesstaat Illinois diesem Dorf Rockefeller den offiziellen Status einer Gemeinde verleiht. Daran erinnert das 100-jährige Ortsjubiläum, das 2009 gefeiert wird.

Der Typus eines frühen Dale Carnegie


Der Erzbischof von Chicago, George William Mundelein. Das Bild ist zwischen 1916 und 1918 entstanden.
Foto: John Laveccha (Chicago).
Reproduktion: Stüken

1909 zählt das Dorf etwa 500 Einwohner. Der Name Rockefeller sorgt für weiteren Aufschwung. Neue Läden werden eröffnet und Hotels. Aber schon nach wenigen Monaten, im Juli 1909, meinen die Bürger von Rockefeller, es sei Zeit für ein weiteres „changing of the name“. Denn nun etabliert ein Mann namens Arthur Sheldon, der Typus eines frühen Dale Carnegie („Positiv Denken“), in dem kleinen Ort mit viel Elan und einer Menge Enthusiasmus ein Institut, das ganz neue Verkaufstechniken vermitteln will. Was damals nicht selbstverständlich ist: Diese Ausbildung ist auch für Frauen offen.

Aus den Anfangsbuchstaben der Sheldon-Leitworte „Ability, Reliability, Endurance and Action“ (Fähigkeit, Zuverlässigkeit, Ausdauer und Aktion) formen die Leute von Rockefeller den neuen Ortsnamen – „Area“. Zu diesem Kunstwort als Ortsnamen stehen die Bürger mit einiger Ausdauer länger als ein Jahrzehnt. Das Schulungs-Unternehmen aber gerät mit der Zeit in finanzielle Schieflage. Bald danach steht die Sheldon Business School vor dem Aus.

Doch was zunächst nach einem herben Rückschlag für die Entwicklung des Ortes aussieht, erweist sich rasch als Glücksfall. Der Erzbischof von Chicago, George William Mundelein (1872-1939), findet Gefallen an Sheldon‘s großem Schul-Areal, das abgeschieden an einem sumpfigen See liegt, und erwirbt das Gelände im Jahre 1917. Angrenzendes Farmland wird im Jahr darauf hinzugekauft – nun ist es ein stattlicher Besitz von fast 400 Hektar Größe. Es ist ein idealer Standort, um eine Idee, die George William Mundelein seit seinem Amtsantritt als Erzbischof von Chicago umtreibt, in die Tat umzusetzen: Für 12 Millionen Dollar lässt Mundelein hier, 60 Kilometer entfernt vom Chicagoer Stadtkern, im Baustil der amerikanischen Neo-Klassik ein Ensemble von Gebäuden als großes Hauptseminar für die Ausbildung von Theologen errichten. Baubeginn ist 1920. Weil das erste Priesterseminar des Mittleren Westens an einem See liegt, erhält der Campus den Namen Seminary St. Mary of the Lake. Das Haus für den Bischof, das George William Mundelein in das große Parkgelände bauen lässt, ist – nicht ganz unbescheiden – dem in Virginia gelegenen Gutshaus „Mount Vernon“ des ersten US-Präsidenten George Washington (1732-1799) nachempfunden.



Drei der Seminargebäude von St. Mary of the Lake im Jubiläumsjahr 2009.
Dahinter die Kirche.
Foto: Stüken

Ein sehr profanes Dankgeschenk

Und die Bewohner von Area befinden, es sei Zeit für einen neuen Ortsnamen. Zu Ehren des Bauherrn des Seminars, der im März 1924 vom Papst in den Rang eines Kardinals erhoben wird, taufen sie Area vier Monate später in Mundelein um. Der Chicagoer Purpurträger, als erster Kardinal der katholischen Kirche westlich des Appalachen-Gebirges unverzüglich mit den Beinamen „Der erste Kardinal des Westens“ oder „Der erste Rothut des Westens“ bedacht, ist begeistert – und macht der Gemeinde am 18. Juli 1924 im Beisein des Gouverneurs von Illinois ein sehr profanes Dank-Geschenk: Für die geplante Neuorganisation der Feuerwehr von Mundelein stiftet der Kardinal ein Feuerwehrauto, einen nagelneuen Stoughton. Nicht ganz uneigennützig: Mit dem modernen Fahrzeug, das eine alte Handspritze ablöst, ist auch für seine Millionen-Investition, das erzbischöfliche Seminar St. Mary of the Lake, ein deutlich verbesserter Brandschutz garantiert.




Gründlicher Test: Bevor das Geschenk des Kardinals an die Feuerwehr von Mundelein ausgeliefert wird, prüfen Profis der Feuerwehr von Chicago am Navy-Pier der Stadt am Michigan-See gründlich die Funktionstüchtigkeit der Wasserpumpen des Stoughton. Das hat Kardinal Mundelein mit der Herstellerfirma des Feuerwehrautos so vereinbart.
Foto: Feehan-Library, University of St. Mary of the Lake, Mundelein, Illinois (USA). Reproduktion: Stüken

Das vom Kardinal gestiftete Löschfahrzeug ist bis 1945 im Einsatz und geht als „Old Number One“ in die Feuerwehr-Geschichte von Mundelein ein. Auf Umwegen über diverse Sammler kehrt die 1946 verkaufte „Old Number One“, vor einer Schrottpresse gerettet, 1994 aus dem Bundesstaat Maryland nach Mundelein zurück. 14 einsame Jahre steht sie danach in der Garage eines im Ruhestand lebenden Feuerwehrmannes. Nun kommt der Stoughton zu neuen Ehren: Noch im Laufe des 100-jährigen Ortsjubiläums soll die „Old Number One“, in altem Glanz restauriert, ein Schmuckstück des Mundelein Fire Departments und des ganzen Ortes werden. Die „Old Number One“ ist nicht zu verwechseln mit dem Autokennzeichen „Illinois 1“. Dieses Nummernschild reserviert der Bundesstaat Illinois nicht etwa für seinen ranghöchsten Politiker, den Gouverneur, sondern er erweist mit diesem Kennzeichen dem Chicagoer Erzbischof und Kardinal seine Reverenz.

Noch eine Anschaffung, die mit dem Namensgeber von Mundelein zu tun hat, erlebt im Jubiläumsjahr einen großen Auftritt: Eine wertvolle Howell-Wurlitzer Theater-Orgel. George William Mundelein erwirbt sie 1931 vom Chicagoer Theater und lässt sie in das Auditorium des Seminars in Mundelein einbauen. Dieser Saal wird in weitem Umkreis für seine phänomenale Akustik gerühmt. Die Orgel ist 2009 bei einem festlichen Jubiläumskonzert, zu dem die 100-jährige Gemeinde und die „University St. Mary of the Lake“ gemeinsam einladen, zu hören. Dort erklingen keineswegs nur klassische Werke und andachtsvolle Kirchenmusik. Die alte Howell-Wurlitzer liebt ganz besonders die Noten vom Broadway.




Geschenk des Kardinals: Das alte Stoughton wird im Jubiläumsjahr 2009 restauriert und bald als schmucker Feuerwehr-Oldtimer die Blicke auf sich lenken.
Foto: Village of Mundelein, Illinois (USA)

Westfälische Wurzeln

George William Mundelein ist ein Kind der Großstadt New York. Als Sohn von Franz Nikolaus Mundelein und dessen Ehefrau Maria Goetze wird er dort am 2. Juli 1872 geboren. Er hat zwei Schwestern.

Sein Großvater väterlicherseits, der aus Altenbüren bei Brilon stammende Tischler Franz Theodor Mündelein (1804-1850), wandert vermutlich Anfang der 1830er Jahre aus Paderborn nach New York aus. Seine Ehefrau Anna Maria, geb. Engemann (1809-1871), stammt aus Ossendorf bei Warburg. Nach einer von Therese Mündelein (1883-1971) über eine Reihe von Jahren geführten, handschriftlich verfassten, mit Zeitungsausschnitten ergänzten Chronik „Familiengeschichte der Familie Mündelein in Paderborn“ [2] heiratete Franz Theodor Mündelein „eine geborene Engemann aus Ossendorf (Kreis Warburg) und wanderte mit dieser nach Amerika aus“. Nicht völlig auszuschließen ist allerdings, dass sich beide erst in New York kennen lernen und erst dort heiraten.

In Paderborn hat Franz Theodors acht Jahre älterer Bruder Josef Anton eine Kunsttischlerei eröffnet. Der 1796 geborene Bruder des Auswanderers heiratet 1823 die aus Paderborn stammende Gertrud Backhaus. Dieses Ehepaar begründet den Paderborner Familienzweig der Mündelein-Sippe. Aus diesem Paderborner Mündelein-Ast gehen später unter anderem der bekannte Architekt und Kirchenbaumeister Franz Mündelein (1857-1926), der Bildhauer Ferdinand Mündelein (1861-1933), der Kirchen- und Kunstmaler Hans Mündelein (1870-1909) und der geistliche Studienrat Professor Eberhard Mündelein (1886-1936) hervor, ebenso die oben erwähnte Familien-Chronistin Therese Mündelein.

Unter den Goldsuchern am australischen Bendigo-Fluss


Stifter des Rom-Stipendiums: Heinrich Backhaus (1812-1882).
Reproduktion: Stüken

Aber auch die Paderborner Familie Backhaus ist für die Biografie von George William Mundelein von großer Bedeutung. Seine Paderborner Großtante Gertrud Mündelein ist eine Tochter des Paderborner Schusters Anton Backhaus.

Mit seiner ersten Ehefrau, der aus Rüthen stammenden Gertrudis Rustemeyer, hat Anton Backhaus zwei Söhne und zwei Töchter (die oben erwähnte Tochter Gertrud Backhaus ist das zweitälteste Kind). Wenige Jahre nach dem Tod seiner Frau (1809) heiratet Anton Backhaus erneut. Aus dieser zweiten Ehe mit der aus Henglarn stammenden Margarete Leifeld gehen weitere fünf Backhaus-Kinder hervor. Der älteste Sohn dieser zweiten Ehe ist der 1812 in Paderborn geborene Heinrich Backhaus. [3] Er studiert in Würzburg und Rom und wird 1836 in der „Ewigen Stadt“ zum Priester geweiht. Von Rom geht er als Missionar zunächst nach Bengalen in das Gebiet der heutigen indischen Republik Westbengalen und von dort 1846 weiter nach Australien. Dort wirkt der Halbbruder Gertrud Mündeleins unter anderem als Seelsorger für die Goldsucher am Bendigo-Fluss im nördlichen Victoria. Zwei Jahrzehnte lang ist er in dieser Gegend der einzige katholische Priester. Zwei Kirchen, die Backhaus auf dem fünften Kontinent gründet, benennt er nach Heiligen, die Patrone des Domes seiner Heimatstadt Paderborn sind: St. Kilian in Sandhurst, das früher Bendigo hieß, und St. Liborius in Eaglehawk. St. Kilian ist auch Patron der nordbayrischen Bistumsstadt Würzburg. Dort hat Backhaus 1831 sein Studium begonnen.

Als Sandhurst 1874 Sitz der neuen, von Melbourne abgeteilten Diözese Sandhurst wird, fungiert der aus Paderborn stammenden Pionier-Priester Heinrich Backhaus als deren Generalvikar. Sein Kontakt in seine deutsche Heimat reißt nicht ab: Zweimal, 1841 und 1863, stattet der Missionar Paderborn einen Besuch ab, und für die 1857 eingeweihte St.-Kilian-Kirche in Sandhurst stiftet er eine Orgel, die er im fernen Paderborn bauen lässt.

Heinrich Backhaus lebt bescheiden, ist aber ein Priester mit sehr ausgeprägtem Geschäftssinn. Davon profitieren nicht zuletzt seine Gemeinden, denen er Grundstücke für den Kirch- und Schulbau zur Verfügung stellt und deren Bauvorhaben er selbst mit namhaften Geldbeträgen fördert. Backhaus hinterlässt bei seinem Tod 1882 einen stattlichen Immobilienbesitz. Unter anderem gehören ihm 260 Hektar Ackerland in der Nähe von Rochester. Die Erträge dieser Flächen, so hat er zu Lebzeiten festgelegt, sollen nach Rom an das Kolleg der Propaganda Fide, die Universität der päpstlichen Kongregation für die Evangelisierung der Völker, fließen. Dort hat Heinrich Backhaus von 1832 bis zu seiner Promotion zum Doktor der Theologie und seiner Priesterweihe 1836 studiert. Das auf den Äckern von Rochester erwirtschaftete Geld, so hat Backhaus bestimmt, soll – vermutlich im Wechsel – jeweils einem angehenden Priester der beiden australischen Diözesen Melbourne und Sandhurst und seiner deutschen Heimatdiözese Paderborn das Studium in Rom ermöglichen.

Heinrich Backhaus stirbt am 7. September 1882 in Sandhurst. Zehn Jahre zuvor hat im New Yorker Stadtteil Manhattan an der Lower East Side George William Mundelein das Licht der Welt erblickt. Auf irgend einem Wege müssen Informationen über das Backhaus-Stipendium aus dem entfernten Australien nach New York gelangt sein. Vielleicht über die Familien Mündelein und Backhaus in Paderborn, vielleicht aber auch auf direktem Wege von Australien in die USA; denn ein Sohn von Josef Anton und Gertrud Mündelein, der 1828 in Paderborn geborene Theodor Anton Mündelein, folgt mit 20 Jahren seinem Halb-Onkel Heinrich Backhaus nach Australien, tritt als Mitarbeiter in die Dienste des Seelsorgers und gründet 1850 in Australien eine eigene Familie. Franz Theodor Mündelein, der spätere Amerika-Auswanderer, war 1828 in Paderborn der Taufpate dieses Theodor Anton Mündelein. Gut vorstellbar, dass die australischen Mündeleins – Franz Theodor und seine Frau Elisabeth, geb. Gallagher, die er 1850 heiratete, hatten mehrere Kinder – brieflichen Kontakt zu den New Yorker Verwandten pflegten.

Auf der Schattenseite von Luxus und Wohlstand

George William Mundeleins Großvater versucht nach seiner Einwanderung an der Lower East Side von Manhattan sein Glück als Ladenbesitzer. Später bietet er seine Dienste als Tischler an. Es ist ein Leben in bescheidenen Verhältnissen. Die vier Söhne der Paderborner Einwanderer Franz Theodor und Anna Maria Mündelein werden zwischen 1837 und 1843 in New York geboren und in der St. Nikolaus-Kirche an der Zweiten Straße getauft. St. Nikolaus ist die erste deutsche Kirche in der Diözese New York, nach anderen Quellen sogar die erste katholische deutsche Kirche der gesamten Ostküste der USA.

Die beiden jüngsten Kinder der beiden Einwanderer aus Paderborn sind Zwillinge: Nikolaus Franz, bei dessen Namensgebung sicher der Kirchenpatron eine Rolle spielt, und Joseph werden am 18. April 1843 geboren und fünf Tage später in St. Nikolaus getauft. Nikolaus Franz, der später nur Franz genannt wird, gründet einen Fuhrbetrieb, verlegt sich dann aber auf das Metier seines Vaters und wird Ladenbesitzer. Franz Mündelein heiratet Maria Goetze. Die über sie überlieferten Informationen sind spärlich. Nach Angaben des Magazins Time handelte es sich bei ihr um eine Irin [4] Als am 2. Juli 1872 ihr Sohn George William geboren wird (aus der Ehe gehen ferner die beiden Töchter Margaret und Anna hervor), bilden in der Lower East Side von Manhattan die rund 170.000 deutschsprachigen Immigranten eine große Bevölkerungsgruppe. Ein nördlich gelegener Bezirk der Lower East Side wird daher unter den Einwanderern auch „Kleindeutschland“ genannt. Nicht weit entfernt breitet sich „Little Italy“ aus. Immer stärker wird die Lower East Side zu einem Sammelbecken der Kulturen: Bald kommen in großer Zahl osteuropäischen Juden, und nicht viel später entwickelt sich „Chinatown“.

Ob Franz und Maria Mündelein mit ihren Kindern in „Kleindeutschland“ leben, ist nicht bekannt. Trotz ihrer deutschen Namen – sie fühlen sich offenbar als Amerikaner. In dieser Familie wird vornehmlich Englisch gesprochen. Als George William Mundelein geboren wird, sind die aus Deutschland stammenden Großeltern bereits gestorben. Es ist anzunehmen, dass schon zu dieser Zeit der deutsche Umlaut „ü“ aus dem Familiennamen verschwindet.

George William und seine Schwestern werden auf der Schattenseite von Luxus und Wohlstand groß. Wie Franz Flaskamp schreibt, lebten die Eltern „so bescheiden, dass sie den Sohn bei den mütterlichen Großeltern unterbringen mussten“ und „nur die beiden Töchter zu Hause behalten konnten“. Erst bei diesen Großeltern habe George William die deutsche Sprache kennen gelernt. [5] Unter seinen Spielkameraden in der Nähe des Elternhauses sind Kinder französischer Immigranten – daher ist die erste Fremdsprache, die er auf den Straßen der Lower East Side erlernt, nicht Deutsch, sondern Französisch.

Wie er selbst ein Sohn der Lower East Side

George William Mundelein besucht die Pfarrschule von St. Nikolaus, wird ein eifriger Messdiener. Die Eltern seiner Mutter erkennen die Fähigkeiten des herausragenden Schülers und ermöglichen ihm eine weiterführende Ausbildung am New Yorker De La Salle Institute an der Zweiten Straße und darauf aufbauend an dem 1853 gegründeten Manhattan College – beides Einrichtungen des katholischen Ordens „Brothers of the Christian Schools“, der auf den französischen Priester und Reformpädagogen John Baptist de la Salle (1651-1719) zurückgeht. Am College schließt George William Mundelein Freundschaft mit Patrick Joseph Hayes, wie er selbst ein Sohn der Lower East Side. Hayes ist knapp fünf Jahre älter und nur wenige Blocks von Mundelein entfernt als Kind irischer Einwanderer geboren. Hayes (1867-1938) wird später Erzbischof von New York und 1924, am selben Tag wie Mundelein, vom Papst in den Kardinalsstand erhoben. Dass das Manhattan College später als Schmiede für den Priesternachwuchs der katholischen Kirche von New York gilt, hat sicher auch mit diesen beiden prominenten Purpurträgern und ihrer Karriere zu tun. Als Kardinäle werden Mundelein und sein Freund Hayes am 21. Mai 1933 an der 100-Jahr-Feier der St.-Nikolaus-Pfarrei teilnehmen. [6]

George William Mundelein verlässt das Manhattan College 1889 mit dem „Bachelor of Arts“. Der 17-Jährige schlägt Angebote aus, eine Offizierslaufbahn in der US-Armee oder US-Marine einzuschlagen. Er will Priester werden. Deshalb führt sein Weg nicht in eine militärische Hochschule, sondern zur Benediktinerabtei nach Latrobe in Pennsylvania. Sie ist 1846 von dem aus dem bayrischen Kloster Metten in die USA ausgewanderten Pater Sebastian Wimmer (1809-1887, Ordensname: „Bonifaz“) gegründet worden. Im Kolleg von St. Vincent nimmt Mundelein seine theologischen und philosophischen Studien auf. Da er Weltpriester und nicht Ordensmann werden will, muss er sich bald für eine Diözese entscheiden, für die er Priester werden will. Mundelein stammt aus der Erzdiözese New York, doch er entscheidet sich für die kleinere Nachbardiözese Brooklyn auf der anderen Seite des East River. Vielleicht hat schon der Bau der vom deutschen Ingenieur Johann August Roebling geplanten New York and Brooklyn Bridge (heute: Brooklyn-Brücke), der 1869 begonnen hat, und dessen spannende Endphase er als Kind der Lower East Side sicher mitverfolgt hat, seinen Blick und sein Interesse nach Brooklyn gelenkt. Die damals längste Hängebrücke der Welt wird 1883 eröffnet. Der zehnjährige George William Mundelein, der später als einer der größten Bauherren unter Amerikas Bischöfen in die Geschichte eingehen soll, hat sicher sehr bald nach der Brücken-Freigabe den einen Cent Fußgänger-Maut gezahlt, um einmal auf dem imposanten Bauwerk den East River zu überqueren – nach Brooklyn.

Der Paderborner Platz in Rom ist frei


Das Wappen des späteren Kardinal Mundelein: Die Felder des Wappenschildes oben links (AM = Ave Maria), oben rechts (der Stern als Marien-Symbol) und unten rechts (Krone und der Begriff Humilitas = Demut als Symbole des Magnifikat) weisen Mundelein als großen Marien-Verehrer aus. Die drei Bienen unten links sind dem Wappen der italienischen Adelsfamilie Barberini entnommen. Im Barberini-Palast in Rom befanden sich Einrichtungen des Propaganda-Kollegs, an dem der Backhaus-Stipendiat George William Mundelein studierte.
Reproduktion: Stüken

Ist der 20-jährige George William Mundelein, als er sich beim Brooklyner Bischof Charles E. McDonnell zum Dienst in dessen Diözese meldet, einfach noch zu jung für die baldige Priesterweihe? Oder erkennt McDonnell die außergewöhnlichen Fähigkeiten dieses Studenten, die für eine tiefer fundierte theologische Ausbildung sprechen, als sie das Kolleg St. Vincent in Pennsylvania bieten kann? Zu diesem Zeitpunkt, im Jahre 1891 oder 1892, muss McDonnell von George William Mundelein selbst oder aus dessen Familie den Hinweis auf die Studienstiftung des Australien-Missionars Heinrich Backhaus für das Propaganda-Kolleg in Rom bekommen haben. Der Bischof von Brooklyn fragt bei seinem Paderborner Amtsbruder Hubertus Simar (1835-1902, ab 1892 Bischof von Paderborn, ab 1899 Erzbischof von Köln) an, ob möglicherweise der Paderborner Platz des Backhaus-Stipendiums besetzt werden könne. Der Platz ist frei, Simar hat keine Einwände, und George William Mundelein, der Nachfahre Paderborner Auswanderer, kann den von einem entfernt mit ihm verwandten Paderborner Auswanderer gestifteten Studienplatz in Rom übernehmen.

Der Bischof von Brooklyn hat mit diesem Priesteramtskandidaten George William Mundelein offenbar Größeres im Sinn. McDonnell reist 1895 nach Rom und nimmt die Priesterweihe Mundeleins am 8. Juni persönlich vor. Bald danach ernennt McDonnell Mundelein zu seinem Sekretär. Bereits zwei Jahre darauf, 1897, wird Mundelein Kanzler der Diözese Brooklyn. Er übernimmt damit eine wichtige Leitungsfunktion. 1906 ernennt ihn der Papst zum Prälaten. Es gibt nicht viele Priester, denen in so jungen Jahren – Mundelein ist 34 – bereits der Ehrentitel „Monsignore“ verliehen wird. 1909 erhält Brooklyn, die 1853 gegründete „Diözese der Immigranten“, ihren ersten Weihbischof. Sein Name: George William Mundelein. Die Bischofsweihe empfängt er am 21. September 1909.

Gut sechs Jahre später, am Abend des 29. November 1915, betätigt ein Reporter der New York Times die Türglocke am Haus des Brooklyner Weihbischofs in der Vanderbilt Avenue 296: Was er dazu sage, dass der Papst ihn zum neuen Erzbischof von Chicago ernennen wolle, erkundigt sich der Zeitungsmann. Mundelein ist überrascht. Ihn habe eine solche Nachricht aus dem Vatikan bisher nicht erreicht, antwortet er dem Reporter. Was er nicht sagt: Eigentlich ist Mundelein als aussichtsreicher Kandidat für den seit Mai 1915 verwaisten Bischofsstuhl der – kleineren – Diözese Buffalo gehandelt worden. Doch diese Diözese grenzt an Kanada, und Kanada kämpft auf der Seite Englands im Ersten Weltkrieg gegen Deutschland. Entweder von Seiten der kanadischen Regierung oder aus London soll dem Vatikan mehr oder weniger deutlich zu verstehen gegeben worden sein, dass man keinen Prälaten „feindlicher“ Herkunft als Bischof an der Grenze Kanadas wünsche. Der Vatikan soll daraufhin umdisponiert und den eigentlich für Chicago vorgesehenen Denis Dougherty zum Bischof von Buffalo ernannt und stattdessen den für Buffalo vorgemerkten George William Mundelein nach Chicago geschickt haben. Offiziell aus Rom bestätigt ist diese Geschichte, die Mundelein später selbst erzählt haben soll, allerdings nicht. [7]

Bleiche Gesichter beim „Poison Banquet“

James Edward Quigley (Jahrgang 1854, Oberhaupt der Erzdiözese Chicago seit 1903 und zuvor, von 1897 bis 1903, Bischof von Buffalo) ist im Juli 1915 gestorben. Die offizielle Ernennung Mundeleins zum Nachfolger Quigley‘s durch den Papst erfolgt am 7. Dezember 1915. Mit 43 Jahren ist Mundelein der jüngste Erzbischof der USA, und die Erzdiözese, deren Leitung er übernehmen soll, zählt mit mehr als einer Million Katholiken zu den drei größten Bistümern der Vereinigten Staaten. Mundelein hat Chicago noch nie zuvor besucht. „Ich habe nie daran gedacht, jemals von Brooklyn getrennt zu werden – es sei denn durch Tod“, verabschiedet er sich am 31. Januar 1916 aus seiner bisherigen Diözese. Der scheidende Weihbischof von Brooklyn sagt dies, ohne zu wissen, dass der Tod gar nicht weit ist.

Die Amtsübernahme in Chicago wird zu einem Ereignis, das weit über die damals zweitgrößte Stadt der USA hinaus für Schlagzeilen sorgt: Am 10. Februar 1916, dem Tag nach der offiziellen Installation Mundeleins als neuer Erzbischof, versucht der aus dem Elsass stammende Koch Jean Crones, der, wie sich später herausstellt, einer anarchistischen Gruppe angehört, mit einem Gift-Attentat die fast 300 Gäste eines festlichen Bankettes zu Ehren des neuen Erzbischofs zu ermorden. Die Festgesellschaft hat sich im Saal des Universitäts-Clubs von Chicago versammelt. Eine hochrangige Runde. Es handelt sich um Repräsentanten aus Politik, Justiz und Wirtschaft der Großstadt am Michigansee sowie Vertreter der katholischen Kirche aus mehreren Bundesstaaten der USA, darunter eine stattliche Zahl aus Mundeleins bisheriger Diözese Brooklyn. Ihr Glück ist, dass dem Chefkellner des Clubs, der morgens die Küche inspiziert, die Farbe der bereits zubereiteten Suppe nicht gefällt. Ohne zu ahnen, dass sie vergiftet sein könnte, ordnet er an, die Suppe in vier der fünf Kessel durch neu zubereitete Suppe zu ersetzen. So erhalten die Gäste schließlich nur ein Fünftel der vom Attentäter geplanten Dosis. Der verdünnte Gift-Mix verliert seine tödliche Wirkung. Aber viele Teilnehmer des Festessens, das als „Poison Banquet“ in die Geschichte eingeht, werden von üblen Magenproblemen gequält. Nicht der neue Erzbischof: Als gefragtester Gesprächspartner dieses Abends bleibt ihm nur wenig Zeit zum Essen. Als ihm die Suppe serviert werden soll, winkt Mundelein ab. Als der zweite Gang an die Reihe kommt, zeigen bereits mehr als die Hälfte der Gäste mit bleichen Gesichtern Anzeichen akuter gesundheitlicher Probleme.

Am Tag zwei seiner Amtszeit ein Attentat überlebt – das macht mächtig Eindruck nicht nur auf die katholische Bevölkerung von Chicago und Umgebung. Hätte es schon damals eine durch Meinungsumfragen ermittelte Popularitätsskala gegeben, wäre mit Erzbischof George William Mundelein vielleicht schon anno 1916 der Begriff des Senkrechtstarters erfunden worden. Francis Clement Kelley (1870-1949), seit 1924 Bischof von Oklahoma City, ist Teilnehmer des „Poison Banquet“. Er erinnert in seinen Memoiren an das enorme Echo, das dieses Ereignis in den Medien findet: „Am Morgen des 9. Februar 1916 kannte nur Chicago den Namen Mundelein, aber am nächsten Morgen kannte ihn die ganze Welt.“ [8] Chicago beginnt, den Erzbischof, dessen Amtseinführung so viele Schlagzeilen macht, zu bewundern und zu verehren. Beim Willkommens-Bankett hätten 150 prominente Bürger von der vergifteten Suppe gegessen, erinnert einige Jahre später das Nachrichtenmagazin „Time“ an das Attentat und fügt hinzu, beim nächsten Bankett sei Erzbischof Mundelein der erste gewesen, der Suppe geordert habe. [9]

In der katholischen Kirche von Chicago brechen neue Zeiten an. Er unterscheide sich von seinem Vorgänger, macht Mundelein gleich am Tag der Amtsübernahme bei einem Empfang für den Klerus seines Erzbistums deutlich, Gott habe ihm eine andere Ausprägung gegeben. Vielleicht habe er die Gabe, ein Problem schneller zu erfassen, deutet er an und ergänzt, wahrscheinlich handele er auch schneller.

Der Lebensstil der feinen Art

Sein Talent als Organisator, das er schon in Brooklyn unter Beweis gestellt hat, ist für Mundelein an der Spitze der Erzdiözese von Chicago von ebenso großem Nutzen wie die Erfahrungen, die er bei diversen Bauvorhaben des Bistums Brooklyn und der Einwerbung finanzieller Unterstützung für kirchliche Zwecke gesammelt hat. Der neue Erzbischof von Chicago wird ein großer Bauherr. In dem Land, das keine Kirchensteuern kennt, beschreitet er eigene Wege, Spenden und Spender zu gewinnen. Es ist nicht die Rolle des Bittstellers. Im Blick auf gut betuchte Sponsoren aus Wirtschaft und Finanzwelt – und er gewinnt keineswegs nur katholische – entwickelt Mundelein einen persönlichen Lebensstil der feinen, gehobenen Art, der diese Eliten beeindruckt und der Erzdiözese Chicago namhafte finanzielle Zuwendungen sichert. Es ist ein Stil, den Mundelein‘s Biograph Edward R. Kantowicz als „going first class“ beschreibt [10]. Otmar Allendorf nennt dieses Mundelein-Prinzip ,,Klotzen, nicht kleckern.“ [11]

Mit Mundelein steht eine Persönlichkeit mit großem Einfluss und Durchsetzungsvermögen an der Spitze der katholischen Kirche von Chicago. Sein heutiger Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Chicago, Francis Kardinal George OMI (Jahrgang 1937, Erzbischof seit 1997), schreibt im Jahre 2000 in seiner Bistumszeitung eine Kolumne über George William Mundelein. Dessen Wahlspruch als Bischof „Dominus adjutor meus“ (Gott ist mein Helfer) sei damals von freundlichen Zynikern, an denen es in Chicago nicht mangele, in dieser Weise übersetzt worden: „Gott ist mein Assistent.“ [12]

Wie seine frühere Diözese Brooklyn ist Chicago ein Erzbistum, in dem Einwanderer vieler Nationalitäten neue kirchliche Heimat suchen. Mundeleins Amtsvorgänger in der Stadt am Michigan-See, Erzbischof James Edward Quigley, hat bereitwillig den Wünschen ethnischer Gruppen stattgegeben, selbst in kleineren Wohnbezirken neue katholische Kirchen und Pfarreien zu etablieren und diese Gemeinden an der jeweiligen Muttersprache der dort lebenden Immigranten auszurichten. Als Mundelein 1916 sein Amt als Erzbischof übernimmt, gibt es in der Großstadt Chicago 93 englischsprachige, zumeist stark von irischen Einwanderern geprägte Pfarrgemeinden, gefolgt von 35 deutschen, 34 polnischen, 11 italienischen, jeweils neun böhmischen und litauischen sowie 7 slowakischen Pfarreien. Mundelein kann die von seinem Vorgänger begonnene Entwicklung nicht rückgängig machen, aber er bremst diesen Trend deutlich ab. Als amerikanischer Bischof setzt er auf amerikanische Pfarrgemeinden. Er will integrieren und – durchaus auch aus Kosten-Gesichtspunkten – eine weitere ethnische Aufsplitterung seiner Erzdiözese (und seines Klerus) verhindern.

Vor diesem Hintergrund erscheint es verständlich, dass George William Mundelein nicht allzu häufig daran erinnert, dass er selbst ein Nachfahre von Einwanderern ist. Am 24. September 1916 aber ist so ein Tag. In Chicago hält er seine erste Ansprache als Erzbischof an die Katholiken deutscher Abstammung. Und er verrät seinen Zuhörern, einer der letzten Abschiedsempfänge für ihn in Brooklyn sei der des lokalen Ablegers des Deutschen Römisch-Katholischen Centralvereins gewesen, dem er bis zu seiner Abreise angehört habe. [13]

Der Vater des Urgroßvaters?

Als Mundelein diese Rede hält, steckt Deutschland mitten im Ersten Weltkrieg. Zwei oder drei Jahre zuvor sei es eine Auszeichnung gewesen, als Deutsch-Amerikaner bekannt zu sein. Nun aber werde allenfalls im Flüsterton daran erinnert, führt Mundelein aus. Vielleicht ist er deshalb bestrebt, die deutschen Wurzeln der eigenen Vorfahren möglichst weit in der Vergangenheit festzumachen. Er sagt, annähernd 100 Jahre zuvor habe der Vater seines Urgroßvaters zu jener kleinen Gruppe gehört, die dem alten Pfarrer Raffeiner geholfen habe, die erste deutsche katholische Kirche in den Vereinigten Staaten zu bauen. [14] Und der Chicagoer Erzbischof befindet, es sei mittlerweile reichlich spät, die Deutsch-Amerikaner um einen Beweis ihres Patriotismus zu bitten. Dieser Beweis sei mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor erbracht worden. Es liege ihm nicht, auf persönliche Dinge zu verweisen, aber im Jahre 1860, nach Präsident Abraham Lincoln‘s erstem Aufruf, Freiwillige für die Unions-Armee des Bürgerkrieges zu gewinnen, habe sein Großvater Frau und kleine Kinder verlassen, um für die amerikanische Flagge und die Union zu kämpfen, und 1.000 Deutsche seien im selben Regiment gewesen. Weniger als ein Drittel von ihnen habe den Bürgerkrieg überlebt, stellt Mundelein heraus und betont – ein Jahr vor Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg –, dasselbe Feuer des Patriotismus, das die Liebe für Amerika im Jahre 1860 gekennzeichnet habe, sei unter den Deutsch-Amerikanern des Jahres 1916 zu finden.

Die Äußerungen Mundeleins in dieser Ansprache beruhen möglicherweise auf unzureichenden Kenntnissen der eigenen Familiengeschichte. Sie werden von Biographen des Erzbischofs später weiterinterpretiert. Doch vor allem der amerikanische Teil der Familiengeschichte Mündelein/Mundelein scheint bis heute nicht ausreichend erforscht zu sein.

In dem von Paul R. Martin herausgegebenen Buch „The First Cardinal of the West“ heißt es, es sei ein „Irrtum“, dass Mundelein, wie häufig verbreitet, die dritte Generation seiner Familie in den USA repräsentiere. Es handele es sich vielmehr um die fünfte Generation. Schon der Vater von Mundeleins Urgroßvater habe „hundert Jahre zuvor“ zu der kleinen Gruppe gehört, die Pfarrer Raffeiner geholfen habe, die erste deutsche katholische Kirche in den USA zu bauen. [15] Damit nimmt der Autor eindeutig Bezug auf Mundeleins Chicagoer Rede von 1916.

Die Schlacht von Fort Sumter

Bei jenem Pfarrer Raffeiner handelte es sich um den aus dem österreichischen Tirol stammenden Mediziner und spätberufenen Priester Johann Stephan Raffeiner (1785-1861). Er war Anfang 1833 – und damit erst kurz vor oder kurz nach Franz Theodor Mündelein aus Paderborn – in die USA eingewandert. Noch im selben Jahr gründete Raffeiner die St.-Nikolaus-Gemeinde in New York. Diese Kirche, mit deren Bau Raffeiner bald danach auf einem von Johann Jacob Astor erworbenen Grundstück begann, wurde am Ostersonntag 1836 eingeweiht. Wenn ein Mündelein beim Bau dieser Kirche an Manhattans Lower East Side geholfen hat, kommt dafür der aus Altenbüren stammende und aus Paderborn emigrierte Tischler Franz Theodor Mündelein – und damit der Großvater und nicht der Ururgroßvater – in Frage, denn frühere Amerika-Auswanderer der Familie Mündelein sind nicht überliefert.

Martin‘s Buch „The First Cardinal of the West“ ist eine Zusammenstellung einer Serie von Artikeln, die anlässlich des Silbernen Bischofsjubiläums von George William Mundelein (21. September 1934) ab Februar 1934 in der Chicagoer Bistumszeitung „The New World“ veröffentlicht werden. Darin ist von nicht näher bezeichneten „Helden“ unter Mundeleins Vorfahren die Rede, die ihr Leben für die Verteidigung eines vereinigten Landes geopfert hätten [16] – Anspielung auf eine Darstellung, die schon 1926 James J. Walsh in seinem in New York und London erschienen Buch „Our American Cardinals“ verbreitet hat. Darin wird Mundeleins Äußerung von 1916 konkretisiert: Sein Großvater sei einer der Ersten gewesen, die sich in den ersten Tagen des Bürgerkrieges nach dem Aufruf von Präsident Abraham Lincoln zu den Unions-Truppen gemeldet hätten, und er sei der erste Gefallene in den Reihen dieser Truppen bei der Schlacht von Fort Sumter gewesen. [17] Die Schlacht von Fort Sumter in South Carolina fand am 12. und 13. April 1861 statt, aber den ersten toten Soldaten gab es erst am Tag danach, am 14. April, und der hieß Daniel Hough. Es habe in der US-Garnison von Fort Sumter 1961 keinen Soldaten namens Mundelein gegeben, und überdies sei ein Mann von 56 oder 57 Jahren zu alt für den Militärdienst gewesen, teilte der Historiker Richard W. Hatcher vom National Park Service der USA in Sullivan‘s Island, South Carolina, der das heutige Nationaldenkmal Fort Sumter betreut, unter Hinweis auf das Geburtsjahr 1804 von Franz Theodor Mündelein auf Anfrage mit. [18] Zudem soll Franz Theodor Mündelein bereits um 1850 gestorben sein – nicht in Fort Sumter, sondern in New York. [19] Er hinterließ seine Frau – aber keine „kleinen“ Kinder, wie George William Mundelein in seiner Chicagoer Rede von 1916 ausführt. Oder meinte Mundelein in seiner Rede gar nicht nicht die Vorfahren väterlicherseits, sondern die mütterliche Linie?

Auch die Geschichte der Engemanns bedarf noch weiterer Forschung. Es gibt Hinweise, dass es sich bei der 1809 in Ossendorf bei Warburg geborenen Maria Engemann, der Großmutter von George William Engemann, um eine Schwester von Bernard Engemann handelte, der bereits früher in die USA ausgewandert und in New York ansässig geworden war. Bernhard Engemann zog später mit seiner Frau nach Ohio, wo er auch begraben ist. [20] Aber waren Bernard und Maria Engemann Vorfahren früherer Generationen ihrer Familien die USA gefolgt, so dass sich George William Mundelein bei seinem Hinweis auf den „Vater des Urgroßvaters“ auf die Linie der Engemanns bezogen haben könnte? Auch hier gibt es in der Familiengeschichte noch manches Fragezeichen.

Nachweisbar ist hingegen ein 1861 mit 20 Jahren in die Kompanie A des 103. Infanterie-Regimentes von New York eingetretener Unions-Soldat namens Georg Mundelein. [21] Er hat den Bürgerkrieg überlebt und könnte – Jahrgang 1841 – ein in der Mundelein-Familienforschung bislang unbekannter Onkel von George William Mundelein gewesen sein.

Die New York Times verweist indes auf Mundeleins Großvater müttlerlicherseits. Von Maria Goetzes Vater werde erzählt, dieser sei der erste Soldat der Unionstruppen gewesen, der während des Bürgerkrieges in Fort Sumter getötet worden sei. Dieser Bericht allerdings sorgt an anderer Stelle der Mundelein-Vita für neue Umgereimtheiten: Hier ist nicht von George William Mundelein als Amerikaner der dritten Generation und seinen beiden Schwestern die Rede. Er sei „eines von neun Kindern“ einer frühen Einwanderer-Familie, die von Deutschland nach New York gekommen sei, heißt es dort. [22]

30.000 Pfund Mehl aus Chicago


St. Mary of the Lake in Mundelein: Der Bau der Kirche wird 1925 vollendet.
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George William Mundelein vergisst Deutschland, die Heimat seiner Vorfahren, nicht. 1921 ruft er in den Kirchen seiner Erzdiözese Chicago zu einer großen Kollekte zugunsten Not leidender Familien in dem von den Folgen des Ersten Weltkrieges und großer Inflation gebeutelten Deutschland sowie in Österreich auf. Vom Erlös der Sammlung werden 30.000 Pfund Mehl gekauft und per Schiff nach Deutschland gebracht. Die Frachtkosten bis Hamburg übernimmt die deutsche Regierung. In Paderborn erinnert bei der Gelegenheit das Westfälische Volksblatt daran, Erzbischof „Mündelein“ sei „bekanntlich aus Paderborn stammend“. Das Blatt schreibt über diese „Caritastat“: „Den Katholiken des Bistums Chicago, an der Spitze dem Herrn Erzbischof Mündelein, die zweifellos mit bedeutenden Mühen und Opfern eine so reiche Spende ermöglichten, gebührt inniger Dank des deutschen Volkes, vor allem der deutschen Kinder.“ [23]

Hunderttausende von europäischen Kindern und Erwachsenen seinen damals durch amerikanische Hilfe „buchstäblich vor dem Hungertod bewahrt“ worden, schreibt Ludwig Hertling. [24] Nachträgliches Dankeschön: 1927 schickt der deutsche Reichskanzler Wilhelm Marx (1863-1946, Zentrums-Politiker) einen Nussbaum-Bücherschrank mit hundert schönen, ins Schweinsleder gebundenen, auserlesenen Büchern als „Ehrengabe der deutschen Regierung“ an Erzbischof Mundelein, den „großen Freund des deutschen Volkes“. [25]

1921 ist auch das Jahr, in dem in St. Mary of the Lake in Mundelein die ersten 50 Studenten ihr Philosophie-Studium beginnen. Der Bau der seminareigenen Kirche wird 1925 abgeschlossen. Neun weitere Jahre werden vergehen, bis alle 14 Seminargebäude und das Auditorium vollendet sind.




Seminar am See: Ein undatiertes Luftbild von St. Mary of the Lake in Mundelein als kolorierte Postkarte. Sie stammt vermutlich aus der Zeit des Eucharistischen Weltkongresses 1926. In der Bildmitte die 1925 fertiggestellte Kirche. Hinter den Seminargebäuden links dampft die Lokomotive eines Eisenbahnzuges. Die für den Eucharistischen Kongress gebaute Bahnstation scheint bereits in Betrieb zu sein.
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„Größte katholische Kundgebung dieses Jahrhunderts“


Die bronzene Erinnerungsmedaille an den Eucharistischen Weltkongress 1926 zeigt den Gastgeber des kirchlichen Großereignisses, Kardinal George William Mundelein. Das Foto im Hintergrund zeigt die 1885 von Mundeleins Vorvorgänger erbaute Residenz des Erzbischofs von Chicago am heutigen North State Parkway. Auch Mundelein hat hier gelebt. Drinnen, über einem großen offenen Kamin, hängt bis heute sein Wappen.
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1926 erleben das noch unvollendete Seminar und der nach Kardinal Mundelein benannte Ort im Lake County den mit Abstand größten Besucherandrang ihrer Geschichte. Erzbischof Mundelein ist es gelungen, den 28. Eucharistischen Weltkongress, den ersten auf amerikanischem Boden, nach Chicago zu holen. Zu dem viertägigen internationalen Glaubenstreffen vom 20 bis 24. Juni werden zwei Millionen Katholiken, unter ihnen 15 Kardinäle, erwartet. Gastgeber für so viele Menschen zu sein, bedeutet auch für eine Großstadt wie Chicago eine enorme organisatorische Leistung. Die logistische Kraftanstrengung wird noch dadurch gesteigert, dass Kardinal Mundelein, der Gastgeber, die feierliche Schlusskundgebung an den See seines Seminars in Mundelein platziert. In der Nähe des Seminars wird dafür eine eigene Bahnstation errichtet, und pausenlos verkehren am 24. Juni schon ab Mitternacht Züge zwischen Chicago und Mundelein hin und her, um die etwa 500.000 zu dieser Abschlusskundgebung erwarteten Teilnehmer an den Ort des Seminars zu bringen. Es werden noch ein paar Hunderttausend mehr. „Es war ein Wagnis, 800.000 Menschen 60 Kilometer weit an einem Tag hin- und zurückzubefördern. Neun Autostraßen, als Einbahn eingerichtet, und fünf Bahnlinien standen zur Verfügung. Die North Shore Railroad allein beförderte 250.000 Menschen in beiden Richtungen.“ [26]

„Der Zug ins Große und Unerreichte, wie wir ihn beim Amerikaner auf technischem, wirtschaftlichem und industriellem Gebiete bewundern, bemächtigt sich in diesen Tagen der religiösen Kundgebungen anlässlich des genannten Kongresses. Heute kann man schon sagen, dass wir vor der größten katholischen Kundgebung dieses Jahrhunderts stehen“, kabelt der Korrespondent des Westfälischen Volksblattes in einem Vorbericht zum Eucharistischen Kongress aus der „Neuen Welt“ in die Heimat Paderborn. [27]

Als seinen Legaten entsendet Papst Pius XI. Kardinal Giovanni Bonzano (1867-1927) nach Chicago. Die Gruppe der 150 deutschen Kongresspilger wird vom Münchener Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber (1869-1952, Bischofsweihe 1910, Erzbischof von München und Freising seit 1917) angeführt. Mit dem Dampfer „Lützow“ haben sich aus Bremerhaven mit vielen anderen Kongress-Teilnehmern, unter ihnen 70 Priester, der Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning (1877-1955, Bischof seit 1914) und der Paderborner Generalvikar Joseph Rosenberg (1865-1930, Generalvikar seit 1920) auf den Weg in die USA gemacht. Im Eröffnungsgottesdienst für die Treffen der deutschen Sektion des Weltkongresses hält Berning die Predigt. Zur ersten Versammlung dieser Sektion am Sonntag, 20. Juni, drängen sich vor dem Chicagoer Ashland Boulevard Auditorium 12.000 deutschsprachige Besucher. Der große Saal aber bietet nur 7.000 Plätze. Daher wird improvisiert und rasch ein kleinerer Saal des Auditoriums für eine Parallelveranstaltung geöffnet. Den Vorsitz der dortigen Versammlung übernimmt der Generalvikar aus dem westfälischen Paderborn.

Riesig der Beifall, als Kardinal Mundelein mit dem päpstlichen Legaten Kardinal Bonzano, dem Treffen der deutschsprachigen Kongress-Teilnehmer einen Besuch abstattet. Der offizielle Kongressbericht der deutschsprachigen Sektion hält fest: „Kardinal Mundelein, dem man die Befriedigung über das glanzvolle Gelingen seines Eucharistischen Kongresses vom Gesicht ablesen konnte [...], erzählte in gemütlicher Weise von der alten St. Nikolaus-Pfarrei in New York, wo im Taufbuch auf der ersten Seite die Mundelein-Zwillinge verzeichnet stehen. Er sprach zu der Versammlung nicht wie zu Fremden, sondern wie zu guten vertrauten Freunden, denen man seine Sorgen aber auch seine Erfolge erzählen darf.“ [28] Die Mundelein-Zwillinge – das waren der Vater des Erzbischofs, Nikolaus Franz Mundelein, und sein Onkel Joseph.




Donnerstag, 24. Juni 1926: Auf dem Seminargelände von St. Mary of the Lake in Mundelein versammeln sich Hunderttausende zum feierlichen Gottesdienst und zur anschließenden Schlussprozession des Eucharistischen Weltkongresses.
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„Es ist nicht der Stil seiner Eminenz, kleine Triumphbogen zu bauen“


Dichtgedrängt stehen die Menschen am Weg der mehrstündigen Prozession, die den am Seminar gelegenen See umrundet. Bald wird ein großes Unwetter aufziehen.
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Zur Abschlussveranstaltung des 28. Eucharistischen Weltkongresses in Mundelein drängen am 24. Juni nicht die erwarteten 500.000, sondern 800.000 bis 1 Million Menschen. Einer der deutschen Teilnehmer, Adolf Sonnenschein, hält in seinem Tagebuch fest: „Chicago, 24. Juni. Wir fahren erst um halb elf Uhr nach Mundelein, dem Priesterseminar des gleichnamigen Kardinals von Chicago, angeblich um zehn Millionen Dollar errichtet; 360 Bischöfe hätten dort heute schon übernachtet, hören wir, jeder habe einen Altar in seinem Zimmer. Die Fahrt, stehend im überfüllten Wagen der Hochbahn, zirka sechzig Kilometer, dauert fünf Stunden, anstatt eine, wie vorgesehen, da die Verkehrseinrichtungen dem Transport von Hunderttausenden nicht gewachsen sind; immer wieder warten wir auf freier Strecke. Die Prozession um den See herum ist daher fast beendet, sie wurde von einem Platzregen getroffen. Der schöne Park ist von den Menschenmassen und Likörbuden stark verwüstet; die überanstrengten Besucher und Priester, z.T. im geistlichen Gewand, lagerten vielfach im Grünen. Überhaupt ist unser Empfinden über die amerikanischen Formen zuweilen betroffen. Der Priester und Bischof im Strohhut, mit diesem als ,Konferenzier‘ heftig gestikulierend oder am Steuer seines eigenen Kraftwagens oder Tennis spielend, sind uns fremd. Auch Scheinwerfer und Photographen im Kirchenchor, Flieger über der Stadionsmesse und heute über der Prozession; auch knatterten zwei Schnellmotorboote unentwegt auf dem kleinen See von Mundelein.“ [29]

„Weltfronleichnam“ nennt der höchste Repräsentant der deutschen Delegation, Kardinal Michael von Faulhaber (München), die große Prozession in St. Mary of the Lake in Mundelein. Für die Zeitschrift „Tabernakel und Fegfeuer“, die von den Benediktinerinnen in Clyde, Missouri, herausgegeben wird, fasst Faulhaber seine Eindrücke zusammen: „Es ist nicht der Stil von Seiner Eminenz Kardinal Mundelein, kleine Triumphbogen zu bauen und den neuen Wein in alte Schläuche zu gießen. [...] Rings um den See war eigens für die Prozession eine neue Kunststraße angelegt worden. An den Abhängen gegen den See hatte eine meisterhafte Gärtnerhand mit Blumen in allen Farben weithin sichtbar eine Monstranz, das Wappen des Hl. Vaters, das Wappen von Kardinal Mundelein, das Sternenbanner dargestellt. Die große Terrasse vom See bis zur Kirche St. Mary of the Lake und die palastähnlichen Seminargebäude, die rechts und links die Kirche umgeben wie die Leviten den Hohenpriester beim Hochamt, bildeten einen überaus malerischen Rahmen für die Feier der heiligen Geheimnisse. Vor dem Portal der Kirche war unter freiem Himmel der Hochaltar aufgerichtet, der wie ein Kapitol das ganze Landschaftsbild krönte und beherrschte. Ein großes Feuerwerk, das am Vorabend den See und seine Ufer mit märchenhaften Bildern überflutete, sollte den kleinen und großen Kindern ins Gedächtnis schreiben: Der König der Herrlichkeit hält morgen seinen Einzug. Durch Lautsprecher wurde es [...] möglich, die Messgesänge vom Altar, den Choral des Sängerchores während des Hochamtes, seine Hymnen während der Prozession, die Predigt Sr. Eminenz des Kardinal Hayes von New York nach dem Evangelium, die Mitteilungen der Ordnungsmänner, zu den Ohren aller auf den weiten Wiesen- und Waldgründen und dem langen Prozessionsweg zu tragen. Der Tag von Mundelein hat der Welt gezeigt: Die Katholiken der Neuen Welt können in großzügiger Weise organisieren und die Technik der Neuzeit in den Dienst der Liturgie stellen, wie die Katholiken der Alten Welt die Kunst des Mittelalters dem Gottesdienste dienstbar machten. [...] Der Tag von Mundelein war ein hohes Lied der Organisationskunst und Technik. [...] Der Tag von Mundelein war mehr als das. Die amerikanischen Katholiken können nicht bloß organisieren, sie können auch beten. Sie sind nicht bloß Meister der Technik, sie sind auch Ministranten der heiligen Eucharistie. [...] Vormittags 10 Uhr wurde unter freiem Himmel das feierliche Hochamt von Seiner Eminenz dem Kardinal-Legaten Bonzano in jener Würde und Andacht gehalten, die das Auftreten dieses Abgesandten des Hl. Vaters überall so erbaulich gestaltete. Keine Kirche wäre groß genug gewesen, im Innern dieser Million Menschen Raum zu geben, die sich hier im Freien auf den Wegen und Wiesen, an den Ufern des Sees und tief in die Wälder hinein zusammendrängte. Bei der Brotvermehrung in der Wüste waren es fünftausend, hier waren es zweihundert mal fünftausend. [...] Nach dem Hochamt folgte eine lange Unterhaltungspause. Das Volk lagerte sich in Gruppen wie bei der Brotvermehrung in der Wüste. [...] Um 2 Uhr nachmittags setzte sich die Prozession in Bewegung. Wie glühende Pfeile trafen uns die Strahlen der Mittagssonne. [...] Die große Zahl des Volkes konnte nur schauend und betend zu beiden Seiten des Prozessionsweges stehen, nicht im Zuge selber mitwallen. [...] Der Weg der Prozession führte rund um den See, streckenweise durch Wald. [...] In der langen Reihe der Priester, Bischöfe und Kardinäle waren die verschiedensten Völker der fünf Erdteile vertreten. Bischöfe und Kardinäle aus Europa, Asien, Afrika und Australien; in Reih und Glied mit Neger- und Indianerpriestern! Es war ein Schauspiel katholischer Einheit für die Alte und die Neue Welt. [...] Gerade als die Prozession mit dem Allerheiligsten am Südufer des Sees anlangte, also am weitesten von der Kirche entfernt war, brach ein schweres Gewitter los. Blitze zuckten aus den Wetterwolken, von schweren Donnerschlägen begleitet, und der strömende Regen wandelte in einer halben Stunde die Straßen neben dem See in große Wasserlachen. Auch die Blitze und die Wetterwolken wollten das Benedicite der Schöpfung mitsingen. [...] Unter Blitz und Donner wollte der Herr der Heerscharen die Kinder des 20. Jahrhunderts fragen: Könnt ihr auch bei schlechtem Wetter glauben? [...] Ein Teil des Publikums flüchtete panikartig feldeinwärts, obgleich sie keinen Unterstand vor sich sahen. Ein anderer Teil hielt ruhig an der Straße aus, während die Prozession selbst in voller Ordnung ihren Weg und ihre Gebete fortsetzte. [...] Niemals im Leben werde ich die Bilder von Glaubenshelden vergessen, die ich damals schauen durfte. Männer und Frauen knieten auf beiden Knien in den Wasserlachen und dem Schmutze der Straße nieder, um mit hochgefalteten Händen den Heiland der Welt anzubeten, der in Brotsgestalt vorüberzog. Solchen Glauben habe ich in Europa nicht gefunden. Mitleidige Menschen boten uns ihre Regenschirme an; wir lehnten es ab, weil bei dieser Prozession Kleider und Gesundheit Nebensachen waren. [...] Wenn die stechende Gluthitze, wie sie beim Ausgang der Prozession um 2 Uhr herrschte, während der ganzen dreistündigen Prozession angedauert hätte, es wären Hunderte von Menschen, besonders Kinder, vom Sonnenstich oder Hitzschlag getroffen worden. Wer jemals Feste mit großen Menschenmassen zu ordnen hatte, der weiß, dass die große Hitze viel gefährlicher sein kann als der größte Regen. Nach meiner Überzeugung hat der Regen vielen Menschen, besonders Kindern das Leben gerettet. [...] Außer dem Regen konnte man auch von andern unliebsamen Erlebnissen hören: Regenschirme und Thermoskannen wurden zerbrochen, Lunch war nicht zu erreichen, die Rückkehr nach Chicago war erst nach Mitternacht möglich, Kinder wurden von den Eltern im Gedränge verloren. Ihr Kleingläubigen! All diese kleinen Störungen des Tages werden bald verblassen und in Eurer Erinnerung wird nur das große Bild der weltumspannenden Kundgebung katholischen Glaubens, katholischer Glaubenseinheit bleiben. Trotz aller Störungen möchtest Du den 24. Juni 1926 nicht aus dem Tagebuch Deines Lebens streichen. Die Teilnahme an der Prozession in Mundelein bleibt trotz allem eine große Gnade Deines Lebens. Im letzten Viertel des Weges durften wieder Sonne und Wärme das Benedicite singen. Als die Prozession zur Kirche zurückkehrte, wurde zum Abschluss des Eucharistischen Kongresses der dreifache feierliche Schlusssegen mit dem Allerheiligsten gegeben. [...]“ [30]

Einladung nach Paderborn


Wollte seine Paderborner Verwandten zum Weltkongress begrüßen: Kardinal George William Mundelein. Foto: John Laveccha (Chicago).
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Für George William Mundelein sollte der Eucharistische Kongress in seiner Erzdiözese nicht nur ein kirchliches Großereignis, sondern auch privat ein ganz besonderes Datum werden: Dass der US-Bischof in regelmäßigem Kontakt zu den Mündeleins in Paderborn, den weitläufigen deutschen Verwandten, stand, ist nicht belegt. Aber er hat die Paderborner Mündeleins zum Eucharistischen Kongress nach Chicago eingeladen. Dass aus diesem Besuch und dem ganz besonderen Familientreffen nichts wird, hat mit der Erkrankung und dem Tod seines Paderborner Ansprechpartners, des westfälischen Kirchenbaumeisters Franz Mündelein (1857-1926) zu tun. Dieser stirbt am 12. Mai 1926, wenige Wochen vor dem großen Kirchentreffen in Chicago. „...Für dieses Jahr hatte er die Absicht, an dem Eucharistischen Kongress in Chicago teilzunehmen, was freilich um so näher lag, als sein Verwandter, der Erzbischof von Chicago, Kardinal Mündelein, ihn und seine Geschwister zugleich zu einem Familienbesuche eingeladen hatte.“ [31]

Die nächste Massenveranstaltung großen Ausmaßes, die Kardinal George William Mundelein, der Gastgeber des 28. Eucharistischen Weltkongresses von 1926 erlebt, gilt acht Jahre später ihm ganz persönlich: Sein 25-jähriges Bischofsjubiläum 1934 bringt Zehntausende von Menschen auf die Straßen von Chicago.

Zwölf Jahre nach dem Eucharistischen Weltkongress von Chicago fährt Kardinal George William Mundelein als päpstlicher Gesandter in den Süden der Vereinigten Staaten nach New Orleans (Louisiana) und ist höchster katholischer Würdenträger beim dortigen achten Nationalen Eucharistischen Kongress der USA (1938). Danach reist er nach Rom und erstattet dem Papst Bericht.

500 Priester und ein nicht geladener Gast


Schauplatz der berühmten Rede vom 18. Mai 1937: Das in Mundeleins Amtszeit als Erzbischof erbaute Quigley-Seminar in Chicago. Rechts die zum Seminar gehörende Kirche.
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Ein Jahr zuvor, 1937, sorgt George William Mundelein wie beim „Poison Banquet“ 1916 erneut für weltweite Schlagzeilen.

500 Priester seiner Erzdiözese hat George William Mundelein am Dienstag, 18. Mai 1837, zur vierteljährlichen Seelsorger-Konferenz im Quigley-Seminar von Chicago versammelt. Dieses von Mundelein erbaute und nach seinem Amtsvorgänger benannte Seminar dient bis 2007 als katholische Highschool und beherbergt seitdem als Archbishop Quigley Center einen Teil der Chicagoer Diözesanverwaltung.

An der Konferenz im Mai 1937 nehmen nicht nur Geistliche Teil. Unerkannt hat sich ein Journalist eingeschlichen: Tony Czarnecki von der Tageszeitung Chicago Daily News. Er macht sich eifrig Notizen. [32] Und wird Zeuge einer Ansprache, in der Kardinal Mundelein heftig die nationalsozialistischen Machthaber in Deutschland angreift, die gerade dabei sind, das Land – begleitet von heftiger Propaganda gegen die Kirche – mit einer gegen katholische Priester und Ordensleute gerichteten Welle von Sittlichkeitsprozessen und Gerichtsverfahren wegen angeblicher Devisenvergehen zu überziehen. Bei den von den Nazis an den Pranger gestellten katholischen Orden handelt es sich nicht zuletzt um solche Ordensgemeinschaften, die seit langem auch in der Erzdiözese Chicago wirken. Erzbischof Mundelein stellt sich vor diese Orden: „Wir schulden ihnen etwas; sie haben beigetragen zum Aufbau unserer Kirche in den Vereinigten Staaten in der Vergangenheit und wir können ihnen jetzt helfen. Vereinigtes Gebet unseres Volkes wird sich letzten Endes als machtvoller und erfolgreicher erweisen als das Gewicht der heimtückischen Propaganda, die vom Dritten Deutschen Reich ausgeht.“ [33] Mundelein ruft zur „Bezeugung unserer offenen Sympathie in dieser Stunde der Prüfung“ für die Kirche in Deutschland auf. Hinter den Angriffen der Nazis auf die Kirche vermutet Mundelein dieses Ziel: „Der Kampf geht darum, die Kinder uns fortzunehmen.“



Mutig: George William Mundelein greift Hitler und Goebbels scharf an. Das hat in dieser Deutlichkeit noch kein ausländischer Kirchenfürst gewagt.
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Der Chicagoer Erzbischof zielt unter anderem auf den „lautmauligen“ und „verschrobenen Propagandaminister“ Joseph Goebbels ab. Aber seine Rede-Attacke gilt auch Adolf Hitler: „Ihr werdet vielleicht fragen“, ruft Mundelein seinen Priestern mit Blick auf Deutschland zu, „wie eine Nation von 60 Millionen Menschen, intelligenten Menschen, sich in Furcht und Knechtschaft einem Ausländer unterwerfen kann, einem österreichischen Tapezierer, und – wie mir gesagt wird – einem schlechten dazu...“ Tony Czarnecki, der inkognito lauschende Konferenzteilnehmer im Quigley-Seminar, horcht auf. Was der Zeitungsreporter hier gerade gehört hat, riecht nach einer Sensation. Eine solche Attacke eines prominenten Kirchenmannes gegen die seit vier Jahren in Deutschland regierenden Nazis hat er noch nicht gehört. Czarnecki geht zu Mundelein, gibt sich als Reporter zu erkennen und bittet den Kardinal, um eine nicht korrekte Wiedergabe seiner brisanten Worte auszuschließen, um das Manuskript seiner Rede. Mundelein willigt ein und gibt dem Reporter den Redetext. Die Folgen dürften dem Erzbischof durchaus klar gewesen sein: Seine Attacken gegen den „österreichischen Tapezierer“ Adolf Hitler und dessen „Schlamm“ verbreitenden Propagandaminister Joseph Goebbels sorgen an den Tagen darauf für ein weltweites Medienecho. Als „Paperhanger Speech“ wird diese Ansprache in die Geschichte eingehen.

Goebbels tobt. „Cardinal Mundelein aus Chikago macht gemeine Ausfälle gegen Führer, mich und das Reich. Zweifelt die Richtigkeit unserer Pfaffenprozesse an. Ich lasse die deutsche Presse scharf dagegen los“, hält der Propagandaminister am 21. Mai in seinem Tagebuch fest [34] Die katholische Regionalzeitung Westfälische Volksblatt in Paderborn, der Heimat der Vorfahren des Kardinals, ist inzwischen von den Nationalsozialisten übernommen und deren braunem Pressetrust einverleibt worden. Die Zeitung, die nach seiner Hilfsaktion 1921 stolz – und in deutscher Schreibweise seines Namens – darauf hingewiesen hatte, „Mündelein“ sei „bekanntlich aus Paderborn stammend“ und ihn 1926 als „Verwandten“ des Paderborner Kirchenbaumeisters Franz Mündelein bezeichnet (siehe oben), lastet nun – unter Verwendung des „amerikanisierten“ Namens – dem „Kardinalerzbischof Mundelein“ an, dieser habe „in nicht wiederzugebender Weise“ den Führer geschmäht: „Mit tiefer Entrüstung nimmt das deutsche Volk von dieser Hetzrede eines der höchsten Würdenträger der katholischen Kirche Kenntnis. . .“ Für den „unglaublich hetzerischen und beleidigenden Ton seiner Rede, der selbst vor dem deutschen Staatsoberhaupt nicht Halt macht“, gebe es „um so weniger eine Entschuldigung, als man gerade von einem Gottesstreiter Worte des Friedens und der Versöhnlichkeit erwarten darf“. [35] Zwei Tage später werden in einem weiteren Artikel „die verleumderischen Behauptungen des Kardinalerzbischofs“ und dessen „unverantwortliche Verleumdungen und Beschimpfungen des Führers“ angeprangert. Das Blatt spricht von einer „Lügenaktion gegen Deutschland“, einem ,,beispiellosen Skandal“ und „unwürdigen Ausfällen“ Mundeleins. [36]

Dass das Blatt, das über den Kardinal früher in der deutschen Schreibweise „Mündelein“ berichtet hat, nun mit keiner Silbe erwähnt, dass der Chicagoer Erzbischof Paderborner Vorfahren hat, kann damit zu tun haben, dass in der Schriftleitung des Westfälischen Volksblattes mittlerweile Nationalsozialisten das Sagen haben, die nicht aus der Region Paderborn stammen und nichts von der Verbindung Mundelein-Mündelein wissen, oder damit, dass noch verbliebene Mitglieder der früheren Redaktion diese Verbindung bewusst unerwähnt lassen, um der Paderborner Familie Mündelein denkbare Racheaktionen von Goebbels & Co. zu ersparen.

Dr. Marianne Mündelein, Jahrgang 1926 und anno 2009 das älteste Mitglied der Paderborner Mündelein-Familie, ist davon überzeugt, dass der irgendwann in den USA entfallene Umlaut „ü“ die Paderborner Mündeleins gerettet hat. „Goebbels hätte doch bestimmt ohne große Erklärungen die ganze Paderborner Sippe ins KZ gebracht, wenn er von der Verbindung des Kardinals zu den Paderborner Mündeleins gewusst hätte.“ [37]

In den USA informiert unter anderem die New York Times ihre Leser über die „bitteren Gegenangriffe“, mit denen Presse und Rundfunk in Nazi-Deutschland auf Mundeleins Chicagoer Rede reagieren. So zitiert das Blatt aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung (Berlin), der Kardinal habe ein ausländisches Staatsoberhaupt „im Ton eines Gangsters“ attackiert. [38]




Familienbesitz: Dr. Marianne Mündelein zeigt ein Portrait Kardinal Mündeleins. Der Paderborner Künstler Josef Hunstiger (1889-1960) hat es 1956 für die Paderborner Mündeleins in Öl gemalt – nach einer Fotografie.
Foto: Stüken

„Letzte Warnung!“

Am Freitagabend, 28. Mai 1937, zehn Tage nach der Rede Mundeleins, tritt Goebbels auf einer Großkundgebung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in der Berliner Deutschlandhalle, die von 20.000 Menschen besucht und vom Rundfunk übertragen wird, vor die Mikrofone. Das Nazi-Organ „Völkischer Beobachter“ spricht von einem „langersehnten erlösenden Wort“ und der „deutlichen deutschen Antwort“, versieht die Goebbels-Rede mit der Überschrift „Letzte Warnung!“ und schreibt, es sei „die allen Deutschen aus dem Herzen gesprochene Entgegnung auf die Reden und Taten jener politisierenden Geistlichen, an deren Spitze sich jenseits des Ozeans jüngst der Kardinal Mundelein gestellt hat“. [39]

„Ein katholischer Kardinal in Amerika mit Namen Mundelein hat in einer öffentlichen Rede, in der er den Führer in der unqualifizierbarsten Weise beleidigte, mich den ,unehrlichen Propagandaminister von Deutschland‘ genannt...“, empört sich Goebbels, der „als berufener Sprecher des deutschen Volkes“ Stellung genommen habe [40], in seiner zweistündigen, mit neuen Tiraden gegen die Kirche gespickten Rede. „Der Angriff des Kardinals Mundelein gegen den nationalsozialistischen Staat kommt zwar aus dem Ausland; aber seine Inspiratoren sitzen, wie nachgewiesen werden kann, in Deutschland selbst“, behauptet Goebbels. Seinem Tagebuch vertraut er in dieser Nacht an: „Die Deutschlandhalle ist wahnsinnig überfüllt. Ich rede zwei Stunden in Glanzform. Die Attacke gegen die Klerisei hat ungeheuren Erfolg. Das Publikum rast. Es hagelt nur so Zwischenrufe. Wie wird das erst sein, wenn zum Kampfe aufgerufen wird. [...] Ich glaube, nun wird der Vatikan die Dummheit des Cardinal Mundelein sehr bedauern.“ [41]

Der Vatikan bedauert nicht. Auf den Protest des deutschen Botschafters gegen die Mundelein-Rede hin fordert der Vatikan beim Chicagoer Kardinal zwar den genauen Wortlaut von dessen Ansprache an, distanziert sich aber in keiner Weise von Mundeleins Ausführungen. Was den Zorn der Machthaber in Berlin noch steigert. „Die Deutsche Regierung ist sonach zu der Feststellung gezwungen, dass der Heilige Stuhl jene unqualifizierbaren öffentlichen Angriffe eines seiner höchsten Würdenträger gegen die Person des deutschen Staatsoberhauptes unkorrigiert fortbestehen lässt und sie dadurch in den Augen der Welt tatsächlich deckt“, heißt es in einer Note, die Botschaftsrat Fritz Menshausen von der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl am 29. Mai 1937 an Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli richtet. [42] Die Voraussetzung für eine normale Gestaltung der Beziehungen zwischen der deutschen Regierung der Kurie seien durch das unerwartete und unverständliche Verhalten des Vatikan „beseitigt“, und für die Entwicklung trage die Kurie „die volle Verantwortung“, droht Menshausen mit einem ernsten diplomatischen Konflikt. Pacelli antwortet, „der Herr Kardinal von Chicago“ habe seine Rede „ohne jede Absicht der Veröffentlichung lediglich als Aufklärungsrede an seine Priester gegenüber der einseitigen und unwahrhaften Propaganda über die Sittlichkeitsprozesse gehalten“. [43]

Auch auf anderen Ebenen reagiert Hitlers Regierung auf Mundelein: „Die deutsche Botschaft hat wegen der törichten und geschmacklosen Beleidigungen des Führers und Reichskanzlers durch den Chikagoer Kardinal Mundelein beim Staatsdepartment in Washington energische Vorstellungen erhoben“, berichtet das Westfälische Volksblatt. [44]

Ein weiterer Schritt: „Am 22. Juni 1937 erteilte das Reichserziehungsministerium dem Rektor der Universität Breslau die Erlaubnis, das Verfahren zur Entziehung der Ehrendoktorwürde, die Kardinal Mundelein 1922/23 von der Breslauer theologischen Fakultät erhalten hatte, mit Beschleunigung durchzuführen.“ [45]

„Das ist doch ein tolles Stück“

Am 17. Juli 1937 stellt sich Papst Pius XI. in Rom gegenüber Pilgern aus der Erzdiözese Chicago demonstrativ vor deren Erzbischof und nutzt in seiner Grußadresse die Gelegenheit, „auf die Größe Ihrer Stadt und – warum es nicht sagen? – die Größe Ihres vortrefflichen Kardinalerzbischofs hinzuweisen, der so fürsorglich und eifrig auf die Verteidigung der Rechte Gottes und der Kirche und auf das Heil der Seelen bedacht ist“. [46] Über die deutsche Botschaft beim Vatikan erfährt Hitlers Regierung von dieser Papst-Äußerung. Joseph Goebbels vertraut am 20. Juli 1937 seinem Tagebuch an: „Der Papst hat sich in einer Ansprache an Chicagoer Pilger ostentativ hinter den Hetzer Mundelein gestellt. Das ist doch ein tolles Stück.“ Goebbels nennt den Papst einen „alten, heuchlerischen Medizinmann“. [47]

Die „Paperhanger Speech“ Mundeleins, der ein großer Freund des US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt (1882-1945, seit 1933 Präsident) ist, wirkt nach. Noch 1940 beklagt eine Aufzeichnung des Berliner Auswärtigen Amtes „über den Stand unserer Beziehungen zum Vatikan“, dass der Vatikan auf Mundeleins Rede von 1937 „auch auf die ernsten Vorstellungen unserer Botschaft hin nicht abgerückt ist“. [48]

Im Februar 1939 reist George William Mundelein in seiner wichtigsten Kardinalsfunktion nach Rom: Er zählt zu den weltweit 62 Purpurträgern, die sich am 1. März 1939 zum zweitägigen Konklave versammeln, um den neuen Papst zu wählen. Pius XI. (1857-1939, seit 1922 Papst), der ihn 1924 in den Kardinalsstand erhoben hat, ist am 10. Februar gestorben. Sollte die Wahl des Nachfolgers nicht auf einen Italiener fallen, so wird im Vorfeld des Konklave in Vatikankreisen spekuliert, könnte der Erzbischof von Chicago durchaus Chancen auf das höchste Amt der katholischen Kirche haben. Aber die Wahl fällt auf einen Italiener: Eugenio Pacelli (1876-1958), der den Papstnamen Pius XII. wählt. Mundelein kennt das neue Kirchenoberhaupt besser als manch anderer Teilnehmer des Konklaves. Als Kardinalstaatssekretär hat Eugenio Pacelli im Oktober 1936 die Erzdiözese Chicago besucht, und Pacelli war es, der am 24. Juni 1937 auf eine Protestnote der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl wegen der Mundelein-Rede schriftlich entgegnete, der Kardinal-Erzbischof von Chicago nehme als amerikanischer Staatsbürger für sich, „vor allem gegenüber den Exzessen der deutschen antichristlichen Propaganda“, das Recht in Anspruch, „auch seinerseits Wertungen anzustellen und seinen Mitbürgern die Eigenheiten anders gerichteter Staatssysteme aufzuzeigen“. [49]

Die „Stadt der breiten Schultern“ trauert


Totenzettel zur Erinnerung an den toten Kardinal.
Reproduktion: Stüken

Auf den Tag genau sieben Monate nach der Wahl des neuen Papstes stirbt George William Mundelein. In seiner Villa auf dem Seminargelände von Mundelein feilt er am Vorabend des 2. Oktober 1939 mit seinem Weihbischof Bernard James Sheil noch an einem Redemanuskript. Am nächsten Morgen findet ein Sekretär den Erzbischof tot in seinem Bett: George William Mundelein ist im Alter von 67 Jahren im Schlaf einer Herzkrankheit erlegen. Er wird seiner Bischofskirche, der Holy Name Cathedral, in Chicago aufgebahrt. Mehr als eine Million Menschen pilgern dorthin, um von dem in einem Bronzesarg liegenden beliebten Oberhirten, einer der größten Persönlichkeiten der katholischen Kirche der Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert, Abschied zu nehmen.

„Nach Rom ist Chicago heute höchstwahrscheinlich das größte Zentrum katholischen Einflusses und katholischer Aktivität in der Welt“, würdigt die Tageszeitung Chicago Daily News die Bedeutung des Verstorbenen. [50] „Mundeleins Karriere begann an der East Side“, überschreibt die New York Times ihren Nachruf und reklamiert damit ein wenig vom Ruhm des „freimütigen Mannes deutscher Abstammung“, der „ein enger Freund zweiter Päpste, Berater des Präsidenten und ein beißender Kritiker des Hitlerismus“ gewesen sei, auch für die größte Stadt der USA, in deren Straßen Mundelein als Kind aufwuchs. Die Erzdiözese Chicago sei seit seinem Amtsantritt als Erzbischof in ihrer Bedeutung von der eines Missionsgebietes zu einer der reichsten und mächtigsten in Nordamerika aufgestiegen. Mehr als 600 Kirchen, Konvente, Pfarrhäuser, Schulen, Kranken- und Waisenhäuser seien in Mundeleins Amtszeit errichtet worden, listet das Blatt auf. [51] „Der Tod des Bauherrn“, titelt das Nachrichtenmagazin Time. Es nennt Mundelein einen großen Liberalen der Kirche, einen großen Baumeister und Geldbeschaffer für die sich weit ausdehnende Erzdiözese, an deren Spitze er fast ein Vierteljahrhundert gestanden habe. [52] „Sein größter Stolz“ sei der Bau des Seminars St. Mary of the Lake gewesen, lenkt die New York Times den Blick nach Mundelein. [53] Dorthin wird der tote Kardinal am 6. Oktober 1939 überführt. Seine letzte Ruhestätte findet er unter dem Hauptaltar der Seminarkirche.

Angesichts der Verehrung, die Mundelein in Chicago genießt, und der hohen Identifikation Mundeleins mit dieser „Stadt der breiten Schultern“ ernennt Weihbischof Bernard James Sheil, der für die Übergangszeit bis zur Ernennung des Nachfolgers als Administrator die Geschicke der Erzdiözese lenkt, die dreieinhalb Millionen Bürger Chicagos, Katholiken wie Nicht-Katholiken, zu „Ehren-Sargträgern“ des verstorbenen Kardinals. [54]




Grabplatte George William Mundeleins an der Rückseite des Hauptaltars der Seminarkirche von St. Mary of the Lake in Mundelein.
Foto: Stüken

St. Mary of the Lake im 100-jährigen Mundelein ist bis heute das größte theologische Seminar der USA. Priester auch aus vielen anderen Diözesen werden hier ausgebildet – und nicht wenige von ihnen machen später in der katholischen Kirche Karriere. Zum Beispiel, wie der Gründer des Seminars, als Bischof.

Die Krönung des Jubiläumsjahres


Der rote Oldtimer im neuen Glanz: Timothy E. Sashko, Feuerwehrchef von Mundelein, sitzt stolz am Steuer der restaurierten „Old Number One“.
Foto: Stüken

Der 17. Oktober 2009 markiert den großen Höhepunkt des Jubiläumsjahres von Mundelein. Im Rahmen einer Herbst-Gala im Auditorium des Seminars St. Mary of the Lake erklingt die alte Wurlitzer-Orgel. Draußen, vor dem Auditorium, erfolgt nach dem einstündigen Konzert die feierliche Enthüllung der „Old Number 1“, des 1924 von Kardinal Mundelein gestifteten Feuerwehrautos, und dessen offizielle Rückkehr als fahrtüchtiges Museumsstück in den Fahrzeugpark des Mundelein Fire Departments. Jim Carew, ein im Ruhestand lebender Feuerwehrmann von Mundelein und ein Liebhaber alter Feuerwehrautos, hat das Fahrzeug sorgfältig und detailgenau restauriert. Wie diese festliche „Rededication“ am 17. Oktober 2009 war einst, am 18. Juli 1925, auch die Übergabe des Stoughton in den Dienst der Feuerwehr von Mundelein auf dem Gelände des Seminars erfolgt.

Timothy E. Sashko, Feuerwehrchef von Mundelein, wird die „Old Number One“ künftig als neues altes Aushängeschild seiner Feuerwehr bei Paraden und Festen in Mundelein und Umgebung einsetzen, aber auch Schulkassen und Besuchergruppen, die sich für die Geschichte des Mundelein Fire Departments (M.F.D.) und das Thema „Brandschutz anno dazumal“ interessieren, wird Sashko den schmucken Oldtimer vorführen.

Der Gemeinderat von Mundelein fasst im November 2009 in einer der letzten Ratssitzungen des Jubiläumsjahres einen wichtigen Beschluss: Das von Christa Lawrence, einer Bürgerin von Mundelein, entworfene Logo des Jubiläumsjahres – ein an einem See stehender Baum, dessen Blätter im Herbst nicht fallen, sondern als Sterne in den Himmel emporsteigen – hat so großen Anklang gefunden, dass es auf Dauer zum offiziellen Markenzeichen der Gemeinde werden soll.

Dass die 100-jährige Gemeinde, die auf fünf verschiedene Ortsnamen zurückschauen kann, ein weiteres Mal ihren Namen ändert, kann sich Diana Dretske, Historikerin des Lake County Discovery Museums, nicht vorstellen: „Nach 85 Jahren, so denke ich, können wir ziemlich sicher sein, dass die Menschen von Mundelein diesen Namen behalten wollen.“




Sie haben das Jubiläum vorbereitet und können am Ende des Jahres zufrieden Bilanz ziehen: Die Ratsmitglieder von Mundelein (hintere Reihe von links) Raymond Semple, Ed Sullivan, Bürgermeister Kenneth H. Kessler, Steve „Chip“ Cancelli, (vordere Reihe von links) Jim Nutschnig, Terri Voss, Robin Meier sowie Gemeindesekretärin Esmie Dahlstrom mit dem Logo des Jubiläumsjahres, mit dem Mundelein nun auf Dauer werben will. Ein Jubiläums-Komitee, das alle Festveranstaltungen organisiert hat, stand dem Gemeinderat zur Seite.
Foto: Village of Mundelein, Illinois (USA).

Literatur und Anmerkungen
  1. Zum Jubiläum siehe auch: Mundelein Centennial. Celebrating 100 Years. Edited by Pioneer Press Newspapers and the City of Mundelein. Mundelein, Illinois 2009. Für Abbildungen und weitere Informationen dankt der Verfasser Michael A. Flynn, Assistant Administrator, Village of Mundelein. Siehe auch: Wolfgang Stüken: Ein Feuerwehrauto vom Kardinal,in: Der Dom. Kirchenzeitung des Erzbistums Paderborn vom 10. Januar 2010.
  2. Heute im Besitz von Dr. Marianne Mündelein, Paderborn; der Verfasser dankt Dr. Marianne Mündelein für zahlreiche wertvolle Hinweise.
  3. Zu Heinrich Backhaus siehe: John Hussey: Henry Backhaus. Doctor of Divinity, Pionier Priest of Bendigo. Bendigo 1982. Deutsche Übersetzung: John Hussey: Pionier unter Goldsuchern. Heinrich Backhaus – ein Priester aus Westfalen in Australien. Paderborn 1985.
  4. Franz Flaskamp, Kardinal Mündeleins deutsche Heimat. Erhellung eines bisherigen Dunkels, in: Westfälische Zeitschrift, 126./127. Band, Münster 1976/77, Seite 458 f.
  5. Bericht „Two Americans“ anlässlich der Kardinalserhebung von George William Mundelein und Patrick Hayes, US-Nachrichtenmagazin Time, New York, 17.3.1924.
  6. Katholische Internationale Presse-Agentur (Hrsg.): Ecclesiastica – Archiv für zeitgenössische Kirchengeschichte, Freiburg (Schweiz), 13. Jg., II. Serie, Nr. 24, vom 17. Juni 1933, Seite 247.
  7. Die Ernennung von Denis Dougherty (1865-1951) zum Bischof von Buffalo erfolgt am 6. Dezember 1915, einen Tag vor Mundeleins Ernennung zum Erzbischof von Chicago. Dougherty, Sohn irischer Einwanderer, wechselt bereits nach zweieinhalb Jahren von Buffalo nach Philadelphia, wo er Erzbischof wird und bereits 1921, drei Jahre vor Mundelein, seine Ernennung zum Kardinal erhält.
  8. Clement Kelley: The Bishop Jots It Down. An Autobiographical Strain of Memories. New York / London 1939, Seite 208.
  9. US-Nachrichtenmagazin Time, New York, 17. März 1924.
  10. Edward R. Kantowicz: Corporation Sole. Cardinal Mundelein and Chicago Catholizism. Notre Dame, Indiana, 1983, Seite 45. Im Folgenden: Kantowicz: Corporation Sole.
  11. Otmar Allendorf: George W. Mundelein (1872-1939): Kardinalerzbischof von Chicago, in: Ellen Rost, Otmar Allendorf, Rolf-Dietrich Müller (Hrsg.): Auf nach Amerika! Zur Amerika-Auswanderung aus dem Paderborner Land. Band 1: Stadt Paderborn. Paderborn 1994, Seite 109.
  12. Francis Cardinal George: The Cardinal I never knew: George Mundelein, in: The Catholic New World, 5. März 2000.
  13. Der Centralverein wurde 1855 in Baltimore gegründet. Er zählte 1896 in 30 US-Bundesstaaten über 47.458 Mitglieder in 550 örtlichen Vereinen. Siehe: Bonaventura Hammer: Die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten Nordamerikas. New York 1897, Seite 399/401.
  14. George William Mundelein: Two Crowded Years. Being Selected Addresses, Pastorals, and Letters Issued During the First Twenty-four Months of the Espicopate. Chicago 1918, Seite 105.
  15. Paul R. Martin: The First Cardinal of the West. Chicago 1934, Seite 26 und 28.
  16. Ebd., Seite 26.
  17. James J. Walsh: Our American Cardinals. New York/London 1926, Seite 249.
  18. Schreiben vom 1. Juni 2009 an den Verfasser.
  19. Franz Flaskamp, Kardinal Mündeleins deutsche Heimat. Erhellung eines bisherigen Dunkels, in: Westfälische Zeitschrift, 126./127. Band, Münster 1976/77, Seite 458, unter Verweis auf die Kirchenbücher der New Yorker Nikolaus-Kirche und das New City Directory jener Jahre.
  20. Mitteilung von Penelope Bonnar, einer in Wisconsin lebenden Nachfahrin der Engemanns, vom 8. Juni 2009 an den Verfasser.
  21. Quelle: www.ancestry.com, U.S. Civil War Soldier Records and Profiles.
  22. Mundelein Career began on East Side, Nachruf auf Kardinal Mundelein in der New York Times vom 3. Oktober 1939.
  23. Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 2. Mai 1921.
  24. Ludwig Hertling: Geschichte der Katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten. Berlin 1954, Seite 272. Im Folgenden: Hertling: Geschichte.
  25. Johann Neuhäusler: Kreuz und Hakenkreuz. München, 2. Auflage 1946, Seite 288.
  26. Hertling: Geschichte, Seite 305.
  27. Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 22. Juni, 1926.
  28. XXVIII. Internationaler Eucharistischer Kongress zu Chicago, Ill., U.S.A. Bericht der deutschsprachigen Sektion. Herausgegeben vom Komitee. Techny, Illinois, 1927, Seite 135.
  29. Adolf Sonnenschein: Nach Chicago. Tagebuchblätter, in: Hochland, München/Kempten, Oktoberheft 1927, Seite 95.
  30. Nachdruck in: XXVIII. Internationaler Eucharistischer Kongress zu Chicago, Ill., U.S.A. Bericht der deutschsprachigen Sektion. Herausgegeben vom Komitee. Techny, Illinois, 1927, Seiten 215-220.
  31. Hermann Abels: Architekt Franz Mündelein +, in: Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 14. Mai 1926.
  32. Ed Snyder: Cardinal Mundelein: First Red Hat of the West, in: Chicago Magazine, May/June 1972, Seite 23.
  33. Johann Neuhäusler: Kreuz und Hakenkreuz. München, 2. Auflage 1946, Seite 289 ff.
  34. Elke Fröhlich (Hrsg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Sämtliche Fragmente. Teil I, Band 3, München 1987, Seite 149. Im Folgenden: Fröhlich: Tagebücher.
  35. Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 20. Mai 1937.
  36. Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 22. Mai 1937.
  37. Gespräch mit Dr. Marianne Mündelein am 31. März 2009.
  38. New York Times, 20. Mai 1937.
  39. Völkischer Beobachter, Berlin, 30. Mai 1937.
  40. Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 29. Mai 1937.
  41. Fröhlich: Tagebücher, Seite 156.
  42. Dieter Albrecht (Bearb.): Der Notenwechsel zwischen dem Heiligen Stuhl und der deutschen Reichsregierung. Band II: 1937-1945. Mainz 1969, Seite 23 f. Im Folgenden: Albrecht: Notenwechsel.
  43. Note Pacellis vom 24. Juni 1937, in: Albrecht: Notenwechsel, Seite 29.
  44. Westfälisches Volksblatt, Paderborn, Ausgabe vom 21. Mai 1937.
  45. Albrecht: Notenwechsel, Seite 20, Anmerkung 1.
  46. Osservatore Romano vom 19./.20. Juli, zitiert in: Albrecht: Notenwechsel, Seite 30, Anmerkung 1.
  47. Fröhlich: Tagebücher, Seite 207.
  48. Albrecht: Notenwechsel, Seite 214.
  49. Albrecht: Notenwechsel, Seite 29.
  50. Chicago Daily News, 3. Oktober 1939.
  51. New York Times vom 3. Oktober 1939.
  52. US-Nachrichtenmagazin Time, New York, 9. Oktober 1939.
  53. New York Times vom 3. Oktober 1939.
  54. Kantowicz: Corporation Sole, Seite 237.
Weitere Literatur zu Kardinal Mundelein:
XXVIII. International Eucharistic Congress June 20-24, 1926, Chicago 1926.
The Story of The Twenty-Eigth International Eucharistic Congress held at Chicago, United States of America from June 20-24, 1926. Compiled by the Reverend C. F. Donavan. Chicago 1927.
The Picture Story of the XXVIII. International Eucharistic Congress, Chicago, June 20-24, 1926. Compiled by W. G. McFarlane. Chicago/Toronto, ohne Jahr.