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Martin Holz: Auswanderung. Kaiserliches Edikt vom 7. 7. 1768

(LXXXVI.)

Von Gottes Gnaden Wir Maximilian Friderich, Erz-Bischoff zu Cölln, des Heil. Römischen Reichs durch Italien Ertz-Cantzler, und Chur-fürst, LEGATUS NATUS des Heil. Apostolischen Stuhls zu Rom, Bischof zu Münster, in Westphalen und zu Engeren Herzog, Burggraf zum Stromberg, Graf zu Königsegg-Rottenfels, Herr zu Odenkirchen, Borckelohe, Werth, Aulendorff und Stauffen, etc. etc.

Demnach Ihro Römisch-Kayserliche Majestät Uns jenes wider das Auswanderen der teutschen Unterthanen, in andere mit dem Römischen Reich in keiner Verbindung stehende Lande, erlassene allergnädigste Edict haben zugehen lassen, um dasselbe im hiesigen Hochstift zur gehörigen Verkündigung bringen und auf dessen genaue Beobachtung halten zu lassen, nachstehenden Inhalts:

Wir Joseph der Andere, von GOttes Gnaden erwählter Römischer Kayser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, in Germanien und zu Jerusalem König, Mit-Regent, und Erb-Thron-Folger der Königreiche Hungarn, Böheim, Dalmatien, Croatien, und Sclavonien, Ertz-Hertzog zu Oesterreich, Hertzog zu Burgund, und zu Lotharingen, Groß-Herzog zu Toscana, Groß-Fürst zu Siebenbürgen, Hertzog zu Mayland, Bar, etc. Gefürsteter Graf zu Habspurg, Flanderen und Tyrol etc. etc.

Entbiethen allen und jeden Churfürsten, Fürsten, Geist- und Weltlichen Prælaten, Grafen, Freyen, Herren, Ritteren, Knechten, Land-Vögten, Haupt-Leuten, Vitz-Dommen, Vögten, Pflegeren, Verweseren, Amt-Leuten, Land-Richteren, Schultheissen, Burgermeisteren, Richteren, Räthen, Bürgeren, Gemeinden, und sonst allen Unseren und des Reichs Unterthanen, und Getreuen, in was Würden, Stand oder Wesen die seynd, denen dieses Unser Kayserliches Edict vorkommet, Unseren Freund- Vetter- und Oheimlichen Willen, Kayserliche Hulde, Gnade und alles Gutes, und fügen Euer Liebden, Liebden, Andacht, Andacht, Lbden, Lbden, und Euch hiemit zu wissen: Uns ist von denen ausschreibenden Fürsten deren vorderen Reichs-Craysen ver-schiedentlich angezeigt worden, was Massen seither dem vor kurtzen Jahren geendigten Krieg das Emigriren deren teutschen Reichs-Unterthanen im Schwung gehe, und dieses bedenckliche Unwesen so zunehme, daß dadurch das teutsche werthe Vatterland einen mercklichen Verlust vieler Dienst- tauglichen Leuten erleyde, und nicht wenig entvölckert werde, die von gedachten Crayß-Ausschreib-Aemteren zum Theil durch Edicten gemachte Vorkehrungen hatten aber um deßwillen entgegen diese Entvölckerung die hinlängliche Würckung nicht verschaffen können, weilen in mehreren Unseren, und des Heil. Römischen Reichs Städten, die Versammlungs-Niederlage, und die Transportirungs-Gelegenheit zumahlen zu Wasser gestattet, sonderlich aber denen Verführerischen Anwerberen und Unterhandleren in solchen Unseren und des Reichs Städten, die gröste Handbiethung geleistet wird, Uns dahero dieselbe Crayß- ausschreibende Fürsten, wiederholt ange-legentlich, und bittlich ersuchet haben, damit Wir, als Römischer Kayser, durch Unser Kayserliches Oberhauptliches Amt, eine allgemeine Verordnung in das gesamte Reich, wider die annoch täglich fortdaurende Auswandlung, besonders an Unsere, und des Reichs Städte, wo der Gemeinschädliche Unfug sothaner Werbungen, am häufigsten getrieben werde, vorzüglich, und nahmentlich, an die Reichs-Städte Lübeck, Bremen und Hamburg zu gäntzlicher derselben Abstellung zuerlassen; Wie Wir nun dieses an Uns gelangte Suchen, zur Wohlfarth des Reichs vorträglich, auch deshalb eine weitere ausgiebige Hülfe erforderlich zu seyn, ansehen, nicht weniger in alt- und neueren Gesätzen mehrmahlen, auch in Unserer Königlichen WahlCapitulation, verschiedentliche heilsame Vorsehung enthalten zu seyn, befinden, auf was Weise der Anwerbung, und dem Auszug einiges Volcks ausserhalb Reichs, wann dadurch zumahlen dasselbe der Mannschafft entblösset werde, vorgekommen werden solle; So wollen Wir auch aus wahrer dem Reich geeigneter Reichs-Vätterlicher Liebe, mit Unserem Kayserlichen Amt dem obgedachten so allgemein-schädlichen, und unersetzlichen Ubel der Entvölckerung abzuhelffen, mithin alles Ausziehen teutscher Reichs-Unterthanen in fremde, mit dem Reich in keiner Verbindung stehende Länder allen Gattungen des Fortwanderens, welche den gäntzlichen Verlust so vieler teutscher Einwohner, und dadurch dessen Entblössung, und Entkommung von aller Vatterländischen Beyhülfe verursachen, abzustellen, nicht länger anstehen; Gesinnen, und begehren dahero an Euer Lbden Lbden, Andacht, Andacht, Lbden, Lbden, Freund- Vetter- Oheim- und gnädiglich, anderen aber befehlen Wir hiemit gnädigst, und ernstlich, besonders euch Burgermeisteren und Rath, Unserer und des Reichs Städten vornemlich denen zu Lübeck, Bremen und Hamburg aus Kayserlicher Macht, und Unseren ernstlichen wohlbedachlichen Willen, daß sie und ihr erstlich: Niemanden, wer der auch seyn möge, ohne die, denen Reichs-Satzungen gemäße Weeg, und Mittel, in andere, mit dem Reich in keiner Verbindung stehende Länder ausser des Heil. Römischen Reichs Gräntzen den Außzug verstatten. Zweytens: gegen jene, so sich heimlich fortzumachen, unternehmen, genaue Obacht halten, solche auf betretten, gefänglich anhalten, dieses Frevels halber nach Befund mit gemessenen Strafen belegen. Drittens: Keinem die Veräusserung seiner Güther und Haabschafft, in sträflicher Absicht solch verbottenen Auszugs mittelst dargegen vorkehrender genugsamen Verfügung zu geben. Viertens: Auf die sich irgendwo aufhaltende, oder herumziehende Anwerber, Emissarien, Verführer, Unterhandler, und deren Helffer, allenthalben die genaueste Kundtschafft ausstellen, selbe bey entstehenden Verdacht gefänglich anhalten, sohin dem Befinden nach mit Leibs- oder allenfallsigen Le-bens-Straf ansehen. Fünftens: Unter keinerley Vorwand einiger Orten einen Sammel-Platz vorgedachter Leuten, weder heimlich, weder offentlich dulden, mithin mit genauer öfterer Visitirung scharffe Obsorg tragen, die befindliche Versammlungen stöhren, die darunter wissentlich Schuldige einziehen, die andere aber, zu ihren Geburts- oder Wohn-Städten zuruck senden. Sechstens: Allen Fuhrleuten zu Wasser und Land, Bothen, und Wegführeren, Wirthen und Gastgeber diß Unser Kayserliches offentliches Gebott, und Verbott, nebst der allgemeinen Verkündigung zur besonderen Wissenschafft bringen, sodann Siebendens: wie Sie, und ihr solches vollzogen, oder was für eine fernere Hülfe, zu Erreichung dieses Endzwecks erforderlich seyn möge, Uns, oder deren Crayß-ausschreibenden Fürsten, welchen Sie, und ihr zugehören, gebührend, und zeitlich anzeigen, damit bey einiger wider vorgedacht Unser Kayserliche Verordnung erfolgender Versaumnuß, Nachgiebigkeit, oder Versehens, nicht nöthig seye, dieserhalb gegen die Orts Obrigkeiten selbsten ohnmittelbares schärferes, und ohnausbleibliches Einsehen zu gebrauchen; Wir wollen alles solches vermittels dieses Unseres Kayserlichen Edicts also hiemit ins Reich offentlich verkündigen, und zu männiglichens Wissen bringen; An alles dessen Beförderung, und genauer Beobachtung, thun und vollziehen Euer Lbden, Lbden, Andacht, Andacht, Lbden, Lbden, ein gutes und annehmliches und Uns benebens zu gnädigen Gefallen gereichendes Werck, all andere hingegen erfüllen andurch unseren gnädigsten Willen, und Meynung. Geben zu Wien den 7ten Julii 1768. Unseres Reichs im fünften.

L.S. Joseph.
VT Fürst Colloredo.
Ad Mandatum Sacræ Cæsareæ Majestatis proprium.
Frantz Georg von Leykam.

So befehlen Wir Unseren Beamten, Richteren, Ober- und Untervögten, Burgermeisteren und Vorsteheren in den Städten und Wigbolten, Führeren und Baurrichteren auf dem Lande, darauf genauest zu obachten, auch jedermänniglichen sich darnach gehorsamst zu richten. Damit nun niemand mit der Unwissenheit sich entschuldigen könne, und diese gnädigste Verordnung zu jedermanns Wissenschafft gelange, soll selbe zum Druck befördert, an gewöhnlichen Orten verkündiget, und angeheftet, sodann von den Beamten von dessen geschehener Verfügung vermittels gewöhnlicher Obrückschickung eines der geschehenen Publication und Affixion halber attestirten Exemplaris bey Unserem Geheimen Rath docirt werden. Urkund Churfürstlichen Geheimen Cantzley-Insiegels, und der Vidimation. Signatum Münster den 9ten Martii 1769.

L.S. VT G. A. SPIEGEL
Zum Diesenberg.
C. B. Münsterman.

Hier können Sie sich eine Kopie des Kaiserliches Edikts
als PDF herunterladen. (PDF | 10,5 MB)