Friedrich Schütte über Jürgen Krämer (Hrsg.), "Melle(r) in der Neuen Welt" – Buchvorstellung
Melle(r) in der Neuen Welt Ein Brückenschlag aus dem Osnabrücker Land in die USA und zurück Jürgen Krämer (Hrsg.)
Hardcover gebunden 209 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen Verlag Buchhandlung Sutmöller, Melle 2007 ISBN 978-3-00-015038-8 Preis € 22,00
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„Lady Liberty“ (Die Freiheits-Statue) von New York und „Mutter mit Kind“ auf dem Einwanderer-Denkmal in New Melle (Missouri) zieren, einander beziehungsreich gegenüberstehend, die blau-rote Titelseite: Melle (Kreis Osnabrück) und New Melle (Missouri) sind seit 20 Jahren Partnerstädte, Grundlage: Nahezu 170-jährige, buchstäblich verwandtschaftliche Beziehungen Hunderter (oft gleichnamiger) Familien von hüben und drüben. Seit 20 Jahren zusammenlaufend in eine Sister-City-Verbindung, die von gegenseitiger Wiederentdeckung nach dem Zweiten Weltkrieg, offiziellen und privaten Besuchen, kulturellem und mitmenschlichem Austausch alter wie junger Menschen beider Gemeinwesen prächtig lebt und gedeiht!
Das alles ist derart vorbildlich, dass selbst Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff zur Feder griff und ein Loblied auf die Partnerschaft Melle-New Melle im Besonderen sowie im Allgemeinen auf alle 17 deutsch-amerikanischen Verschwisterungen dieser Art in Niedersachsen (und überdies 134 prosperierende Partnerschaften niedersächsischer Schulen zu Unterrichtsstätten in den USA) singt.
Als mindestens ebenso gewichtig wie ungewöhnlich informativ erscheint ein persönlicher Beitrag von General-Konsul Duane C. Butcher (Hamburg), der einen aktuellen Überblick über die realen Möglichkeiten für Schulaufenthalte und Studium Deutscher in den Vereinigten Staaten gibt, nebst Bezugsadressen, an die sich Schüler, Studenten und Eltern bei Interesse wenden können. Die dabei zu überwindenden bürokratischen Hürden im Gastland USA werden objektiver Weise nicht vergessen.
Flankiert von derart prominenten Gastautoren, ist es dem Initiator und Herausgeber des erfreulich übersichtlich gestalteten und flüssig zu lesenden Buches, dem Meller Journalisten Jürgen Krämer, gelungen, für die Darstellung der Massenauswanderung des 19. Jahrhunderts von Melle nach Nordamerika einerseits sowie die Wiederentdeckung der verwandtschaftlichen Beziehungen von hüben nach drüben und letztlich zur Gründungsgeschichte der bisher 20 Jahre bestehenden Sister-City-Verbindung Melle-New Melle andererseits, mehr als ein Dutzend höchst sachkundige Ko-Autoren zu finden, an ihrer Spitze, als Nestor der Erforschung deutsch-amerikanischer Migrationsgeschichte, der amerikanische Forscher und Professor an der Texas A&M-University, Dr. Walter Kamphoefner.
Kamphoefner (Autor von Bestsellern wie „Westfalen in Amerika“ oder „Deutsche im Amerikanischen Bürgerkrieg“) kennt das sich über vergangene 170 Jahre erstreckende Beziehungsgeflecht zwischen Melle (Deutschland) und New Melle (USA) persönlich aus dem ff: Seine Vorfahren stammen selbst aus dem Meller Land, und aufgewachsen ist er in der „plattdeutschen Prärie“ rund um New Melle und Cappeln, Missouri!
Deshalb stellen Kamphoefners beiden Aufsätze „Aus dem Grönegau in die neue Welt“ und „Vom Heuerling in Düingdorf zum Farmer in Missouri“ sozusagen das wissenschaftliche Rückgrat des Bandes dar.
Die Edition wird aber erst richtig „rund“ bzw. auf verschiedenen Berichtssträngen komplett, indem ausgesuchte Spezialisten von hüben wie drüben unter speziellen Aspekten der Massen-Emigration des 19. Jahrhunderts von Niedersachsen und Westfalen nach USA und im Besonderen der Sister-City-Verbindung zwischen Melle (Deutschland) und New Melle (Nordamerika) ausführlich zu Wort kommen. Zum Beispiel Wolfgang Dreuse mit seinem Report „Genealogen auf Spurensuche in Melle und New Melle“, ferner mit namentlichen Auswandererlisten etlicher Dörfer rund um Melle.
Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Jan Wirrer (Universität Bielefeld) berichtet über seine Plattdeutsch-Forschungen in Missouri - „Plattdeutsch als orales Relikt aus der Zeit der Einwanderung in die „Neue Welt“. Dr. Reinhold Kassing thematisiert die „Völkerwanderung“ des 19. Jahrhunderts aus dem Osnabrücker Land nach Übersee in seinem Beitrag „Massenbewegung aus dem Osnabrücker Land in die USA“, während die Meller Kommunalexperten Wilhelm Knigge und Josef Stock Melle und den Grönegau so darstellen, wie er im 19. Jahrhunderts aussah und nach Zusammenbruch des Leinengewerbes zu bitterer Not und Emigration führte.
Wilhelm Röper (Vorsitzender Deutsch-Amerikanischer Freundeskreis) berichtet in Wort und Bild über die zahlreichen Partnerschaftsreisen der Vergangenheit, ebenso wie Herausgeber Jürgen Krämer („New Hopes, New Dreams, New Melle“) plus Vita des in Melle (Deutschland) entstandenen Auswandererdenkmals, das seit 2004 vor der St. Pauls-Kirche in New Melle steht, fein abgestimmt mit seiner Ko-Autorin und US-Partnerschafts-Präsidentin JoAnn Hammel („Anfänge in Missouri“).
Auflockernd garniert wird die Gesamtedition durch spannende Kurz-Biographien berühmt gewordener Meller in den USA. So stellt Jürgen Wildt (langjähriger früherer Lokalchef der Neuen Osnabrücker Zeitung in Melle) Ekke Schnabel vor, eine aus Melle stammende Spezialistin für Urheber-Rechte, die z.B. die Interessen von Leonhard Bernstein und Elton John & Co vertrat. Ein weiteres Porträt von Jürgen Wildt dient der Erinnerung des in Melle beheimatet gewesenen Astronomen und NASA-Direktors der 1990-er Jahre, Professor Dr. Jürgen Rahe.
Mit seiner (wahren und sauber recherchierten) Wildwest-Geschichte über den legendären Trapper Daniel Boone im Tal des Flusses Femme Osage nahe New Melle („Legendärer Pionier mit schrägem Humor“) zieht Herausgeber Jürgen Krämer noch einmal alle Register lebendiger Geschichtsschreibung vor Ort in der „Neuen Welt“.
Das allerletzte Kapitel durfte ich selbst über das seit 2003 Forscher und Kontinente verbindende Elektronische Netzwerk „www.amerikanetz.de“ schreiben – da, wo „Roots“-Suchende hüben wie drüben in die Archive schauen und ihre persönlich-familiären Fäden von Niedersachsen und Westfalen nach Amerika (und umgekehrt) im wahnwitzigen Tempo unserer medial vernetzten Welt suchen – und … auch sehr oft (wieder)finden!
Friedrich Schütte schuette@amerikanetz.de
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