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Michael Rosenkötter über Bernd Brunner, "Nach Amerika. Die Geschichte der deutschen Auswanderung" ? Buchbesprechung

Um es gleich vorweg zu nehmen, das Buch ist ein Ärgernis!

Es richtet sich an eine Öffentlichkeit, die sich mit dem Thema der deutschen Amerikaauswanderung noch nicht befasst hat und einen Überblick über die historische Entwicklung bekommen möchte. Der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt die Breite des Vorhabens:

Die Anfänge der deutschen Amerikaauswanderung; Die Pfälzer und verschiedene Sektierer gelangen nach Amerika; Vor der Unabhängigkeit; Reise und Redemptionswesen; Der Beginn der Massenauswanderung; Die Rolle der Agenten; Der Abschied von der Heimat; Überfahrt im 19. Jahrhundert; Informationsquellen für Auswanderer; Rückwanderung; Die Diskussion über Auswanderung; Eine andere Wirklichkeit; Begegnungen mit Angehörigen anderer ethnischer Gruppen; Amerikanische Vorstellungen von Deutschen; Arbeit in der neuen Heimat; Projekt eines deutschen Staates auf amerikanischem Boden; Turner, Achtundvierziger und spätere Reformer; Deutsche Juden im 19. Jahrhundert; Deutsches Leben in New York City; Die Bewegung nach Westen; Im Bann des Goldrausches; Im Bürgerkrieg; Unterschiede zwischen Deutschamerikanern; Die deutsche Sprache in Amerika; Im frühen 20. Jahrhundert; Im Ersten Weltkrieg; Zwischen den Weltkriegen; Das amerikanische Exil; Nach dem Zweiten Weltkrieg

Dies alles in 28 Kapiteln auf 230 Textseiten! Der Autor scheitert in seinem Vorhaben kläglich. Wohl mögen die Leser einen Eindruck vom Thema Amerikaauswanderung bekommen, und anfänglich verwundern jene Textpassagen mit vielen Details, die den Eindruck großer Sachkenntnis vermitteln. Aber immer dann, wenn es interessant wird, werden die Leser allein gelassen. Immer wieder wird das Thema unvermittelt abgebrochen und der Leser kommt nicht hinterher. Manche Kapitel sind nur vier oder fünf Seiten lang, entsprechend werden die Aspekte nur angerissen. Darüber hinaus werden kaum Hinweise gegeben, wo und wie man sich weiter mit einem Themengebiet auseinandersetzen kann. Konkrete Anmerkungen fehlen gänzlich.

Und damit beginnt das Ärgernis: Nehmen wir die Darstellung der beiden ersten Kapitel auf immerhin 26 Seiten – diese beruht fast ausschließlich auf Rudolf Cronaus Drei Jahrhunderte deutschen Lebens in Amerika von 1909. Nur ein Hinweis hierauf findet sich in dem Text nicht! Das Original ist übrigens als pdf-Datei (Achtung: 52 MB!) und als txt-Datei (1,4 MB) im Internet herunterzuladen. Werfen wir einen Blick auf die Kurzchronik am Ende des Buches. Auch hier gibt es das vollständige Original im Internet zu lesen: The Library of Congress – European Reading Room: The Germans in America – Chronology. Wieder kein Hinweis hierauf durch den Autor. Die Literaturbasis für die anderen Kapitel habe ich nicht weiter verfolgt, doch bleibt der Eindruck, dass auch hier ähnlich gearbeitet wurde.

Der Klappentext wirbt u. a. mit 'Tipps für eigene Familienrecherchen'. Dort werden lediglich sechs (!) Internet-Adressen angegeben: Das Auswandererhaus in Bremerhaven und Ballin-Stadt in Hamburg, die Passagierlisten der Bremer MAUS, Ellis Island und Castle Garden und die Sammlung von Auswandererbriefen von Helbig. Diese Adressen sind dürftig und darüber hinaus nur wenig hilfreich.

Größtes Ärgernis ist aber, dass selbst für Einsteiger in das Thema der deutschen Amerikaauswanderung keine klare Linie erkennbar wird, geschweige denn, dass der Autor sich darum bemüht, eigene Gedanken zum Thema beizusteuern.

 

Bernd Brunner:

Nach Amerika
Die Geschichte der deutschen Auswanderung

C. H. Beck, München 2009
253 Seiten mit 17 Abbildungen
Paperback
ISBN 978-3-406-59184-6
Erschienen: 22.09.2009

12,95 ? inkl. MwSt.